Grüne halten Isel-KW für nicht realisierbar

Das Projekt sei unwirtschaftlich und ökologisch zu sensibel.

Zur Kritik am Virger Kraftwerk luden die Grünen in ein Lienzer Café an der Isel. Von links Sepp Brugger, Nicole Schreyer und Thomas Haidenberger.

Wenig Chancen auf behördliche Genehmigung geben die Osttiroler Grünen dem geplanten Kraftwerksprojekt an der Oberen Isel im Gemeindegebiet von Virgen und Prägraten.

Ihren Optimismus begründen Sepp Brugger und der frisch gekürte Landtags-Spitzenkandidat Thomas Haidenberger mit einer ganzen Reihe von Argumenten.

So zweifelt Haidenberger, ausgebildeter Energiefachmann, an der Stichhaltigkeit der Ertragsrechnung vor dem Hintergrund sinkender Strompreise: “Bereits heute gibt es Sommertage, an denen Strom aus Wasserkraft an der Energiebörse Leipzig praktisch nichts wert ist.” Genau dann, wenn das Kraftwerk, das zu einer massiven Ausleitung der Isel führen würde, am meisten Strom produziere, sei dieser relativ wertlos. Im Winter führe die Isel dagegen kaum Wasser.

Nur ein Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließe im Schnitt an Wintertagen im Bachbett bei Hinterbichl, verglichen mit 15 bis 20 Kubikmeter im Sommer.  “Der geplante Tagesspeicher gleicht das nicht aus.” Es würde Tage dauern, den Speicher und den Stollen ein einziges Mal zu füllen, erklärt Haidenberger. Weil 90% des Wassers im Sommer vom Gletscher fließen, sei die Auslastung des Kraftwerkes mit lediglich 35 Prozent über´s Jahr sehr gering.

Es würde Jahrzehnte dauern, bis die Gemeinden ihre Investitionskosten und die Fremdmittelzinsen zurückbekämen. Vor 20 oder 30 Jahren hätte man Projekte dieser Art noch halbwegs wirtschaftlich eingestuft, heute sei eine Kraftwerksplanung wie die der INFRA vor dem Hintergrund hoher ökologischer und sozialer Kosten nicht nachhaltig. Sepp Brugger kritisierte die “ungute Polarisierung”, die jetzt in den Gemeinde Virgen und Prägraten stattfinde, geschürt von Kraftwerksplanern, denen die sensible ökologische Situation sehr wohl bewusst sei: “Dadurch kommt es ja erst zu den Interessenkonflikten”.

Bruggers Parteikollegin Nicole Schreyer, Umweltbiologin und eigens aus Kufstein zur Pressekonferenz an die Isel gereist, assistierte mit Daten zur Gewässerökologie. Vom morphologischen Zustand über den Gletscherbachcharakter, durchgängig mögliche Fischwanderung und Geschiebeführung sei die Isel ein sehr gut erhaltener gewässerspezifischer Lebensraum und deshalb “hoch gefördert”. Weder der Tiroler Kriterienkatalog für Kraftwerke noch dessen österreichweites Pendant sprechen laut Schreyer für das Vorhaben.

Die Grünen fragen sich zudem, warum Virgen nicht weiter und noch stärker als bisher die Photovoltaik forciert, eine Energieform, die in Osttirol aufgrund der vielen Sonnentage um 20% ertragreicher als nördlich der Alpen sei.

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12 Kommentare bisher

  1. Churchill
    Minerva

    Warum kommt keiner auf die Idee der Pump-Speicherkraftwerke!! Die können genau dann Strom liefern, wenn er am dringendsten benötigt wird! Und auch der einfältigste Ökonom wird bemerken, dass dies die rentabelste Variante wird. Und das unabhängig von Wind und Wetter!

  2. sonnenstadtler
    sonnenstadtler

    …ja, ja, die kultur wird schärfer und da haben ganz am anfang gleich zwei leidenschaftliche? auf hr. haidenberger und das medium dolomitenstadt.at geschossen…
    ich finde es gut, wenn meinungen geäußert und beispielsweise so wie hier auch schnell und effizient verbreitet werden können, nur wenn man glaubt andere abqualifizieren zu müssen, dann sollte man nicht nur einfordern sonder auch was beitragen, denke ich
    …hr. haidenberger hat in dieser hinsicht sicherlich schon mehr beigetragen für den umweltschutz in osttirol, als so manches konzept von oben > direkt an der basis und aktiv dabei
    …das die potentiale und möglichkeiten mit strom aus photovoltaik hier zulande noch nicht so in den köpfen ist, als wasserkraft, das nehme ich niemanden übel, aber ein kraftwerk zu befürworten, dass niemand brauchen wird, wenn es in betrieb gehen sollte, das lässt a gewisses gspür für unsere sensible natur schon vermissen
    …grünen strom zu produzieren ist dann wenn das so sehr umstrittene kraftwerk fertig sein sollte keine kunst und es gibt möglichkeiten, die weit schonender sind; die energie wird immer einen politischen preis haben, aber strom kann rein von den herstellkosten am leichtesten tief bleiben; da muss man keine naturschönheiten angreifen, ganz sicher nicht; und schon zweimal nicht, weil sich den rahm (sollte es den überhaupt jemals geben) sowieso nur ein konzern abholt, der sich jetzt diese unsinnigen investitionen auch leisten kann
    …finger weg von so projekten, die kaum eine gemeinnützige wirkung erkennen lassen
    …hin zu den alternativen, umweltschonenden möglichkeiten wie beispielsweise photovoltaik, und lernen wir den umgang damit, die deutschen netzbetreiber sind unseren darin schon um einiges voraus – warum wohl ? ;-))

  3. Detektor

    Die Grünen können durchaus recht haben: Die rechtliche Beurteilung des Projektes unterliegt Gesetzen (Wasser- , Naturschutzrecht), die durch den „Kriterienkatalog Wasserkraft“ des Landes Tirol nicht unwirksam werden, auch wenn diesen Katalog die IINFRA i noch so schön mitgestaltet hat. Sollte sich dann z.B. im Lauf des Wasserrechtsverfahrens herausstellen, dass die von der INFRA den Bürgermeistern und der Bevölkerung eingeflößten Hoffnungen doch nicht zutreffen und die nicht geringen Kosten der Planung (und Werbefirmen!) vergeblich aufgewendet wurden, aber doch bezahlt werden müssen, so ist dies dann nicht den Einwendern im Verfahren anzulasten, sondern vorschnellen Beschlüssen und leichtfertig geweckten Hoffnungen.

  4. Thomas Haidenberger
    thohai

    Vielleicht kann der folgende Auszug aus dem Bescheid der Tiroler Landesregierung, Abteilung Wasser-, Forst- und Energierecht, aus dem Jahr 2010 zu einem Kraftwerksprojekt im Debanttal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.
    2 Abschnitte aus den Seiten 48 und 49:
    Als Folge der Liberalisierung des europäischen Strommarktes verlieren lokale und nationale Märkte gegenüber Regionalmärkten an Bedeutung. Diese Entwicklung von regionalen Märkten bzw.
    langfristig eines europäischen Strombinnenmarktes stellt dabei ein vorrangiges Ziel der Energiepolitik der Europäischen Union dar. Damit orientiert sich der Einsatz eines (Wasser-) Kraftwerks nicht mehr am Bedarf des Versorgungsgebietes der jeweiligen Landesgesellschaft
    (zB. Tirol), sondern am Bedarf des zugrunde liegenden Regional-marktes. Für Tirol bzw. Österreich ist dabei heute der so genannte Regionalmarkt West (Österreich, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Beneluxstaaten und Slowenien) maßgeblich, wobei die deutsche Strombörsen EEX in Leipzig preissetzend für Österreich und damit für Tirol ist.

    Aufgrund der vom Dargebot abhängigen und damit saisonal zum Teil stark schwankenden Erzeugung im Laufwasserkraftwerken ist deren Beitrag zur gesicherten Deckung zur Jahreshöchstlast allerdings oft vergleichsweise gering (vergleiche Wasserkraft in Tirol, Kriterien für
    die weitere Nutzung der Wasserkraft in Tirol, Seite 4ff).
    Die in der gegenständlichen Kraftwerksanlage erzeugte Energie wird in das Netz gespeist. Die im gesamten Bezirk Lienz in den Jahren 2007 und 2008 nachgefragte elektrische Energie betrug ca. 330 GWh. Die Erzeugung aus Wasserkraft beträgt im Regeljahr etwa 540 GWh. Der Bezirk Lienz weist somit einen deutlichen Überhang aus Wasserkraftstromerzeugung gegenüber dem elektrischen Bedarf aus.

    … amüsant finde ich das übrigens nicht!

  5. G_J_Hahne

    Nachtrag Pumpspeicher:
    Es liegt mir eine email der Infra vor. Inhalt: Ein Pumpspeicherkraftwerk würde nicht gebaut. Offensichtlich ist bei diesem Kraftwerksprojekt auch unmögliches möglich.

  6. G_J_Hahne

    @F_Z
    Photovoltaik ist nicht nur an Sommertagen nutzbar, sondern an allen Sonnentagen, also auch im Winter. Bei weniger Sonne also weniger effektiv. Eine Einschränkung gilt auch im Sommer bei der Wasserkraft.
    Wasserkraft aus einem Gletscherbach ist allerdings nur im Sommer, bei Temperaturen wo der Gletscher schmelzen kann, effektiv nutzbar.
    Im Februar bspw. werden 4,2 Tage benötigt um den Druckstollen (100.000m³) + Tagesspeicher (100.000m³) zu füllen. Diese Speicher sind aber schon wieder nach 3,6 Stunden leer.
    Hier ein Link aus Osttirol, der ist allerdings nicht amüsant!
    http://www.wasser-osttirol.at/?Sel=708
    Ist wie googeln, aber präziser! Einfach mal über den eigenen Schatten springen und sich fragen, welche Opfer sollen in Osttirol noch erbracht werden. Für was?

  7. Stephan Troyer
    StephanTroyer

    Nachts ist der (private) Stromverbrauch so gering, dass es sich so ein Kraftwerk (auch vom Gewinn) kaum rentiert, neben Wasserkraft gibt es da übrigens auch noch Windkraft.
    Was den Stollen betrifft, so sind die Grünen bestens informiert, zum aktuellen Planungsstand wird mindestens der Triebwasserweg (der längste Teil vom Stollen) als Speicher zusätzlich genutzt. Interessant ist auch, dass ein kleines “Pumpspeicherkraftwerk” im aktuellen Plan inkludiert ist.
    Im Winter dauert es übrigens auch Tage (unter der Woche plus Wochenende) bis der Speicher voll ist.
    Als Stromzwischenspeicher gibt es einige experimentelle Methoden, die allerdings noch in den Kinderschuhe stecken. Energiezwischenspeicher gibt es aber viele, etwa Stauseen, aber auch etwa bei solarthermischen Kraftwerken in Form eines Wärmereservoirs, was gerade etwas im Kommen ist.
    In dieser Hinsicht werden auch Pumpspeicherkraftwerke in Zukunft an Bedeutung verlieren, da die Wirtschaftlichkeit dieser hauptsächlich von der Strompreisfluktuation beeinflusst wird, gerade aber durch Solar- und Windstrom herrscht öfters ein Stromüberangebot, während dadurch diese Preisspanne zurück geht.
    Dies stellt auch ein zweites Problem (vor allem für die Gemeinden) beim geplanten Kraftwerk dar, denn die Gewinne werden gerade im Winter durch die Spitzen in der Preisschwankung erzeugt.

  8. F_Z

    Amüsant fand ich z.B. die Aussage das wir keine Kraftwerke brauchen, weil es eh genug Strom gibt (Leserbrief aus dem OB). Nach den Daten vom Bundesumweltamt ist der Stromverbrauch seit 1990 jährlich um ca. 2% gestiegen – ich denke wir brauchen neue “Stromquellen”.
    Und wenn in diesem Artikel steht “Es würde Tage dauern, den Speicher und den Stollen ein einziges Mal zu füllen” dann kommt mir das auch komisch vor – ich denke doch, der Stollen bleibt gefüllt wenn er denn mal voll ist.
    Wegen der Frage zu dem “ausgebildeten Energiefachmann” – das war Ernst gemeint – ich habe beim Googeln leider nix dazu gefunden – und es würde mich wirklich interessieren.
    Und zu den “weiteren Stromerzeugungsarten” und Zwischenspeicherungungen bitte ich um Infos, was genau gemeint ist. Weil wenn es eine ausgereiftere und wirtschaftlich sinnvolle Methode gibt als Stauseen (als Zwischenspeicher) gibt, dann würde ich gerne mehr darüber wissen.

  9. Detektor

    Kleine Empfehlung an F_Z und franzgrimm:

    Nicht jemanden aus sicherer Deckung untergriffig mit allgemeinen Behauptungen heruntermachen, sondern angeblich „Amüsantes“ konkret anführen und stichhältig widerlegen – das wäre ein glaubwürdiger und fairer Beitrag!

    Noch ein Tipp: statt gescheit über andere reden sich selbst besser informieren – z.B. über längst vorhandene weitere Stromerzeugungsarten, über verschiedenste Möglichkeiten der Zwischenspeicherung und über Entwicklungen an der Strombörse!

  10. MelissaM

    Sehr interessant finde ich an den Postings von franzgrimm und F_Z den Satz “… einige seiner Aussagen aus diversen Zeitungen usw …”. Fällt euch auf, dass das identische Sätze sind? Also bitte, ihr lieben Stromlobbyisten, verteilt wenigstens unterschiedliche Texte an eure Leserbrief- und Kommentarschreiber. Wirklicher Energieexperte ist natürlich nicht Thomas Haidenberger, sondern Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler. Und dessen Thesen kann man natürlich auch nur in total qualifizierten Medien nachlesen, von denen es im Bezirk ja sehr viele gibt, zum Beispiel Osttiroler Bote oder Kleine Zeitung, um nur die allerbesten zu nennen.

  11. franzgrimm

    welche Qualifikation Hr. Haidenberger zum “ausgebildeten Energiefachmann” macht? Einige seiner Aussagen aus diversen Zeitungen klingen zum Teil mehr amüsant als fachlich fundiert.

    Und dieses “Medium” passt genau dazu,da haben sich 2 Gefunden…

  12. F_Z

    JaJa, da Strom aus Photovoltaik vorrangig behandelt werden muss, ist an Sommertagen, wenn das Wetter stimmt, wirklich etwas viel Strom am Markt…
    Aber ich denke es gibt da ein Lösung:
    Wir nutzen den Strom aus dem Wasserkraftwerk nachts – da scheint keine Sonne, und die Menschen wollen trotzdem Fernsehen, oder Licht anmachen oder sowas…

    Gibts eigentlich irgendwo vernünftige Zahlen die belegen wieviel Strom wann in Osttirol erzeugt wird, und wieviel wann verbraucht wird?

    Und weiß zufällig jemand welche Qualifikation Hr. Haidenberger zum “ausgebildeten Energiefachmann” macht? Einige seiner Aussagen aus diversen Zeitungen klingen zum Teil mehr amüsant als fachlich fundiert.