Im Doppeldecker von Lienz nach Innsbruck

Ein Schnellbus soll die Osttiroler in knapp drei Stunden nach Innsbruck bringen.

Auf Versuchsbasis verkehrt in den kommenden Wochen auf der Strecke von Lienz nach Innsbruck ein Doppeldecker-Schnellbus. Laut den Verantwortlichen soll der Bus für die rund 176 Kilometer lange Strecke von Lienz über Sillian nach Innsbruck gerade einmal eine Fahrzeit von 2 Stunden und 56 Minuten benötigen.

Der vollklimatisierte Bus ist mit Bordtresor, vier 19 Zoll Info-Monitoren sowie einer Panoramakamera ausgestattet. Weiters gibt es ein WC, eine Bordküche mit Kaffeemaschine sowie einen Kühlschrank für Getränke. Als zusätzlichen Bordservice werden den Reisenden im Frühbus auch aktuelle Tageszeitungen angeboten.

Sie stellten in Lienz den neuen Doppeldeckerbus vor: Alexander Jug (ÖBB), Jörg Angerer (VVT), Wolfram Gehri (ÖBB Postbus), BR Elisabeth Greiderer und LH-Stv. Anton Steixner (v. l.).

Während des gesamten Testbetriebes werden fortlaufend Kundenbefragungen über den Einsatz des Doppelstockbusses durchgeführt und ausgewertet. Die Meinung der Kunden soll dann wesentlich zur Entscheidungsfindung beitragen, ob ein derartiges Fahrzeug auch künftig auf der Strecke zwischen Lienz und Innsbruck verkehren soll.

“Wir bemühen uns, den öffentlichen Verkehr weiter zu optimieren. So auch in Osttirol. Mir ist es dabei besonders wichtig, dass die Osttiroler selbst mitbestimmen können, wie ihr öffentlicher Verkehr in Zukunft gestalten werden soll”, erklärte LH-Stv.Anton Steixner bei der Buspräsentation in Lienz.

Der eigentliche Auslöser für den Testlauf sind aber die Sanierungsarbeiten der ÖBB an der 36 Kilometer langen Brennerbahnstrecke in Nordtirol. Baubeginn ist der 11. Juni. Während der Dauer der Sperre wird es für die Direktzüge Innsbruck-Lienz via Brenner zusätzlich zum Doppeldeckerbus einen Schienenersatzverkehr geben.

Der neue “Service” ruft allerdings auch Skeptiker auf den Plan. So bezweiflen die Grünen die Fahrplanstabilität und kritisieren den Versuch der ÖVP, den Leuten den Komfort im Bus so zu verkaufen als er ob er besser sei, als in einem Wagon. “Wir Grünen wollen nicht, dass der Bus, der eine Zwischenlösung während der Brennerbahn-Sperre darstellt, zur Dauerlösung wird,” betont Klubobmann Georg Willi.

Grün-Politiker Sepp Brugger befürchtet, dass der Bus auf Dauer die Bahnverbindung Lienz-Innsbruck ersetzen soll.

Da es auf der Straße durch das Pustertal immer wieder zu Verkehrsüberlastungen und Staus käme, stünden auch mit dem Schnellbus Verspätungen an der Tagesordnung. Zwar spreche man sich bei den Grünen für die Dauer der Bauarbeiten für den Schnellbus aus, doch die Zukunft des öffentlichen Verkehrs zwischen Osttirol und Nordtirol gehöre der Bahn.

Für den Grün-Bezirkssprecher Sepp Brugger  ist allerdings verdächtig, dass eine Sperre der Bahn zwischen Innsbruck und dem Brenner gleich zur Folge hat, dass die gesamte Strecke Innsbruck-Lienz mit dem Bus zu absolvieren ist. Brugger: „Da wird doch hoffentlich niemand daran denken, die direkte Zugverbindung Innsbruck-Lienz zu kappen?”

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1 Kommentar bisher

  1. boarium
    boarium

    Darf man nicht nur im Bus, sondern auch hier seine Wünsche abgeben? Liebe ÖBB, liebe Landespolitiker im Norden, Osten und Süden des Landes, ich würde mich freuen, wenn man es schaffen würde …
    - die Fahrtzeit des Zuges etwas zu verkürzen. Busse mögen zwar im optimalen Fall schneller sein, doch wer schon ab dem Pass Thurn in winterlichen Megastaus gestanden ist oder auf Grund einer Verkehrsbehinderung in Kitzbühel stundenlang auf den Anschlusszug warten musste, der weiß um die Problematiken einer pünktlichen Busverbindung.
    - die Frequenz etwas zu erhöhen. Zwei Direktverbindungen sind zu wenig.
    - die Zusammenarbeit mit der Pustertalbahn/der SAD zu vertiefen. Denn alternativ zu vermehrten Direktverbindungen sollten nicht Busse stehen, sondern eine Verlängerung der Pustertalbahn, um mit einem Umstieg von Lienz nach Innsbruck (bzw. retour) zu kommen. Und dabei bitte auch die Tarifgestaltung im Auge behalten, denn der Preis ist immer noch die größte Triebfeder, öffentlichen Verkehr zu nutzen. Und für die Strecke in Südtirol den dortigen Vollpreis zahlen zu dürfen, anstatt die österreichischen Boni (Vorteilscard, VVT) genießen zu dürfen, das schreckt vor der Nutzung extremst ab.
    - bei Verbesserung/Beschleunigung der Zugverbindung auch die Anbindung in die Täler, vor allem das Iseltal und Seitentäler zu verbessern. Diese nützen derzeit die Zug/Bus-Verbindung via Kitzbühel, in dieser ist es aber derzeit nicht möglich, eine Ermäßigung durch die Vorteilscard Classic zu erhalten (der vollte VVT-Preis ist zu entrichten). Eine entsprechende Beschleunigung und Preisgestaltung der Zugverbindung samt Anschluss könnte auch hier wohl eine Frequenzsteigerung zur Folge haben, glauben sie nicht?
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    Und wenn man abschließend noch einen frommen Wunsch äußern dürfte: Nachdem nun ja der letzte von mir erlebte Strom-/Licht-/Heizungsausfall auf der Strecke Lienz-Innsbruck so lange zurückliegt, dass ich mich kaum noch erinnern kann (hier erfolgte wirklich eine Qualitätssteigerung), und nun auch Steckdosen für Notebooks vorhanden und funktionsfähig sind – vielleicht schafft man es auch, den für den Doppeldecker versprochenen Bonus einer Kaffeeausgabemöglichkeit im Zug umzusetzen. Mich würds freuen.
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    Der Realist in mir sagt aber: An der Frequenz, an der Fahrtzeit der Zugverbindungen wird sich nichts zum Positiven hin verändern. Die Zusammenarbeit mit der SAD wird weiterhin nur periphär weiterverfolgt. Der Bus wird, weil teilweise schneller, besser beworben, qualitativ leicht höherwertig, und als 3. Direktverbindung Freitag rein/Sonntag raus eingesetzt (statt dem Zug) nicht allzuschlecht angenommen werden. Die ÖBB werden argumentieren: der Kunde will – und sich freuen, dass sie das billigere Objekt Bus weiterführen können, während sie die Zugverbindung weiter einschränken werden. “Schiene statt Verkehrslawine”-”Man fährt wieder Bahn”… Eh klar…