Mehr ein “Gewurschtel” als ein Skandal

Kommentar zur Entwicklung rund um den Flugplatz Nikolsdorf.

Der großteils öffentlich ausgetragene Streit um den Flugplatz Lienz/Nikolsdorf hat in Vielem den Charakter einer Provinzposse. Es gibt hochtrabende Pläne, Intrigen, mehr oder weniger richtige Schlagzeilen, viel Neid und jede Menge Testosteron im Cockpit weniger Protagonisten.

Schon einmal, vor zehn Jahren, wollte Grundbesitzer Astner den Pachtvertrag aufkündigen. Die Streitereien der Pächter, damals waren das die Osttiroler Flugvereine, gingen ihm auf die Nerven. Altbürgermeisterin Helga Machné und Langzeittouristiker Franz Theurl überzeugten den Landwirt, zumindest der Legende nach, mit Methoden, die Leopold Figl zur Ehre gereicht hätten. Er verlängerte die glänzend dotierte Pacht um ein weiteres Jahrzehnt mit der Auflage, dass der TVB den Pächter macht.

Was dann passierte, ist eher eine für Osttirols Touristiker arbeitstypische “Wurschtelei” als der Riesenskandal, den sich manches Skandalblättchen als Schlagzeile wünscht.

Ein glimpflich verlaufener Unfall auf dem holprigen Rollfeld machte den Verantwortlichen plötzlich klar, dass sie als Betreiber, Halter und Pächter voll in der Haftung sind. Eine für den Platz zu große Maschine des Piloten Martin Valtiner erforderte Kontakt mit den Behörden und so wurde der Pistenzustand plötzlich zum offiziellenThema.

Und dann übersiedelten zwei – vorsichtig ausgedrückt – “streitbare” Piloten ins angrenzende Mölltal und wollten mit allerhand ambitionierten Geschäftsideen in Nikolsdorf als “Lienz Flyers” durchstarten. Seither haben die Anwälte zu tun.

Als wäre das nicht schon genug Wirrwarr, schmiedet zu allem Überfluss das Lienzer Stadtmarketing hochtrabende, millionenteure Ausbaupläne und der längst auch im Lienzer Becken unvermeidliche Matreier Bürgermeister Andreas Köll versucht über fünf Ecken, seinen Helikopter-Freund Roy Knaus in Nikolsdorf in Stellung zu bringen, wo derzeit allerdings der ÖAMTC-Hubschrauber seinen Hangar hat.

Man mag dem Dölsacher Bürgermeister Sepp Mair ja einiges zutrauen. Aber dass er in diesem Gewurschtel mit dem “Ausschuss”, der ihm jetzt zur Seite steht, innerhalb von maximal drei Monaten ein Konzept und eine hieb- und stichfeste Kalkulation zusammenbringt, ist unwahrscheinlich. Wenn er überhaupt eine Chance hat, dann nur mit einer geradlinigen Sanierung die nicht allzuviel kostet und einen sicheren, gesetzeskonformen Sportfliegerbetrieb gewährleistet.

Nichts anderes wird auf einer nur gepachteten Wiese in Nikolsdorf jemals sinnvoll oder machbar sein.

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von "Dolomitenstadt", Kommunikationsberater und Inhaber der Werbeagentur Pirkner Network. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 "Dolomitenstadt" ins Leben rief. Alle Kommentare von Gerhard Pirkner anzeigen

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11 Kommentare bisher

  1. senf

    @iseltaler: eigentlich lustig, wie sich eine Gewitterwolke aus der Tauernregion zusammenbraut, wenn sich ein Journalist in seiner Berichterstattung ein bisschen gegen den Wind dreht. Dann tritt sofort der/ein Hofschreiberling in Aktion und versucht natürlich alles zu beschwichtigen. Wohl auch im Glauben, alle sind blöd, vergesslich und immer noch manipulierbar.
    Zur Erinnerung – und die Frage muß wohl erlaubt sein: wer hat denn seinerzeit den Tourismusverband Matrei, die spätere Region Prägraten-Matrei und schlussendlich die Nationalparkregion in diese arge Schuldenkrise geführt (verpuffte Liftinvestitionen, nutzlose Pistenbeleuchtungen, Beteiligungen an diversen lokalen Freizeiteinrichtungen …)? Waren das nicht die Volksvertreter der vergangenen drei Perioden, die ohne eigene Meinung brav Befehle der Obrigkeiten ausführten? Dass diesen Rucksack nun der gesamte TVB Osttirol tragen muß und einige Iseltaler Mandatare den Fokus geschickt auf den Schlossberg richten, das wissen leider nur mehr die wenigsten. Die beiden Banker können einem eigentlich leid tun, sie nehmen die Angelegenheit ohne Wiederspruch auf sich, ja sie winden sich in Ausreden, anstatt das Übel an der Wurzel anzupacken.

    @für Kreuzer ist die Flugplatzeschichte eine Wurschtelei. Warum weiss man das erst jetzt? Keiner der AR darf sich aus der Verantwortung schleichen, denn der Zustand ist längst bekannt. Trotzdem Hut ab, der Peppi war als einziger Vertreter mutig, aber niemand wird es ihm danken. Nein, morgen ist alles wieder vergessen, mit Ausreden verdrängt. Und überhaupt: warum mischt sich denn der TVB in alles ein, ist seine Kernkompetenz nicht etwas anderes? Der kleine Flugplatz fällt auch nicht in den Aufgabenbereich der Politik, das sollte sich der “Iseltaler” in seinen Fürbitten vermerken – der Fliegerhorst ist Angelegenheit der Privatwirtschaft.

    Etwas anders liegt die Situation beim Schwimmbad. Hier gibt es tatsächlich ein öffentliches Interesse. Allerdings nicht für jedes Gemeinde-Tröpferlbad, wie es einige BM nun wieder gerne hätten. Und Köll ist politisch bereits wieder aktiv – indem er so lange nichts sagt, bis die Mehlwürmer vertrocknet sind.

  2. Iseltaler

    Dolomitenstadt.at und Gerhard Pirkner hören in Verbindung mit Andreas Köll schon wieder einmal das Gras wachsen: Da muss man wirklich um fünf Ecken denken, wenn man herbeizuschreiben versucht, dass sich der Matreier Bürgermeister Andreas Köll nicht um „seinen“ Heli-Port in Matrei (Heli Tirol) oder das in Seblas eingereichte Ausbauvorhaben (Heli Mount) bemühen würde, sondern um die Fata Morgana eines dritten Hubschrauberstützpunktes in Huben(!)
    Geradezu absurd wird die im Rahmen eines Kommentars(!) getroffene Feststellung, dass er sogar versuchen würde, „seinen Helikopter-Freund Roy Knaus in Nikolsdorf(!) in Stellung zu bringen“. Wer einen derartigen Blödsinn glaubt, ist selbst schuld.
    Laut tirolweit erfolgter Ausschreibung der Rettungsdienste ist zwar ein NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) in Huben geplant, doch hat Andreas Köll sowohl beim Roten Kreuz in Matrei, als auch in Lienz nur davon gesprochen, dass man dieses besser an einem Hubschrauberstützpunkt stationieren sollte, um die Synergieeffekte zwischen luftgebundenem und bodengebundenem System besser zu nützen (nach dem Vorbild Reutte). Zudem würde ein derartiges NEF ohnehin nur subsidiär (bei Nacht oder nicht vorhandenen Flugbedingungen) zum hervorragend funktionierenden Notarztsystem im niedergelassenen Bereich (Rendevous-System) benötigt. In Nikolsdorf oder beim Bezirkskrankenhaus Lienz dürfte dies wohl nicht möglich sein.
    Was die Feststellung „des längst auch im Lienzer Becken unvermeidlichen Matreier Bürgermeisters Andreas Köll“ betrifft, dürfte Gerhard Pirkner überdies entgangen sein, dass dieser – ausgestattet mit dem besten Vorzugsstimmenergebnis aller Osttiroler Abgeordneten – direkt gewählter Mandatar für den ganzen Bezirk ist.
    Als solcher könnte er unter Umständen vielleicht doch wieder einmal für die erforderliche Mittelaufbringung für die beiden Bezirksanliegen Flugplatz Nikolsdorf und Hallenbad Lienz gebraucht werden, eine Disziplin, die er offenbar gut beherrscht.

  3. hoidanoi

    Ein Kommentar, der treffend die Osttiroler Situation insgesamt auf einen Nenner bringt.
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    Ein Wurstelei par excellence, prolongiert und immer wieder in die nächste Saison geschickt, mit den ewiggleichen Protagonisten. Pirkner sieht weniger Skandal als Dilettantismus, der, wenn auch ambitioniert, nichts Rechtes zustande bringen will. So als wollte man dieses Bild auf die Spitze treiben, werden zwei der berufensten Koryphäen des Lienzer Talbodens abgesandt, um zu einer gedeihlichen Lösung zu finden: E. Mair und R. Tiefenbacher.
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    Das symptomatische an der Situation, auch der gerade geführten Diskussion an einem Nebenschauplatz – A. Köll Liebhaben oder nicht – die Wurtschtelei überzieht den ganzen Bezirk. Prinker sieht im Einzelfall keinen Skandal. Nehmen wir die bezirksweiten Wurtschteleien zusammen – jeder darf seinen Favoriten auswählen – so wird der eigentliche Skandal offensichtlich.
    Management by „Geht dann schon irgendwie, vielleicht und im Zweifel gibt’s einen Syndikatsvertrag mit Herkunftsgarantie.“
    Selbstredend werden immer Fehler gemacht, überall und Management ist auch, mit diesen gekonnt umzugehen. Wenn aber Management in Permanenz Probleme statt Lösungen hervorbringt, am dicken Ende das Land regelnd eingreifen muss, dann sollten die Hauptverantwortlichen endlich Konsequenzen ziehen. Gezwungen dazu wurden sie bislang nicht. Denn Osttirol beeindruckt dadurch, sich mit Schlampereien zu arrangieren, zu sagen, es käme ja nichts Besseres nach.
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    Zwischenzeitlich lässt Franz T. seine Chefs auffahren, um das Netzwerk Theurl loben zu lassen. Was schon auch was Witziges hat und das Bild der Bankenwelt abrundet.
    Werner F. hält ihm die Stange. Kollegiale Nibelungentreue? Eine Schicksalsgemeinschaft?
    Andreas K. spielt den Ball über die Bande (in diesem Fall etwas zweideutig) und ist gleichzeitig bemüht, die Hände in Unschuld zu waschen.
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    Wird am Ende Gerhard Föger eingeflogen werden, um die Situation zu retten?
    Wenn der Ausschuss zu dem prognostizierbaren Ende kommt?
    Wenn die Experten Tiefenbacher (schon am Hochstein bewies er, wozu er fähig ist) und Mair (dem vor Kurzem noch das Tourismusgesetz erklärt werden musst) ihre Expertisen abgegeben haben werden?
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    Was hält den Aufsichtsrat des TVBO eigentlich davon ab, das Trauerspiel vorzeitig zu beenden?
    Was hält ihn in unhaltbarer Position?
    Glaubt er, er sei in der Lage, Probleme zu lösen?
    Wäre es nicht an der Zeit, nach einem gründlichen Studium des Tiroler Tourismusgesetzes, der Tragödie letzten Teil zu schreiben und denen, die ihre Chance hatten und mit bekanntem Resultat nutzten, zu danken und sie zu verabschieden?
    In allen Ehren, versteht sich.

  4. Pflanzerl

    Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.
    Auch wenn ich dem letzten Satz des Kommentars durchaus zustimme, ist inhaltlich in den anderen Absätzen so einiges ganz offensichtlich unrichtig. Bevor man Kommentare verfasst wäre etwas mehr Sachkenntnis wünschenswert.
    Und wenn es stimmen sollte, was in anderen Veröffentlichungen zu lesen ist, dann ist die Veruntreuung von TVB-Geldern während dem TVB andernorts das Geld für Werbung fehlt und Mitarbeiter gehen müssen einfach skandalös, und nicht als Wurschtelei zu verharmlosen.

  5. Leonhard

    Wie es der Herr Dr. Pirkner immer wieder schafft, seinen Köll-Komplex über diverseste Themen auszuleben, ist einfach nur mehr zum Lachen. Bitte, bitte Herr Dr. Pirkner, suchen sie sich wenigstens für Artikel, die Lienz, den Lienzer Talboden und das Oberland betreffen, jeweils ein anderes Opfer. Speziell in der Dolomitenstadt gibt es genügend Leute, die genauso wie Köll Ihre Aufmerksamkeit verdienen.

    Ihre intelektuellen Ergüsse sind langsam wirklich zum Spei…

  6. beobachter52

    Lieber Kurt!
    “Mahlzeit” beim Besenessen! Ich würde ihn vorher in ganz kleine Stücke schneiden …..

  7. spyspy

    Auch wenn die Kommentare des Herrn Pirkner hin und wieder wirklich nicht sehr objektiv sind, “Eier” hat der Mann in der Hose! Er sagt, was er denkt und legt sich mit einigen “Mächtigen” oder “Möchtegerns” (wie auch in diesem Bericht) direkt an. Und vor allem schreibt er seine Berichte in fehlerfreiem Deutsch, so mancher schafft das nicht mal bei einem Dreizeiler (wie auch hier wieder bewiesen wurde)!
    Weiter so Herr Redakteur, obwohl ein wenig mehr Objektivität wäre für dolomitenstadt.at sicher kein Nachteil…

  8. Kurt

    Besser und präziser als hier Dr Pirkner kann man die Situation rund um den Flugplatz Nikolsdorf nicht analysieren.
    Quasi eine Punktlandung.
    Wenn Beobachter 52 nicht ein Köllfreund ist, ess ich einen Besen.Jedesmal wenn hier pro Köll gepostet wird steht vorher : ich bin aber kein Köll Freund, kein Matreier, ja überhaupt kein Schwarzer, aber ihm geschieht unrecht, was täten wir bloß ohne ihn.
    Soll da mit vermeintlicher Distanzierung Objektivität vorgespiegelt werden ?
    Zu durchsichtig, lasst das besser, glaubt sowieso keiner.
    Sein Einmischen am Flugplatz Nikolsdorf und für Roy Knaus ist so massiv, dass er höchstpersönlich mit seiner Aussage als Zeuge vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat des Landes dazu beigetragen hat, dass die Vergabe der Flugrettung in Osttirol von seinem eigenen Landesrat Tilg an den ÖAMTC aufgehoben wurde !
    Da interessiert ihn weder Partei noch die bestehende gute Struktur.Nur sein Wille geschehe !

  9. beobachter52

    Lieber Gerhard Pirker!
    Vorweg – ich bin kein Lienz-Flyer, überhaupt kein Flyer, kein Lienzer, kein Matreier und auch kein Köll-Freund ….. nur ein Beobachter!
    Auffallend an allen Ihren Kommentaren (die teilweise sehr gut, aber manchmal auch das Gegenteil sind) ist, dass es keinen davon gibt, wo Sie nicht den LA und Bgm. Köll irgendwie negativ vetrstricken – und sei es nur unterschwellig. Sie scheinen an einem Köll-Komplex zu leiden und zwar hochgradig! Ob es da eine Therapie in BKH Lienz gibt, ist mehr als fraglich (Verbnadsvorstand Köll)! Nur zu der Sache: Wenn Köll Heli-Knaus wirklich bevorzugt, lässt er ihn in Matrei oder Huben, weil da hat er erfahrungsgemäß einen Standortvorteil gegenüber Nikolsdorf (für die Luftlinie viel günstiger gelegen, also oft der nächste einsatzbereite Heli …)!
    Wie gesagt, ich bin kein Köll-Freund, aber was gäbe es in Osttirol und bes. im Iseltal nicht, wenn wir keine Lokalpolitiker seiner Sorte hätten bzw. gehabt hätten, sondern nur solche aus der derzeitigen Lienzer Führungsriege (parteiübergreifend).
    Ich bin mir sicher, dass Sie bei Ihrem Demokratieverständnis diesen Kommentar nicht veröffentlichen werden. Wenn Sie in zukünftigen Kommentaren mehr Objektivität walten lassen (oder es zumindest versuchen), bin ich schon zufrieden!

  10. Gerhard Pirkner
    Gerhard Pirkner

    Liebe Lienz Flyers, ihr habt ja auch die Leistung konsumiert. Hätten wir euch die Anzeige schenken sollen, weil ihr so klasse Burschen seid? Oder sollen wir euch jetzt wegen 200 Euro nach dem Mund schreiben? Wäre nicht genau das Käuflichkeit? Jedenfalls weiterhin viel Spaß beim Posten unter diversen Nicknames. Und noch ein Wort zum Thema Zensur: Eine Klage ist keine Verurteilung. Die Kriminalisierung von Privatpersonen wird in unserem Weblog nicht stattfinden, schon gar nicht unter dem Deckmantel der Anonymität und vor einem rechtskräftigen Urteilsspruch.

  11. Lienz Flyers

    Realtitätsresistenz hat einen Namen:
    Kommentare von Dr. Pirkner.

    Einerseits kräftig sachliche Hintergründe weg-zensieren und dann selber Halbwahrheiten verbreiten. Toll! Ob Wurschtelei oder doch Skandal wird jedenfalls nicht in der Redaktion der Dolomitensadt entschieden- wohl eher bei der StA in Innsbruck.

    Die Geld von LienzFlyers haben Sie jedenfalls gerne genommen?