Tirol isch lei oans und Oschttirol sig i koans

Es gab schon immer falsch gezeichnete Tirolkarten. 

Da schaut das Nordtiroler Grauvieh. Fehlt hier nicht was?

Aus der größten Tageszeitung Tirols fiel heute eine aufwändig gemachte Broschüre zum Thema “Almleben”. Vorn drauf ein Kilo hübsch geformte Almbutter und innen drin auf 24 Seiten ein Loblied auf die Tiroler Almen. 19 an der Zahl werden mit eigenen redaktionellen Geschichten vorgestellt, schön gleichmäßig verteilt über alle acht Bezirke des Landes. Genau. Acht. Ich hab mich weder vertippt noch verzählt.

Für die eher visuellen Typen unter den Almfreunden ist in dem Heft auch eine Tirolkarte zu finden, gleich neben dem Inhaltsverzeichnis auf Seite 3. Da sind die acht Bezirke eingezeichnet, mit ihren Bezirkshauptstädten.

Und über dieser Karte wundert sich staunend eine Nordtiroler Grauvieh-Kuh: war da nicht noch was? Schaut das nicht irgendwie komisch aus, das Bundesland? Irgendwie abgemagert wie ein veganer Marathonläufer, der weder Speck noch Butter isst? Was jedem Rindvieh aufgefallen wäre, müssen doch auch die Herausgeber des Heftes bemerkt haben. Da fehlt ein Bezirk. Der größte übrigens.

Es mag ja noch durchgehen, dass der Grafiker der Innsbrucker Werbeagentur Nero im Geographieunterricht dunkle Momente hatte. Und der Verleger, der auch ein “Westmagazin” herausgibt, wird wohl mit dem Begriff “Osttirol” nicht viel anfangen können. Aber der Herausgeber, dem sollte eigentlich auffallen, dass Tirol nicht ganz komplett ist.

Gruppenbild mit Brettljause. Die obersten Agrarvermarkter Tirols von links: Harald Ultsch (WK Tirol), Obmann LHStv. Anton Steixner, Geschäftsführer Wendelin Juen und Walter Wallner (Wedl). Foto: Agrarmarketing

Das “Almleben” wird von der Agrarmarketing Tirol publiziert, einer landesnahen Vermarktungsgesellschaft, die eng mit der Tirol Werbung und der Standortagentur Tirol kooperiert, kräftig finanziert aus Steuertöpfen. Obmann ist Anton Steixner, der manchmal den Landeshauptmann vertritt und in der Landesregierung für die Almen zuständig ist. Geschäftsführer ist Wendelin Juen, der im Heft eine Lanze für die Almen bricht: “Die West-Österreicher haben eine höhere Lebenserwartung. Ich nenne das den Almfaktor.”

Lieber Herr Juen, wissen Sie, wer die allerhöchste Lebenserwartung hat? Die Südwestösterreicher oder aus Ihrer Sicht die östlichsten Tiroler. Was lernen wir daraus? Genau. Auch in Osttirol gibt es Almen!

PS:

Der Ordnung halber sei erwähnt, dass als Hinweis auf die geheimnisvolle Terra Incognita auf der vorletzten Seite im Veranstaltungskalender auch der Osttiroler Schafalmwandertag am 19. August 2012 in Ausservillgraten erwähnt wird. Es wäre vielleicht eine gute Gelegenheit für das Agrarmarketing-Team, den Alpenhauptkamm zu überqueren und weiße Flecken auf der Landkarte zu beseitigen. Hier ein Link zur Reisevorbereitung.

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von "Dolomitenstadt", Kommunikationsberater und Inhaber der Werbeagentur Pirkner Network. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 "Dolomitenstadt" ins Leben rief. Alle Kommentare von Gerhard Pirkner anzeigen

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22 Kommentare bisher

  1. Maron

    …das mit einem Statement von den Verantwortlichen, den Funktionären oder sogar der Redakteurin wäre gar keine so schlechte Idee, wobei Dr. Pirkner vermutlich mit den üblichen bekannten Stehsätzen bedient werden wird, sie sich dieser selbstgefälligen Ignoranz nicht einmal bewusst sind und nichts lieber voranstellen, als diesen „Almpeter“ weiterzureichen!
    Vielleicht hätte diese Kampagne ja doch von Wien aus organisiert werden sollen, denn nicht nur unser Bundespräsident liebt es, insbesondere in Osttirol seine Wandertage zu verbringen…

  2. hoidanoi

    Schafe und Hirten
    .
    Manchmal wird für die Fügsamkeit und die treuherzige Anhängerschaft an landespolitische Autoritäten eine rigide, glaubensorientierte Erziehung verantwortlich gemacht. Gerne wird dabei das Bild des guten Hirten bemüht. Die Gemeinde nimmt hin und sagt Ja und meist auch Amen.
    .
    Möglich, dass sich mit dem Bild friedlich-freundlicher Almgras zermalmender Schafe, bildgewaltig von der Agramarketing Tirol in Szene gesetzt, die Bezirksgemüter beruhigen lassen.
    Tausche Bezirksbild gegen Belämmertes. So in etwa kündet GF Juen es im ORF an.
    .
    fb fragt nach und vielleicht fragt dann auch das Medium… irgendwen. Dann lässt sich herausfinden, wo die Funktionäre sich denn nun selbst verorten. Wobei, die Erfahrung zeigt, bei denen, die sich selbst suchen, steht am Ende gerne eine Selbstentlastung. Womit man dann wieder in einer langgepflegten Tradition stünde.

  3. nanny

    Das mit dem Interview, von dem fb spricht, ist eine ausgesprochen gute Idee. Eine Stellungnahme von Osttiroler Agrarieren wäre sehr interessant.

  4. fb

    Nachdem es keine Reaktion von Osttiroler Vertretern der Agrarmarketing ( oder eben keine Vertreter dieses Marketings in Osttirol ) gibt bitte ich Herrn Dr. Pirkner, ein Interview mit dem am ehesten zuständigen Osttiroler Funktionär, sei es vom Bauernbund, Landwirtschaftskammer, oder…. über diesen Sachverhalt anzustreben.

  5. Gerhard Pirkner
    Gerhard Pirkner

    Lieber Bergfex, wir haben dein erstes Posting nicht freigegeben, weil es – um beim Bild zu bleiben – ein wenig zu stark gepfeffert war :-)). Jetzt ist der Kommentar deutlich milder gewürzt und verursacht sicher keine juristische Magenverstimmung. Inhaltlich sagt das Statement dennoch alles. Und darauf kommt es doch an, oder?

  6. bergfex
    bergfex

    Liebe Redaktion. Wo liegt das Problem ?? Wenn es etwas zum Essen und Trinken gibt, dann wissen diese Herren auf dem Bild schon wo Osttirol ist. Warum wird dann dieses ( meines von 10. 33 h ) Posting nicht frei gegeben. Habt ihr ein Problem mit der Wahrheit ??

  7. defregger
    defregger

    Wählt doch diese möchtegern, selbstherrliche und gutsherrenart-verhaltende ÖVP Elite endlich ab.

    Wer nicht mit der Zeit geht,
    ……………geht mit der Zeit!

  8. Windisch

    ….. und wir Osttiroler unterstützen mit unseren Einkäufen bei Agrarmarketing-Partnern, diese Auftritte der AgrarmarketingTirol. Es ist höchste Zeit darüber zu diskutieren, vielleicht verstehen die Nordtiroler dann oder mangelt es dort nicht nur an Geografie-Kenntnissen?

  9. caum12

    Brief an die AMTirol v. 14.7.d.J.
    Sehr geehrte Nordtiroler Damen und Herren!
    Gratulation zur gelungenen Broschüre “Almleben, gewachsen und veredelt in Tirol”, die am Samstag, 14. Juli als TT-Beilage in unsere Haushalte flatterte. Dass Osttirol auf der Karte (Seite 3) gar nicht erst aufscheint und Ihnen – von der Ankündigung auf der letzten Seite (“Osttiroler Schafalmwandertag”) abgesehen – auch keiner weiteren Erwähnung wert ist, wirft ein bezeichnendes Licht auf Ihren eingeschränkten Tiroler-Alm-Horizont.
    Mit almerischem Gruß

  10. js

    Danke Maron, du hast es auf den Punkt gebracht! Wenn ich Nordtiroler wäre, würde ich mich fremdschämen!! Ich sag nur noch Tirolkarte googeln und man erlebt dort einiges, aber eigentlich eh nix neues! …oder haben Sie die Kärtntenkarte kopiert und dann nur auf den Kopf gestellt? Möglich wäre es, denn der Intelligenz zu Folge würde diese Vorgangsweise genau passen!
    Bin gespannt ob sich bei den Karten demnächst was ändert?

    ps.: …wir werden jetzt a bissl italienisch lernen, vielleicht nehmen uns dann die Südtiroler in ihre Karten auf? Ciao!

  11. hoidanoi

    Toni Steixner will seinen Landeshauptmann in allen Lebenslagen ein perfekter Vertreter sein und so reiht er sich ein in den Chor derer, die heiter beschwingt “Glücklich ist, wer vergisst” singen. Um zu beweisen, dass er und seine ÖVP-Vorfeld Organisationen den großen Vorbildern aus der glorreichen Bundes-Regierungszeit des Günther P. in Nichts nachstehen beim Polit-Alzheimer, leistet Toni Großartiges und verbucht auf der Vergessensbilanz gleich einen ganzen Bezirk. Geübt hat er schon bei der Verkehrsanbindung, jetzt gelang ihm mit großem Beraterstab – die externen Berater werden all ihr Geld sehr wert gewesen sein – das Meisterstück.
    .
    Vielleicht strebt er nach Höherem, versucht sich für Wien und eine anvisierte Blau-Schwarze-Regierung des Vergessens zu empfehlen. So dummdreist dieser Akt der Vergesslichkeit ist, er beweist einmal mehr, unkontrolliert lebt sich’s in Tirol einfach und sorglos, sei’s bei der Agrarmarketing Tirol, im Land und im Talboden, in den Tauern und bei Bergbahnen, bis hin zu Almen, die sich möglicherweise als Biotope der besonderen Art in aller Vergessenheit entwickeln.
    Vergesslichkeit als Traditionspflege.
    Bei seiner Ehr.

  12. Maron

    Vielleicht geht es bei dieser unnötigen “Angelegenheit” weniger darum, was der Süden kann und der Norden glaubt, eh’ schon immer zu können, als viel mehr um die Tatsache, dass in wichtigen Positionen, z. B. vom Schreibtisch eines Planers, bis zur Unterschrift eines Politorgans, zu oft Oberflächlichkeit und ein, dezent ausgedrückt, Mangel an Bidlungkompetenz herrscht, die nicht selten an Diletantismus grenzt – jedem sein Beruf – aber beherrschen “sollt’ man ihn halt”!

  13. wasser

    Vermutlich haben sie, um Geld zu sparen, die Karte von 2011
    http://issuu.com/zielgruppenverlag.at/docs/amt_almleben_0611?mode=window&backgroundColor=%23222222
    Seite 7 und folgende weiterverwendet. Ein Jahr hätten sie Zeit gehabt, um den Fehler zu bemerken…

  14. waga55

    Da könnten unsere Vertreter in der Landesregierung mal auf den Tisch hauen und die Verantwortlichen für diesen Blödsinn in die Pfanne hauen. Oder aber man dreht den Spiess um und macht daraus eine Imagekampagne für Osttirol, dass diesen Todeln da im Norden das Wort “OSTTIROL” nie mehr aus ihren Schädeln geht. (Platz genug wäre ja – in den Schädeln ..)

  15. Gotwald1

    Bestätigt meine Meinung über die Nordtiroler Politiker. Unser Geld zu nehmen sind wir gut genug. Ansonsten ist Osttirol nicht erwähnenswert.
    Tirol Heute ist ja ein blühendes Beispiel dafür. Wenn in Osttirol ein Mensch auf einem Zebrastreifen von einem “rücksichtslosen” Autofahrer überfahren wird, und noch an der Unfalsstelle verstirbt, ist das keine Satz in Tirol Heute wert. Hingegen eine Katze – die in Nordtirol von der Feuerwehr vom Baum geholt werden muss – einen 5 Minuten Bildbericht. AUTONOMIE für Osttirol!!!!!! Und der Steixner …… naja das lassen wir mal so stehen!

  16. soonnig

    Im “Almleben 2011″ war wenigstens noch die Osttirol-Karte dabei, besonderes gab’s aber vor einem Jahr auch nicht über unseren Bezirk zu berichten. Der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz wird’s wohl wurscht sein, oder?

    http://issuu.com/zielgruppenverlag.at/docs/amt_almleben_0611?mode=window&backgroundColor=%23222222

  17. Christof

    Ich bin schon gespannt, was mein Onkel als Vorstandsmitglied des Grauviehzuchtvereines Osttirol zu diesem Thema sagt!

  18. seppl17

    Die Kosten für solche Werbebroschüren sollten die Verantwortlichen Damen und Herren aus Nordtirol nachträglich aus der Privaten Tasche bezahlen müssen!!!

  19. nanny

    Also das ist wirklich arg! Ich hab das Gerede, dass Osttirol in Nordtirol nicht viel gilt, immer als übertrieben abgetan.
    Aber so etwas hätte ich wirklich nicht für möglich gehalten: das verantwortliche Agrarmarketing gehört scharf angesprochen und Frau Julia Brugger, für die Redaktion zeichnend, sollte man wohl einmal alle Osttiroler Almen “abhatschen” lassen – dann merkt sie sich das vielleicht und lässt auch Osttirol als Tirol gelten.

  20. boarium
    boarium

    Mein Liebling ist noch immer die Karte der Kleinen Zeitung aus dem Jahr 2009. Wobei, ganz Unrecht haben sie ja nicht, historisch sinds gebildet ;)

    http://www.kleinezeitung.at/system/galleries/upload/2/5/2/1938090/lizenz09_klz.jpg

  21. nikranu

    Mit dem Thema “Osttirol” und dessen “Geographischer Verbindung zu Österreich” hat sich auch der OE3 Mikromann auseinandergesetzt.

    http://tinyurl.com/7plfbhy

  22. Christof

    Komischerweise wusste unser werter Landeshauptmann von Tirol am vergangenen Donnerstag noch, dass es einen neunten Bezirk gibt! – oooooh Verzeihung, das war ja ein offizieller Pressetermin mit seinem Kollegen aus Kärnten!