Hauser kämpft für den Bart von St. Nikolaus

FP-Abgeordneter wittert Sittenverfall bei der Katholischen Jungschar.

Wer sich als Retter des Abendlandes positioniert, wie die FPÖ, der muss fleißig nach dessen Feinden Ausschau halten. Meist sind das Männer mit Bärten, die im Morgenland wohnen. Doch die Welt ist kompliziert geworden, auch für Freiheitliche Traditionsapostel. Der Osttiroler Dorfbürgermeister und FP-Nationalratsabgeordnete Gerald Hauser hat einen bislang unverdächtigen Feind abendländischer Kultur entdeckt: die Katholische Jungschar. Die will ausgerechnet jenen Bart abschneiden, der für Hauser ein unverzichtbares Kulturgut der Christenheit ist: Den weißen Rauschebart von St. Nikolaus!

In einer Presseaussendung beklagt der Freiheitliche:  „Wie kann einem so etwas nur einfallen? Der Nikolaus ist eine alte Tradition und ein historisches Gut.“ Hauser fragt sich, ob auch die Ohren des Osterhasen in Gefahr sind und was mit seiner Bibliothek passiert: „Muss man alte Kinderbücher mit einem bärtigen Nikolaus wegwerfen?“

Auslöser für Hausers – gar nicht lustig gemeinten – Medienvorstoß waren diverse Schlagzeilen in der Boulevardpresse. „Heute“ titelte beispielsweise: „Nikolaus ist heuer eine Frau ohne Bart.“ Verantwortlich für die Diskussion ist tatsächlich die Katholische Jungschar, die allerdings einen nachvollziehbaren pädagogischen Background ins Treffen führt. Auf ihrer Website gibt die Jungschar Tipps für Nikolaus-Darsteller und -Darstellerinnen, darunter auch jenen:

Keine Maske verwenden, auf Kunstbart verzichten. – Die Verkleidung des Nikolaus – festlicher Umhang, Mitra und Bischofsstab – soll uns an einen besonderen Bischof erinnern und Kindern nicht die Begegnung mit einer Himmelsgestalt vorspielen. Durch die Verwendung einer Maske, eines Bartes, der wahrscheinlich auch noch das halbe Gesicht der/des Nikolausdarstellers/in verdeckt, und Verstellen der Stimme kann diese fremde Gestalt den Kindern unheimlich erscheinen.“

Es ist nicht überliefert, ob Gerald Hauser selbst als Nikolaus in Erscheinung treten möchte. Wir haben uns für ihn jedenfalls einen Kompromissvorschlag einfallen lassen, einen Bart, der das Gesicht nicht verdeckt und jedem Kind sofort zeigt: „Es ist nicht der Nikolaus, es ist nur der Hauser.“

hauser-nikolo-fotomontage
Unser Vorschlag für Gerald Hauser: der gesichtsfreie, mit den Tipps der Jungschar vereinbarte Nikolausbart! Originalfoto: Michael Gruber/Expa, Montage: dolomitenstadt.at

Unsere LeserInnen fragen wir:

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8 Postings bisher
defregger vor 3 Jahren

Von mir aus konn der Nikolaus olles hobn, an Schnauzer oda a zwo, an Vollbort bis zie die Knie, oder, oder .......

Oba lostsmo die Teufl und sei Gsindel weit, weit weck von mir und ollen Kindern. Die Grinde dürften woll bikonnt sein!

Und, dem "Nikolaus Hauser" steht da Boscht jo a nit schlecht, oda?

Herzlichst ihr df

osttiroler-in vor 3 Jahren

Es gibt Tage da frage ich mich, wie sich unsere Generation ( ü 40) trotz Nikolaus MIT Bart und Bundeshymne OHNE Töchter normal entwickeln konnte. Oder sind wir vielleicht nicht normal, aber es gibt einfach noch keine Langzeitstudie die uns das mitteilt??? Ist es nicht eigentlich Sinn und Zweck des Bartes - und der restlichen Verkleidung - nicht sofort als Person erkannt zu werden? Für mich war der Nikolaus immer etwas geheimnisvolles, ehrfürchtiges, der eben nur an diesem Tag zu Besuch kam. Hätte ich damals gewusst, dass es ja "nur" der Nachbar war, ich wäre mit Sicherheit schwer enttäuscht gewesen. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich zu einer Zeit Kind sein durfte, wo man sich über solche Banalitäten noch keinen Kopf zerbrechen musste. Wünsch euch einen schöne Vorweihnachtszeit!!!

nikolaus vor 3 Jahren

Liebe Dolomitenstadtler!

Als Insider in Sachen Nikolaus kann ich zur Karikatur vom Hauser nur eingeschränkt gratulieren, und zwar aus Gründen der zu diesem Thema viel diskutierten Tradition: Wie wohl allgemein bekannt trägt Nikolaus hierzulande nicht eine Weihnachtsmann-Zipfelmütze, sonden einen Bischofshut! Vielleicht könnte man diesem Umstand Rechnung tragen! Herzlichst

nikolaus (höchst persönlich)

Churchill vor 3 Jahren

Nikolaus von Myra ist in erster Linie ein Heiliger der katholischen Kirche.

Die Politik soll sich genauso wenig in die Religion einmischen wie umgekehrt!!!

Bergfex, ihr kann Ihre Polemik nicht ganz nachvollziehen, immerhin geht es der katholischen Jungschar darum, sich auf die ursprüngliche (historische) Person des Heiligen zurückzubesinnen, statt der Kommerzialisierung (Süßigkeiten in Hülle und Fülle ver-/kaufen) zu fröhnen und den Nikolaus als Erziehungsmittel zu missbrauchen ("wer nicht brav war, kriegt keine Geschenke"....)

Offensichtlich haben Sie die, im Artikel verlinkte, Aussendung der katholischen Jungschar nicht gelesen, um sich dermaßen im Ton zu vergreifen. Deshalb bin ich so frei, den Text auszugsweise zu zitieren:

"Die Tradition hat allerdings aus dem Retterin [sic!] Not einen fragwürdigen Erziehungsgehilfen gemacht, der das Wohlnverhalten von Mädchen und Buben prüft und seine Geschenke nach Beurteilung von Gut und Böse verteilt. Dies hat dazu beigetragen, dass Kinder dem Nikolaus mit gemischten Gefühlen gegenübertreten, vor allem dann, wenn er seitens der Erwachsenen moralisierend missbraucht wird."

Stimmt doch, oder etwa nicht?

Weiter: "Trotz Geschäftemacherei und vorweihnachtlichem Kaufhausrummel verfügt die Heiligengestalt über eine ungebrochene Faszination. Eine zeitgemäße Heiligenverehrung muss allerdings einige Hürden überwinden. Neben der unübersehbaren Kommerzialisierung ist es vor allem die missbräuchliche Verzweckung als fragwürdige Erziehungshilfe, die die Tradition des Nikolausfestes überschattet."

Dem kann auch keiner wiedersprechen. Des Weiteren: "Das Ziel: Die Gestalt des Hl. Nikolaus den Kindern in seiner ursprünglichen Intention deutlich zu machen, als selbstlosen, engagierten Christen, der sich um Schwache und Notleidende tatkräftig kümmerte und sich als Anwalt der 'Kleinen' gegen alle Arten von Machthabern stellt."

Die heute gebräuchliche Darstellung vom "Zuckerbrot-und-Peitsche-Nikolaus" entspricht überhaupt nicht der Intention der historisch verbürgten Person des Hl. Nikolaus. Die Jungschar will einen reflektierten Umgang und ein Bewusstsein für den wahren Geist dieser Heiligengestalt schaffen!

Außerdem, bergfex, darf ich Ihrer Aussage "Die Welt steht nimmer lang" ein Zitat gegenüberstellen, an das ich erinnert wurde: “Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.” Es handelt sich dabei übrigens um einen Keilschrifttext aus Ur (Mesopotamien, heutiger Irak), der um 2000 v. Chr. entstanden ist. Ich finde das amüsant, Sie nicht?

Und, Herr beobachter52, wenn Ihnen die (mutmaßlich gefärbte) Blattlinie der Dolomitenstadt nicht gefällt, dann empfehle ich Ihnen das Pamphlet "Zur Zeit" - dies dürfte eher Ihrem Geschmack entsprechen. Satire und Karikaturen sind in unserer Zeit legitimes Ausdrucksmittel, da wir ein Recht auf freie Meinungsäußerung pflegen, oder wollen Sie jemanden den Mund verbieten?

bergfex vor 3 Jahren

Nikolaus ist heuer eine Frau ohne Bart.” .

Lassen sich diese Emanzen dann auch einen Schnidlwuz anoperieren. Die Welt steht nimmer lang, bei diesen Sorgen einiger Lanweilern und Innen.

beobachter52 vor 3 Jahren

Gratuliere, wertes dolomitemstadt.at-Team: Alle, die sich für Erhaltung der Traditionen, der Bräuche, der kulturellen Werte einsetzen, lächerlich machen! (Wird wohl die "Parteibrille" sein!)

nanny vor 3 Jahren

Danke Churchill :-) Im übrigen: Nikolausbart gefährlich für die Kinderseele - die gesamten Klaubaufe, Krampusse & Co - ungefährlich?

Churchill vor 3 Jahren

Na schau an, ein Sommerloch, und das mitten im November!