Benjamin Zanon: „Zeichnen ist wie eine Bergtour. Ich gehe mit einem Gedanken los und bin dann so in Trance, dass ich aus der normalen Gedankenwelt rauskomme.“

Benjamin Zanon: „Zeichnen ist wie eine Bergtour. Ich gehe mit einem Gedanken los und bin dann so in Trance, dass ich aus der normalen Gedankenwelt rauskomme.“

„Das stundenlange Zeichnen verändert mich.“
„Das stundenlange Zeichnen verändert mich.“

Benjamin Zanon ist einer der großen jungen Künstler Tirols. Seine feinen, unglaublich aufwändigen Tusche-Arbeiten lassen keine schnellen Interpretationen zu und laden auf einen zweiten, dritten, hundertsten Blick ein. Er mag es ungern, über seine Kunst zu lesen und auch sein eigenes Schreiben bleibt ein Geheimnis. Im Interview aber spricht er offen über sein Arbeiten und die prägenden Erfahrungen in einem Leben für die Kunst.

Deine Reisen, das Wandern und Flanieren seien ganz wichtig für dich, schreibst du selbst. Für eine deiner früheren Arbeiten hast du die Geräusche Venedigs in Zeichnungen übersetzt. Sind Geräusche deine wichtigste Wahrnehmung?

Nein, der visuelle Reiz drängt sich immer als Erstes auf. Gerade deshalb finde ich Geräusche so spannend, weil das Visuelle mal völlig wegfällt. Eine Zeit lang habe ich deshalb sehr, sehr viel aufgenommen. Venedig ist ja ein einziger visueller Über-Reiz, komplett überladen. Da bin ich einmal so quer durchgelaufen und habe nur aufgenommen. Man ist mit den Kopfhörern sogar noch isolierter, obwohl man alles in Echtzeit hört. So entsteht eine ganz andere Fokussierung.

Deine Arbeiten sind überwiegend sehr physisch, klassisch auf Papier entstanden. Kommt das digitale Arbeiten für dich in Frage?

Es könnte total interessant sein, ich lasse mir das offen. Ich bin nur unsicher, ob ich da die Qualität erreiche, die ich mir vorstelle. Und das ist meine einzige Anforderung. Ich sehe schon die Gefahr, dass wir uns drauf stürzen und die Qualität des Werks verschwindet hinter dem Medium.

Zanons feine, unglaublich aufwändige Arbeiten lassen keine schnellen Interpretationen zu.

Deine Zeichnungen sind unglaublich komplex. Wie schaffst du diese Tiefe, setzt du die einfach so hin?

Ich mache zum Teil schon Vorstudien auf kleineren Blättern, die ich dann groß umsetze. Das dient der Orientierung und verändert sich immer – allein durch den anderen Maßstab.

Ist die Form fertig im Kopf oder wächst sie?

Sie verändert sich in jedem Fall, wächst gewissermaßen – oder schrumpft auch. Dieser Prozess hat beide Ebenen: Entweder arbeite ich fokussiert auf etwas hin oder ich lasse passieren.

Beeindruckend ist auch die schiere Arbeit, die man in den Werken erkennt. Wie wichtig ist dieser Prozess für dich?

Eine Zeichnung kann total schnell gehen und trotzdem große Qualität haben. Ich bin nicht sicher, wie wichtig diese physische Arbeit also für den Betrachter wirklich ist. Aber für mich gehört sie dazu. Das stundenlange Zeichnen verändert mich. Das ist wie eine Bergtour: Ich gehe mit einem gewissen Gedanken los und bin dann so in Trance, dass ich aus der normalen Gedankenwelt rauskomme.

Du hast eine ganz klare Sprache entwickelt. Wieviel davon war denn schon in frühen Jahren zu erkennen?

Es war erstaunlich viel schon da. Das merke ich, wenn ich mir auf dem Dachboden meine Kinderzeichnungen aus der Volksschulzeit anschaue. Die Eltern haben netterweise alles von uns aufgehoben, vom ersten Gekritzel an. Es war schon viel angelegt.

Was zum Beispiel?

Dieses Technisch-Reduzierte. Ganze Bilder nur aus Punkten. Oder feine Linien als Schattierungen, wie in Radierungen. Es ist schon interessant, dass sich so etwas als Kind schon zeigt. Natürlich reduziert auf einen Nachmittag.

Ein Blick in das Atelier von Benjamin Zanon.

Du warst also schon als Kind dieser Junge, der stundenlang zeichnen kann?

Ja. Wenn bei uns jemandem langweilig war, hieß es: „Dann zeichne halt was.“ Dieser Tipp kam immer und das hat auch immer funktioniert: Sobald ich das Blatt vor mir hatte, war ich weg. Wenn mir ganz langweilig war, hat mir der Vater seine teuren Farben gegeben und ich durfte mit denen arbeiten. Sicher habe ich das als Kind auch provoziert, denn solche Momente sind spannend.

Dein Vater war der bekannte Osttiroler Schriftsteller, bildende Künstler und Gymnasiallehrer Christoph Zanon. Sicherlich hat er dir viel mitgegeben?

Er hat mir eher die Materialien gegeben und mich tun lassen. Mit der Ansage: Hier die Farben, aber bitte nicht auf den Boden. Und da, das Stanley-Messer, aber schneide dich nicht. Natürlich waren am Schluss die Farben auf dem Boden und geschnitten habe ich mich auch.

Das war also sehr frei?

Vielleicht hat er mal formale Anweisungen gegeben. Da musste ich beim Buchcover dran denken, das ich für Michael Krügers Roman „Vorrübergehende.“ gemacht habe. Lustig, dass es für den Haymon-Verlag war. Denn die ersten Bücher meines Vaters sind auch dort erschienen. Das Cover für „Die blaue Leiter“ wollte er damals selbst machen und hat mir Anweisungen gegeben – wo ich die Kirche hinsetzen soll und so weiter. Ich wusste ja nicht, was in dem Buch drinstehen wird.

Und?

Es wurde eine super Zeichnung, die hat er ganz feinfühlig koloriert. Sie hing lange bei uns, weil er sie so wunderschön koloriert hatte und er sie ja als Cover verwenden wollte. Aber das haben sie ihn dann nicht machen lassen. Daran musste ich jetzt wieder denken. Michael Krüger hat natürlich eine entsprechende Position, wodurch wir eine große künstlerische Freiheit bekamen.

Eine späte Genugtuung.

Ja, irgendwo schon. Mein Vater hat ja, soweit ich weiß, seine Auflagen immer selbst vorfinanziert und das Risiko getragen. Dass er dann diese kreative Entscheidung nicht bekam… Na gut, es ist dreißig Jahre her. Als kreativer Mensch hat man, sobald es ins Angewandte geht, eben sofort die Probleme. Die anderen wollen das Buch verkaufen oder die Leute in die Ausstellung holen. Das sind legitime Ansprüche, aber manchmal nervt es.

Ausstellungen sind für Benjamin Zanon ein zweischneidiges Schwert...
... wenn über ihn gesprochen wird schaltet der Künstler „auf Durchzug“.

Wie geht es dir denn dabei, andere über deine Werke sprechen zu hören?

Das vermeide ich. Es ist abhängig von der Situation, im Zwiegespräch geht das total gut.

Ach so?

Ja, mittlerweile ist mir das sogar ganz wichtig. Leute sehen ja ganz andere Dinge und formulieren Sachen, die man schon irgendwie weiß, aber nie so ausdrücken könnte. Oder finden ganz andere Analogien, die man selber nicht kennt. Da lerne ich immer etwas.

Aber so eine Eröffnungsrede ist unangenehm?

Da schalte ich bestmöglich auf Durchzug. Natürlich sind Beschreibungen wichtig für die Leute, die einen nicht kennen. Aber man wird naturgemäß kategorisiert werden und das muss immer falsch sein. Ich bin schon so viel mit mir selbst beschäftigt, noch das zu lesen, was über mich geschrieben wird, ist schwierig.

Du selbst arbeitest ja auch mit Sprache und Schrift, aber komplett entfremdet. Könntest du etwas auch lesbar stehen lassen?

Nein. Das schriftstellerische Talent haben eher meine Schwestern geerbt. Ich habe bewusst damit begonnen, das Geschriebene immer mehr zu entfremden. Denn ich packe es ja schon gar nicht, meine eigenen Sachen zu lesen.

Er legt ein kleines Notizbuch auf den Werktisch, die Seiten sind ganz eng in winziger schwarzer Schrift beschrieben.

Als ich in einer Sitzung meine Notizen machte, fragte ein Kollege: „Wer soll das denn lesen?“ Es stimmt: Das Schriftbild ist so klein, viel zu anstrengend. Im Notizbuch ist mir schon wichtig, dass man die Wörter lesen kann, es dient mir zur Erinnerung, aber ansonsten: Nein. Ich habe viel Tagebuch geschrieben in der Jugend, aber auch da immer verabscheut, das zu lesen. Mit der Zeit wurde die Schrift filigraner, dann habe ich sie gespiegelt und von rechts nach links geschrieben – und das dann noch einmal entstellt.

Schreibst du das flüssig?

Ja, das kann ich flüssig schreiben, aber hinterher selbst kaum noch entziffern. Für mich ist das ein Spiel mit Konventionen. Ich abstrahiere Schrift und transportiere sie weg von ihrem eigentlichen Sinn.

Inwiefern?

Weil die Schrift eigentlich so klar ist, auch Sprache ist wohl etwas vom Deutlichsten, mit dem wir umgehen können. Ich könnte 300 Jahre später lesen, was ein Mensch aufgeschrieben hat und die Gedanken dieser Person nachvollziehen. Das ist der Sinn der Sache, es ist eigentlich fantastisch. Aber ich werde wohl nie wieder klar schreiben.

Ausstellung im Kunstraum Innsbruck 2017. Im Vordergrund eine Skulptur aus Lindenholz, die der Vater und Schriftsteller Christoph Zanon (1951–1997) bearbeitete, aber nicht fertigstellte. 

Du hast bei deiner letzten Ausstellung im Kunstraum der RLB Lienz einerseits großformatige, verfremdete Kindheitserinnerungen gezeigt – aber auch Skulpturen deines verstorbenen Vaters, die er nie fertigstellen konnte. Wie ging es dir damit, die zu überarbeiten?

Die Erinnerung begleitet einen ein Leben lang. Nach zwanzig Jahren kam der Punkt, an dem ich länger ohne ihn gelebt hatte, als mit ihm. Das ist so komisch, denn die erste Lebenshälfte kommt einem viel intensiver vor, die Erinnerung ist so klar. Die Skulpturen zu überarbeiten, war ein Versuch, eine gesunde Balance auszuloten. Man soll ja immer nach vorne leben, ich neige manchmal zu sehr dazu, in der Vergangenheit zu sein. Es war für mich schon ein Aufarbeiten, endlich aufzuräumen, manche Sachen wegzugeben, nach zwanzig Jahren. Ich konnte mich damit beschäftigen und fragen: „Welche Spuren von mir waren damals schon da? Was ist da genährt worden?“

Welche hast du gefunden?

Diese Momente, wenn wir im Keller saßen und er was geschnitzt hat oder an einem Gemälde gearbeitet hat. Ich wollte als Kind natürlich nie schlafen gehen, habe immer Wege gesucht, länger aufzubleiben. Einer der Wege war, in den Keller zu huschen, wenn die Mama es nicht merkt und den Papa anzutreffen, der gerade gut gelaunt ist. Er hat dann erzählt beim Arbeiten, wahnsinnig viel erzählt. Vielleicht hat er ein Bierdl dabei getrunken und wahrscheinlich auch seine Zigaretten geraucht. Ich roch das Holz, den Lack und die Werkstatt. Das war prägend. Als ich die Skulpturen aus dem Lager geholt habe, rochen die noch ganz gleich, eben nach Holz. Und dann legst du das frei und der Geruch wird immer intensiver, das ist schon irre. Was das für ein Gefühlsspeicher ist.

In deiner Jugend wolltest du dann weg aus Lienz, sagst du. Mit 19 bist du zum Architekturstudium nach Wien gegangen. Hat es das gebraucht?

Das war enorm wichtig. Ich mag Lienz total gern, aber eigentlich ist Innsbruck schon zu klein. Klein ist hart gesagt, es passiert schon irrsinnig viel, auch in Osttirol. Es gibt dort ganz umtriebige Kulturschaffende. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es mir wohl noch zu eng wäre. Obwohl ich es landschaftlich wunderschön finde.

Das Architekturstudium hast du nach sechs Semestern bleiben lassen, warum?

Bauphysik, Materialkunde und Statik. Die künstlerischen Fächer habe ich alle gemacht und als die vorbei waren, kamen die Brocken. Darstellende Geometrie ist schon ein brachialer Kurs. Jetzt würde ich mich wieder dafür interessieren. Ich merke, dass ich immer eine Liebe zur Architektur hatte – nur war die damals zu einer Hassliebe geworden. Gut, das braucht man ja, um Schluss zu machen.

Heute bist du Universitätsassistent am Studio 3, dem Innsbrucker Institut für experimentelle Architektur. Was gibst du den Studenten weiter?

Es geht um die künstlerische Herangehensweise, wie man im Alltäglichen und der Umgebung Inspirationsquellen findet; wie man die dann extrahiert und eigene Zugänge entwickelt. Aber auch um künstlerische Methoden – ganz grundlegende, im Zeichenkurs zum Beispiel.

Wie waren deine eigenen Erfahrungen an der Kunstakademie in Düsseldorf?

Das erste Jahr war eines der beeindruckendsten überhaupt: Wir waren hundert neue Studenten, aufgeteilt auf zwei Großateliers. Mein erster Gedanke war: „Oh du meine Güte, das wird verheerend.“ Ich hatte bis dahin ja immer nur im stillen Kämmerlein gesessen, plötzlich hockst du aufeinander und andere schauen dir beim Arbeiten über die Schulter. Aber es war großartig. Durch den Austausch passiert so wahnsinnig viel. Du musst ständig kommunizieren. Du kannst dich nicht ein paar Tage lang einschließen und mit niemandem reden.

Aber ist man nicht in einer Künstlerblase dort?

Natürlich, total. Sicher, sie sagen einem schon gleich zu Beginn: „Ihr seid hundert Neuanfänger, aber maximal zwei von euch werden allein von der Kunst leben können.“ So war es dann auch, diese beiden sind schon während des Studiums total berühmt geworden – die Statistik war erfüllt. Andererseits ist man die ganze Zeit von den großen Namen umgeben.

Zum Beispiel der britische Bildhauer Richard Deacon, in dessen Klasse du warst.

Ja, der ist auch so ein alter Star. Und trotzdem immer noch voll im Business. Ständig flog er zwischen Hongkong, London und New York herum. Eine Kommilitonin fragte ihn, ob er uns nicht erklären könnte, wie man mit einem Galeristen spricht, ein paar praktische Dinge des Künstlerlebens besprechen. Er meinte nur: Was nicht explizit die Kunst betrifft, interessiert ihn nicht. Er musste sich schlichtweg nie damit beschäftigen; weil er so früh erfolgreich war, hatte er sofort Mitarbeiter. Du lebst also die ganze Zeit in dieser Bubble und dann kommt die Realität. Das ist schon hart.

Deacon hat dich auch zum Meisterschüler ernannt. Was hat er dir mitgegeben?

In der Lehre war er sehr offen, hat alles zugelassen. Trotzdem hat er sich alles irrsinnig genau angeschaut und hätte auch über ein zerknittertes Papier eine halbe Stunde reden können. So lernte ich viel von ihm. Aber wäre man fordernd gewesen, hätte man vergebens gesucht.

Warum?

Naja, wir haben gemeinsam mit Deacon angefangen und waren am Schluss noch fünf, sechs Leute – total verschworen. Das Formulieren brauchten wir nicht mehr, es ging um Feinheiten. In der Hälfte kamen dann Junge dazu, die hätten Kritik gebraucht. Aber diese Reibung haben sie von Deacon nicht gekriegt, die verzweifelten mehr und mehr. Bei uns war alles Peace, Love and Harmony. Deacon war ein richtiger Achtundsechziger. Aber auch ein irrsinnig spannender Künstler.

Es war eine gute Beziehung?

Ja, er war der Klassenpapi, eine Art Vaterfigur. Das ist mir erst hinterher aufgefallen. Wenn ich was Neues gemacht habe und dachte: Das zeige ich im nächsten Kolloquium dem Deacon. Und mir dann auffiel: Ach, das geht ja nicht mehr.

Das Bild „Auf Atem“ bieten wir in der Dolomitenstadt-Onlinegalerie zum Kauf an.

Du bist jetzt seit einigen Jahren in Innsbruck. Wie geht es dir damit?

Am Anfang war das schon ein beklemmendes Gefühl. Düsseldorf ist ein ganz anderes Umfeld. Die großen Museen und Kunststammlungen sind dort, irrsinnig viele Offspaces. Alles stellt sich von Industrie auf Kultur um, es ist so wahnsinnig viel los. Ich fragte mich am Anfang in Innsbruck schon: „Oje, werde ich hier verkümmern, ob ich da weiterkomme?“ Das ist aber oft nur das Gefühl, das man selber mitbringt, man kann sein Fortkommen schon beeinflussen. In Düsseldorf könnte ich als Künstler genauso nicht wahrgenommen werden.

Du wirst ja wahrgenommen, hast Stipendien bekommen und dieses Atelier im Schloss Büchsenhausen. Funktioniert die Tiroler Kunstszene?

Es ist schon sehr in Ordnung hier, und wirklich gut, wenn man sich mit den Künstlern im Süden Europas vergleicht. Solange ich immer wieder mal ausstellen kann, passt das für mich. Ich habe lange vor mich hingearbeitet, aber den Bezug nach außen brauche ich mittlerweile. Das ist auch das Beste hier im Haus: dass da andere Künstler sind, mit denen ich mich austauschen kann.

Deine Werke erscheinen mir recht zeitlos, wenn ich das so sagen darf. Wie sehr fühlst du dich von politischen Entwicklungen beeinflusst?
Das Politische betrifft mich sehr. Man könnte drüber diskutieren, wie sehr das in der Arbeit reflektiert ist. In mir aber wohl. Wenn wir so Situationen haben, die ich nicht packe, dann lese ich noch viel mehr. Das war 2000 so, und als Trump Präsident wurde, war das der Anlass, ganz viel über dieses amerikanische System nachzulesen. Das hat mich vorher nie interessieren müssen. Aber dann passiert etwas, was mich extrem stört und ärgert, oder krank macht sogar – und ich fange an zu lesen.

In den Werken springt einen das nicht an, die sind jetzt nicht so plakativ.

Rein an der Oberfläche nicht. Das stimmt schon. Das fände ich auch ganz, ganz schwierig für mich. Eine konkrete politische Arbeit zu machen, die meinen künstlerischen Ansprüchen genügen würde. Das sollen die machen, die den Drang dazu haben. Ich könnte keine klare Message geben, bei mir wäre das immer mit einem großen Aber verbunden. Jeder Slogan bräuchte die Anmerkung, dass es den Gegenpunkt auch noch gibt, der unter Umständen legitim ist. Es gibt aber Leute, die sowas auf den Punkt bringen können und das auch gut machen.

Bist du dir manchmal selbst zu kompliziert?

Nicht wirklich. In meiner Arbeit habe ich ja einen Weg gefunden, das Innere an die Oberfläche zu bringen. Zu kompliziert aber vielleicht im Alltagsleben. Wenn ich daran scheitere, nervt das schon. Bis zu einem gewissen Punkt kann man sich zwar noch ändern, aber eigentlich bin ich schon rund mit mir. Wahrscheinlich auch, weil ich meine Kunst machen kann. Das ist ja ein großer Luxus, ein Lebensluxus.

Fühlst du dich frei?

Ja, weil ich jeden Tag entscheiden kann. Es ist so gedacht, dass ich hierherkomme und arbeite. Aber wenn mir etwas auf dem Weg begegnet, dann komme ich auch einfach nicht. Das ist meine große Freiheit. Dafür hat sich der ganze Kampf gelohnt.

Mehr Informationen über Benjamin Zanon:
Dolomitenstadt Kunstshop

Credits
  • Autorin: Rebecca Sandbichler
  • Fotografie: Christa Pertl / Privat
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