Ö1-Radiotipp „Ambiente – von der Kunst des Reisens“: Spuren des Klimawandels in den Alpen – Wandern in Osttirol
Sonntag, 06. Oktober um 10:05 Uhr
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Ambiente – von der Kunst des Reisens, Reisemagazin zum Thema „Wandern“, mit: Spuren des Klimawandels in den Alpen – eine Wanderung durch das Innergschlöß zum Schlatengletscher. Beitrag von Eva Roiher.

Für den Klimaschutz sind die Alpen wie ein europäisches Frühwarnsystem: An ihnen zeigt sich, worauf sich der Rest der Welt einzustellen hat. In manchen Alpenregionen könnten die Trinkwasservorräte knapp werden, auch Hochwasser, Lawinen und Geröllmuren werden immer mehr zur Gefahr. Im Innergschlöß, in Osttirol und entlang des Schlatengletschers sieht man die Spuren des Klimawandels auf engstem Raum. Josef Essl, ehemaliger Geschäftsführer der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA, führt vom Matreier Tauernhaus bis zum Gletschertor Schlatenkees. Gletscher sind das am leichtesten fassbare Naturphänomen, das mit dem Klima in unmittelbarer Verbindung steht.

Deshalb werden sie auch als Klimaindikatoren bezeichnet, und lange Messreihen über ihre Veränderungen sind von unschätzbarem Wert. Seit dem Gletscherhöchststand um 1850 hat sich das Volumen der österreichischen Gletscher auf ein Viertel reduziert, die bedeckte Fläche hat sich halbiert. Auch der Schlatenkees sei enorm zurückgegangen, so Essl. Seit 30 Jahren gäbe es keine Vorstöße mehr. Permafrost ist in den Ostalpen oberhalb von 3.000 m oft anzutreffen, in nordgerichteten Hängen bereits ab 2.500 m. Jedes Grad Temperaturveränderung hat auch Folgen für die stark an ihren extremen Lebensraum angepassten Pflanzen und Tiere. So wandern manche Pflanzen immer weiter in die Höhe, in kühlere Regionen – so lange, bis sie nicht mehr höher wandern können – und aussterben.