TV-Tipp: „Oberitaliens vergessene Wasserwege“ – Holz aus Obertilliach für Venedig
Montag, 16. Oktober um 21:05 Uhr
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  • 17.10.2017 um 16:45 Uhr

Der Piave fließt von seiner Quelle am Monte Peralba in den Karnischen Alpen bis in den Golf von Venedig – die Stadt im Wasser, die es ohne den Piave so gar nicht gäbe. Denn Venedig brauchte Holz. Die Befestigung der Stadt, Brücken- und Hausbau, Gondeln und die Glasindustrie, all das verschlang Unmengen von Holz. Fichten und Lärchen von außerordentlicher Qualität kamen aus dem Gebirgsort Obertilliach. Transportiert wurde das Holz jahrhundertelang auf dem Piave.

Blick ins Val Visdende auf der italienischen Seite des Tilliacher Joches in den Karnischen Alpen. Hier wurde über Jahrhunderte das Osttiroler Holz auf Rutschbahnen ins Veneto transportiert. Foto: ORF/ip Media/Stefan Sternad

Es ist ein langes Kapitel in der österreichisch- venezianischen Geschichte: Der Holzhandel und die Warentransporte über die Wasserwege aus den karnischen Südalpen nach Venedig. Ohne Holz, das zum Haus- und Brückenbau, für Gondeln und Schiffe und für die Glasindustrie gebraucht wurde, gäbe es Venedig so nicht. Allein die Befestigung der Stadt verschlang Unmengen von Holz, immerhin ist die „Serenissima“, wie Venedig auch genannt wird, auf Millionen von Holzpfählen erbaut.

Ausgehend vom historischen Holzhandel mit Osttirol über das Tilliacher Joch und den Holztransporten auf dem Piave und über ein weitverzweigtes Kanalsystem beleuchtet der Film die Geschichte und die bedeutendsten Wege des Holzes, die Orte, die Menschen und ihre Arbeitsbedingungen. Die kulturellen Besonderheiten entlang der Filmstrecke sind voller Überraschungen.

Ing. Anton Draxl von den Tiroler Chronisten am Tilliacher Joch. Der ehemalige Forstbeamte aus Lienz ist der Spezialist für die Wege des Holzes von Osttirol über den Piave nach Venedig. ORF/ip Media/Stefan Sternad

Am Ursprung des Piave in der Region Venetien (Provinz Belluno) liegt auf 1250m das Dorf Sappada, zu Deutsch Plodn, eine deutsche Sprachinsel mit 1300 Einwohnern. Die Plodner sind vor rund 1000 Jahren aus dem Tiroler Pustertal hierhergekommen und seitdem hat sich ihre mittelhochdeutsche Sprache praktisch nicht verändert. Nicht nur die Sprache, auch das Brauchtum wird in Plodn bewusst gepflegt, zum Beispiel im Fasching mit der „Plodner Vasenacht“, bei der Umzüge mit selbstgeschnitzten Zirbenholz-Masken durchs Dorf ziehen.

Rund 30 Kilometer weiter flussabwärts in Pieve di Cadore wurde Tiziano Vecellio geboren. Als Tizian – venezianischer Malerfürst und größter Porträtist seiner Zeit – ging er in die Kunstgeschichte ein. Wenig bekannt ist, dass Tiziano und sein Bruder Francesco Vecellio sich auch stark im Holzhandel mit Venedig engagierten. Tizian porträtierte unter anderen die Habsburger Monarchen Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I. und ließ sich dafür auch mit Waldgebieten und Ernterechten entlohnen. Die Vecellios betrieben im nahen Perarolo an der Piave einige Sägewerke und Tischlereien.

Die alten Venezianer hatten im Lauf der Jahrhunderte in gewaltigen technischen und wasserbaulichen Anstrengungen alle Flüsse, die früher in die Lagune mündeten, in die Adria umgeleitet. Sie sollten mit ihren großen Geschiebemengen und der von ihnen ausgehenden Hochwassergefahr von der Lagune ferngehalten werden. In Ufernähe zur Adria konnten die Flößer mit dem Holz den „Litoranea Veneta“ nutzen. Er führt parallel zur Adriaküste immer im geschützten Binnenland durch Lagunen und Flüsse, die mit künstlichen Kanälen zu einem schiffbaren Wasserweg verbunden wurden. Die Anfänge dieses Wasserweges gehen bis in die Antike und die alten Römer zurück. Die Österreicher haben ihn im Ersten Weltkrieg, als sie nach der 12. Isonzoschlacht bis zum Piave durchbrachen, noch einmal ausgebaut. Der geschützte Binnenwasserweg sollte für den Transport von Truppen, Gerät und Nachschub verwendet werden. Der „Litoranea Veneta“ wird bis heute erhalten. Er ist durchgehend befahrbar und wird lokal und touristisch genutzt.

Eine Dokumentation von Hermann Peseckas und Stefan Sternad