Ich bleib hier!
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Vögel könnten dem Winter eigentlich davonfliegen und viele Arten tun das auch. Doch manche der gefiederten Piepmätze harren auch bei größter Kälte in unseren Breiten aus, obwohl sie ihr Stoffwechsel praktisch zur ständigen Nahrungsaufnahme zwingt. Auf unsere Hilfe sind sie beim Überwintern dennoch nicht angewiesen. Aber was wäre ein echter Winter ohne Vogelhäuschen und die bunten Zwitscherer?

Der Winter zieht ins Land und damit ziehen sich viele Tiere an für uns Menschen nicht mehr zugängliche Orte zurück. Amphibien graben sich in den weichen Waldboden, Fledermäuse suchen sich ruhige Plätze in Dachböden oder Baumritzen und Insekten verkriechen sich ebenfalls an geschützte Plätze, wo sie in eine Kältestarre fallen und erst im Frühjahr mit der wärmenden Sonne wieder aktiv werden. Bekanntermaßen verbringen einige Säugetiere wie z.B. Igel oder Murmeltier die kalte Jahreszeit im Winterschlaf. Während also viele Tiere einen (Groß-)Teil des Jahres verschlafen, kann sich die einzige befiederte Tiergruppe der Welt dies aufgrund ihres hohen Stoffwechsels und der dadurch notwendigen häufigen Nahrungszufuhr nicht erlauben. Vögel sind, bis auf wenige flugunfähige Arten, eine äußerst mobile Tiergruppe. Es ist ihnen somit möglich, bei Nahrungsmangel auch großräumig auszuweichen, wie dies zahlreiche Zugvögel alljährlich im Herbst tun.

Einige Vogelarten harren auch den Winter über bei uns aus, was Naturbeobachter wiederum in die glückliche Lage versetzt, auch in dieser Jahreszeit Vögel beobachten zu können. Und das gelingt unter Umständen in dieser Zeit am besten, denn durch fehlendes Blattlaub sind sie leichter zu entdecken als im Sommerhalbjahr. Hinzu kommt, dass es viele Arten im Winter in siedlungsnahe Bereiche, in Gärten und Parks zieht, da es hier nicht nur wärmer ist, sondern auch mehr Nahrung zu finden gibt. Der Verkauf von Vogelfutter und Zubehör ist mittlerweile zum lukrativen Geschäft geworden, obwohl Vögel auf unsere (Futter-)Hilfe grundsätzlich nicht angewiesen sind. Ein Futterhäuschen im Garten ermöglicht es aber, die zahlreichen verschiedenen Arten aus nächster Nähe zu beobachten und zu studieren, wie dies ansonsten kaum gelingt.

Sperber tauchen im Winter gerne auch an Futterplätzen auf, da sie von den dort anwesenden Kleinvögeln angezogen werden.

Während die Insektenfresser unter den Vögeln aufgrund des hier herrschenden Nahrungsmangels in den Süden ziehen, können es sich viele Vogelarten aus der Gruppe der Körner- und Früchtefresser leisten, den Winter hier zu verbringen. Dazu zählen beispielsweise die Vertreter der „echten“ Drosseln wie z.B. Amsel, Mistel- und Wacholderdrossel.

Letztere, auch unter dem Namen „Krammetsvogel“ bekannt, ernährt sich neben den namensgebenden Wacholderbeeren im Winter gerne auch von anderen Beeren und Früchten, die im Herbst nicht abgefallen bzw. geerntet wurden. Aus diesem Grund war er seinerzeit – und in manchen Ländern wohl noch immer – ein begehrter Speisevogel, der sich aufgrund seiner Ernährung quasi von selbst spickt; so zumindest die Vorstellung einiger Gourmets. Der fast amselgroße Vogel zählt in unseren Breiten zu den auffälligsten Vertretern der Drosseln. Man beachte den grauen Kopf, die braunen Flügeloberseiten und die dazu kontrastierende, dunkel gefleckte Unterseite.

Wacholderdrosseln suchen typischerweise ihre Nahrung am Boden. Solange dieser noch nicht gefroren ist, gehen sie dort auf Jagd nach Würmern.

Eine Wacholderdrossel kommt selten alleine, und wenn man sie auch nicht sehen kann, dann wird man oft durch die harten „schack-schack“-Rufe auf sie aufmerksam. Der ursprünglich aus der Taiga stammende Vogel gilt in vielen Orten auch heute noch als Winterzeiger. Finkenvögel gelten als Körner- und Samenspezialisten, weshalb viele Vertreter dieser Gruppe ebenfalls den Winter hier verbringen. Neben dem allseits bekannten Buchfink, dem Grünfink oder dem Stieglitz zählt der Gimpel oder Dompfaff, wie er im Volksmund ob seiner schwarzen „Kappe“ auch genannt wird, zu den farbenprächtigsten Finken unserer Breiten.

Das intensiv leuchtende Rot der Brust des Gimpel-Männchens ist unverwechselbar und wirkt gerade im Winter wie ein Farbtupfen in der Landschaft. Der Gimpel ist ein Knospenspezialist, der sich je nach Saison von den unterschiedlichsten Knospen ernährt und diese teils auch akrobatisch nach unten hängend von den Ästen pickt. Im Winter taucht er auch an Futterplätzen auf und ist daher besonders gut zu beobachten. Neben dem Gimpel zieht es oft auch noch andere Vertreter der Gruppe der Finken zu den Futterplätzen, die man ansonsten während des Jahres nur selten zu Gesicht bekommt. Dazu zählt beispielsweise der Erlenzeisig, der das Jahr über gut versteckt in Nadelbäumen verbringt und sich dort von diversen Samen ernährt. Und wer besonders gut beobachtet, kann sogar einen – in unseren Breiten – reinen Wintergast entdecken: den Bergfink. Bergfinken brüten von Skandinavien ostwärts und verbringen den Winter in Mitteleuropa und auch regelmäßig in Osttirol.

Der Dompfaff - unverkennbar mit der kräftig rot gefärbten Brust und der schwarzen „Kappe“!

Zu den häufigsten und bekanntesten Vertretern an den Futterplätzen zählen sicherlich die zahlreichen Meisenarten, die es im Winter vor allem auf Samen, Nüsse und die „Meisenknödel“ abgesehen haben. In Osttirol sind alle in Österreich lebenden echten Meisenarten heimisch. Und da es sich um keine klassischen Zugvögel handelt, sind auch alle Arten den Winter über bei uns zu beobachten. Mit Ausnahme der Weiden- und Sumpfmeise, die sich optisch nur gering voneinander unterscheiden, sind alle anderen Arten leicht zu bestimmen. Die Neugier vieler Meisenarten wurde ihnen früher oft zum Verhängnis, da sie mittels Leimruten leicht gefangen werden konnten. Und da man dies damals nicht auf ihre Neugier, sondern auf ihre Dummheit zurückführte, wird heute noch manchen Menschen vorgeworfen, sie hätten eine „Meise“.

Neben ihrer Neugier sind sie auch unheimlich geschickt und unermüdlich, insbesondere wenn es um Futter geht. Wer einer Kohlmeise schon einmal beim Öffnen eines Sonnenblumenkerns zugesehen hat, kann dies sicherlich bestätigen. Wie bereits erwähnt, sind Vögel grundsätzlich auch im Winter nicht auf menschliche Hilfe durch Futter angewiesen. Bei Dauerfrost und lang anhaltender geschlossener Schneedecke kann das Zufüttern für einige Arten jedoch durchaus eine Überlebenshilfe sein. Sollten Sie sich dafür entscheiden, selbst ein Futterhäuschen aufzustellen, gibt es hier einige Informationen, die man bei der Anschaffung und der Wahl berücksichtigen sollte. Das Häuschen muss „katzensicher“ aufgestellt bzw. montiert werden, sonst wird es zur Vogelfalle. Um Vogelprall an Fensterscheiben zu vermeiden, sollte das Futterhäuschen in einigem Abstand zu einem Fenster in der Nähe von Büschen oder Bäumen aufgestellt werden. Die Vögel sollten nicht im Futter herumhüpfen können, weil durch Kot Krankheiten übertragen werden. Säulenförmige Futterautomaten, an denen die Vögel am unteren Ende die Körner entnehmen können, sind daher besonders empfehlenswert.

Eine Kohlmeise hat sich zum Aufpicken eines Sonnenblumenkerns in eine Fichte zurückgezogen.

Bei der Wahl des Futters greifen Sie am besten zu gängigen Futtermischungen, bestehend aus Sonnenblumenkernen, Nüssen, Haferflocken oder ähnlichem. Für Drosseln z.B. empfehlen sich Äpfel oder Rosinen, die auf Zweige gesteckt gerne angenommen werden. Vermeiden sollten Sie Speisereste und Brot, da dies nicht der natürlichen Nahrung von Wildvögeln entspricht. Je vielfältiger das Nahrungsangebot, desto artenreicher wird auch die Vogelfauna an Ihrem Futterhaus sein!

Credits
  • Autor: Matthias Gattermayr
  • Fotografie: Klaus Dapra, Christian Ragger, Oliver Stöhr
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