Kids climb
Kids climb
Kinder klettern gerne. Warum, erklärt Lisi Steurer.

Es war einmal…

… ein Vater, der hatte zwei Söhne. Der ältere war häuslich und von eher ängstlicher Natur, der jüngere war abenteuerlustig und nahm jede Herausforderung an, die ihm sein junges Leben bieten konnte. Der Vater liebte den älteren von beiden mehr und wenn die Leute den jüngeren sahen, sagten sie: „Mit dem wird der Vater noch seine liebe Not haben.“ So blieb der Jüngere nicht lange daheim und er machte sich auf Reisen. Er wollte das lernen, was er zu Hause nicht lernen konnte: das Fürchten. Auf seiner Reise erlebte er viele gruselige Geschichten, doch mit Mut und Geschick gelang es ihm stets, die Abenteuer zu bestehen. Zur Belohnung gab es ein großes Fest, er heiratete die Tochter des Königs und wenn sie nicht gestorben sind …

Grimms Märchen, von einem der auszog das Fürchten zu lernen, zeigt, dass viele (aber natürlich nicht alle) Kinder bereits früh den Drang verspüren, die eigene Welt zu entdecken und ihre Abenteuer zu erleben. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum die meisten Kinder gerne klettern? Egal, ob auf Bäume oder Felsen, ein Großteil klettert gerne oder würde dies zumindest gerne einmal tun. Warum ist das so?

Das Klettern kommt dem kindlichen Bewegungsdrang entgegen und fördert die motorische Vielfalt – jede Kletterstelle erfordert ein eigenes Bewegungsmuster, für das es eine Lösung zu finden gilt. Klettern fördert zudem Konzentration, soziale Fähigkeiten und kann das Selbstvertrauen stärken, wenn besondere Erfolgserlebnisse eintreten, wie beim Erreichen des Tops einer Kletterroute oder eines Baumwipfels. Somit gilt schon früh: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Natürlich geht es beim Klettern nicht nur um Risikomanagement, sondern auch darum, den natürlichen Bewegungsdrang zu befriedigen. Bei alpinen Vereinen, in Alpinschulen und vielerorts auch schon im Schulsport wird versucht, diesen Drang zu befriedigen. Es ist wichtig, dass die jungen Kletterer professionell betreut werden und über die richtige Ausrüstung verfügen.

Egal ob auf Bäume oder Felsen, fast alle Kinder klettern gerne oder würden dies zumindest gerne einmal tun.

Zum Klettern braucht es zu Beginn: Kletterschuhe, einen Klettergurt, Karabiner und natürlich ein Seil. Mit diesen Werkzeugen können die Kids schnell lernen, wie man sicher nach oben und vor allem auch wieder nach unten kommt. Kinder ab acht Jahren sind laut neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen in der Lage, andere Kinder unter Aufsicht von qualifizierten Erwachsenen zu sichern und verfügen über die kognitiven und physiologischen Fähigkeiten, dies auch verlässlich zu tun.

Bereits im Jahr 2005 hat die Alpinschule Bergstatt die ersten Kinderkletterkurse in Lienz durchgeführt. In Ermangelung einer passenden Kletterhalle finden diese Kurse jetzt ausschließlich in den Sommermonaten am Naturfelsen statt. In den Ferien gibt es einmal wöchentlich die Möglichkeit, mit staatlich geprüften BergführerInnen zu klettern.

Wie läuft so ein Tag ab?

BergführerInnen, Kinder und Eltern treffen sich jeden Montag um 9.00 Uhr am Kreithof. Dort sind in den letzten Jahren ein Großteil der Kletterrouten saniert und einige davon auch kinderfreundlich eingerichtet worden. Je nach Teilnehmerzahl – max. zehn Kids pro Vormittag – wird geklettert und natürlich auch die Natur beobachtet. Meist sind die Eltern schnell vergessen. Nachdem Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, verläuft der Vormittag ohne Erfolgsdruck. Die Kids sollen einfach die Möglichkeit haben, ihren Abenteuer-sinn auszuleben, möglichst kindgerecht und sicherheitstechnisch professionell betreut. Sicher gibt es auch manchmal schwere Momente, etwa wenn der Kletterschuh drückt, das Jausenbrot nicht den erhofften Inhalt hat, oder es nicht auf Anhieb gelingt, die Kletterroute ganz hinauf zu klettern. Dann gibt es auch einmal Tränen. Aber das gehört dazu. Was wäre unsere Gesellschaft ohne die schweren Momente, die zu überstehen sind? Und wer weiß: Vielleicht gibt es zum Schluss ja auch die Tochter des Königs oder ein Eis als Belohnung für die Tapferkeit.

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www.bergstatt.at
Credits
  • Autorin: Lisi Steurer
  • Fotografie: Ramona Waldner
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