Tonis Hühner
treiben's bunt
Tonis Hühner treiben's bunt
Im Gegensatz zur sprichwörtlichen Behauptung gleicht in Wirklichkeit kein Ei dem anderen. Schon gar nicht auf dem Bauernhof der Geschwister Anton und Theresia Kröll in Prägraten.

Dort findet man kaum ein Ei, das dem anderen gleicht. Im Gegenteil. Anton Krölls Hühner  legen Eier die so bunt sind, dass der Osterhase keine Farbe mehr braucht. Kunterbunt liegen die Eier im Osternest aus Heu, ganz ungefärbt und frisch aus den Hennen, die allerdings aus aller Herren Länder stammen. Auf dem 500 Quadratmeter großen Hühner-Freigehege der Krölls geht es zu wie bei einer Konferenz der UNO. Da gackern französische Marans neben chilenischen Araucanerhühnern. Ostasiatische Seidenhühner picken sich genauso durch das Gelände wie nordamerikanische Brahmas und belgische Brakelhühner, dazwischen stolzieren einige Sulmtaler herum. Das einzige was man hier nicht findet, sind die handelsüblichen heimischen Rassen. Wozu das Ganze? „Weil ich mich schon immer für Hühner und eigene Produkte interessiert habe“, erzählt Anton Kröll. Konkret wurde das Vorhaben vor 13 Jahren. Gemeinsam mit einem Arbeitskollegen recherchierte er und kaufte die ersten Bruteier.

Mittlerweile tummeln sich 70 Hühner samt ihren stolzen Hähnen auf dem Bauernhof der Krölls. Unterteilt in zehn verschiedene Rassen, womit wir wieder bei den Eiern wären. Die sehen tatsächlich so aus, als hätten hier die Ostereiermaler das ganze Jahr über Saison. Neben weißen findet man in den Brutstellen nämlich auch hellbraune, rötlichbraune, gesprenkelte und sogar grüne Eier. „Für die grünen, die äußerst cholesterinarm sind, sind die Araucanerhühner zuständig“, schmunzelt Kröll. Wobei die Farbtöne durchaus variieren. „Zum Beginn der Legeperiode sind die Eier intensiv farbig und die Schale auch recht hart, doch zum Sommer hin verblassen die Farben und die Schale wird merklich dünner“, weiß Anton. Sobald die Legeperiode aber erneut beginnt, sind die Eier wieder so, wie sie es am Anfang waren. Das gilt auch für die schokofarbigen Eier der Marans, die als völlig salmonellenfrei gelten. Am liebsten isst Anton übrigens die wachtelgroßen Eier seiner Bantam-Zwerghühner. „Da findest du den vollen Geschmack im kleinen Ei“, lacht der Prägratner, der mittlerweile in Lienz wohnt.

Im Multikulti-Hühnerstall von Anton und Theresia Kröll bemalt die Natur die Eier in bunten Farben.
Kein Wunder, dass dem Hahn vor Stolz der Kamm schwillt. Ein Nest wie dieses sieht man nicht alle Tage.

Woher die Färbung der Eier stammt, weiß selbst Anton nicht. Er kann sich jedoch vorstellen, dass sie mit den jeweiligen Lebenssituationen der Hühner in ihrer angestammten Heimat zu tun haben und der Tarnung dienen.  Auf dem Hof der Krölls nützt dieser Schutzmechanismus nichts. Sowohl Anton als auch Theresia finden jedes Ei. Und jene, die sie nicht selber essen, verkaufen sie vor Ort ab Hof. „Die Nachfrage ist groß. Vor allem zu Ostern. Da müssten wir 2.000 Hühner haben, um den Bedarf zu decken“, lacht Anton.

Bei vielen Menschen habe ein Umdenken eingesetzt. Viele möchten wissen, woher die Eier stammen, die sie essen. „Inzwischen halten sich immer mehr Leute privat ein paar Hühner“, erklärt der innovative Bauer. Er begrüßt diesen Trend. Vielleicht setzen künftig auch  kleine Privatzüchter auf Hühner aus aller Welt, die gesunde Eier in allen Farben legen. Dann ist der Osterhase nicht länger nur auf Antons bunte Freilandeier angewiesen.

Credits
  • Autor: Bernd Lenzer
  • Fotografie: Miriam Raneburger
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