Rebekka Köll an ihrem Arbeitsplatz.

Rebekka Köll an ihrem Arbeitsplatz.

"In der Forschung muss man kreativ sein"
"In der Forschung muss man kreativ sein"
Die 27-jährige Rebekka Köll hat für ihre Arbeit an innovativen Energiespeichermethoden den ACR Woman Award 2018 erhalten. Die Matreierin sprach mit Jungreporter Veit Rainer über die Auszeichnung, ihren Werdegang und Frauen in der Wissenschaft.

Rebekka, du hast den ACR Woman Award 2018 erhalten, was bedeutet das?
Der ACR (Austrian-Cooperative-Research) ist ein Dachverband für außeruniversitäre Forschungsinstitute und vergibt einmal im Jahr den Woman Award. Er soll vor allem ein Ansporn für junge Frauen sein, einen Werdegang als Wissenschafterin in Erwägung zu ziehen.

Wofür hast du die Auszeichnung erhalten?
Für meine Arbeit an saisonalen Energiespeichern. Diese werden insofern in Zukunft von Nöten sein, als wir auf erneuerbare Energie umsteigen wollen. So gibt es zwar für kurzzeitige Speicherung schon Lösungen, die aber bei einem kompletten Umstieg auf saubere Energie nicht ausreichen werden. So tritt zum Beispiel das Problem auf, dass im Sommer zu viel und im Winter zu wenig Energie produziert wird und durch diese krassen Spitzen im Sommer oft so viel Strom vorhanden ist, dass hohe Summen dafür bezahlt werden müssen, damit der Strom überhaupt abgenommen wird. In naher Zukunft wird das Thema vor allem durch den Atomausstieg Deutschlands interessant werden.

Die 27-jährige Forscherin ist seit 2014 bei AEE INTEC tätig und hat sich auf innovative Energiespeichermethoden spezialisiert.

Wie arbeitest du? Wie schaut dein tägliches Arbeitsleben aus?
Eigentlich habe ich gar keinen typischen Arbeitstag. Es kommt darauf an, in welcher Phase eines Projekts wir gerade stecken. Am Anfang gibt es immer eine Problemstellung, in diesem Fall, eine saisonale Speicherung für ein Einfamilienhaus zu entwickeln. Dann schauen wir, wie dieser Speicher ausschauen soll – sprich: Welche Komponenten werden benötigt und wie groß muss er sein? Dann geht es darum, das Ganze aufzubauen, zu testen und im Anschluss diese Tests auszuwerten. Publikationen zu schreiben und die Ergebnisse dann auch zu veröffentlichen, gehört natürlich auch dazu. Teilweise bin ich viel im Labor. Dann gibt es wieder andere Tage, an denen ich fast nur am Computer sitze. Wie gesagt: Es hängt erstens vom Projekt ab und zweitens davon, in welcher Phase eines Projekts wir gerade stecken.

Wie war dein Weg zu einer anerkannten Wissenschafterin?
Ich habe die HAK-Lienz besucht und habe dann gemerkt, dass mir Fächer wie Physik besonders liegen und dass ich mich ausgesprochen für technische Sachen interessiere. Ich habe dann auf der FH Johanneum Kapfenberg Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement studiert, dort habe ich auch meinen Bachelor und Master gemacht. Nach einer Exkursion im AEE, dem Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf, habe ich mich an eben jenem beworben und es hat eigentlich gleich geklappt. Im Grunde hat mich die Forschung schon immer interessiert, weil man in einer gewissen Weise auch kreativ sein muss.

Bei ihrer Forschung geht es um die Speicherung von Überschuss an Solarenergie für die Wintermonate. Die Speicherung erfolgt dabei nicht durch das Erwärmen von Wasser, sondern durch eine thermochemische Reaktion.

Und was verändert diese Auszeichnung für deine Arbeit, was bringt sie dir?
In der Wissenschaft ist es vor allem wichtig, dass man deinen Namen kennt. Und da ist eine solche Auszeichnung sicher nicht von Nachteil. Und gerade im Bereich der angewandten Forschung gibt es eher wenige bekannte Preise, sodass es auf jeden Fall eine Ehre ist, die Auszeichnung erhalten zu haben.

Manchmal würde ich mich schon gerne mit anderen Frauen austauschen. Aber ich hatte nie das Gefühl, ausgegrenzt zu werden.
Rebekka Köll

Als Frau aus Osttirol war dein Werdegang in der Wissenschaft vielleicht nicht der leichteste. Was waren deine Erfahrungen?
Letztendlich zählt immer nur die Leistung. Aber klar hat es eine Frau sicherlich nicht gerade leichter, in der Technik durchzustarten, als ein Mann. Es gibt einfach viel weniger Frauen in der Wissenschaft als Männer und so fehlen jungen Damen schlicht die Vorbilder. Wenn man zum Beispiel einen typischen Frauenberuf ausübt, kann man mit jemandem darüber reden und sich auch Rat holen. Wenn man als Frau allerdings in die technische Richtung gehen will, gibt es nicht viele Ansprechpartnerinnen. Und in einer Männergruppe zu arbeiten, ist zweifellos ganz anders als in einer Frauengruppe.

Wenn ich zu einem Meeting fahre, bin ich meistens die einzige Frau. Manchmal denke ich mir schon, dass es schön wäre, wenn es andere Frauen gäbe, mit denen ich mich austauschen könnte – bin ich mir doch sicher, dass Frauen ein bisschen anders arbeiten als Männer. Das sehe ich auf jeden Fall als eine Hürde. Aber ich hatte nie das Gefühl, ausgegrenzt zu werden, oder dass mich jemand nicht haben wollte. Und es war auch nie so, dass ich sagen würde, ich fühlte mich nicht wohl.

Credits
  • Interview: Veit Rainer
  • Fotografie: ACR/Gernot Muhr
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vitl

Tolle Leistung!