Joschi & die
fliegenden Fäuste
Joschi & die fliegenden Fäuste

Joschi Elsbacher ist 80 und nicht nur als Wirt eine Legende. Heute schenkt er seinen Gästen edle Tropfen ein, aber vor sechzig Jahren, da konnte der Joschi auch kräftig austeilen. 1951 wurde er Union-Bundesmeister der Amateurboxer. Es war das Jahr, in dem der Boxclub Lienz gegründet wurde, von ihm und ein paar anderen Faustkämpfern, die die Dolomitenstadt zu einem Boxmekka machen wollten.

Am Ring

Das Dolomiten-Boxturnier im Lienzer Stadtsaal ist die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art in Österreich. Nur Wiener Neustadt hat ein noch größeres Turnier. Dennoch fehlt ein wenig das Flair jener Zeit, als noch in der Versteigerungshalle die Fäuste flogen und die Kämpfer im Anschluss in Joschi Elsbachers Weinstube ihre Schmerzen vergaßen.

Für Dolomitenstadt hat Fotografin Ramona Waldner das diesjährige Turnier in beeindruckenden Bildern festgehalten.
Ganz im Stil von Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ kämpften im Stadtsaal erstmals auch Frauen. Undenkbar zu Joschis Zeiten.
Kämpfer aus sieben Nationen stiegen beim Dolomitenturnier 2011 in den Ring, das Publikum sah bei Gratiseintritt wirklich guten Boxsport.

Im Club

Neben Joschi Elsbacher hat der Boxclub Lienzer Dolomiten noch andere klingende Namen in der Ahnengalerie. Hermann Waldhuber und Josef Klaunzer in den Fünfzigern, Erwin Dellacher in den Sechzigern und in den goldenen Siebzigern natürlich Richard Koleritsch, der fünf Mal österreichischer Meister wurde und die Versteigerungshalle mit seinen unheilbringenden „Heumachern“ zum Kochen brauchte. 

In jüngster Zeit sorgten nach  Friedl Tschurtschentaler  und Herbert Kollnig vor allem Robert Moser und Felix Mattersberger für Nachschub im Trophäenschrank. Größtes Nachwuchstalent in den Reihen der Lienzer ist heute der 18-jährige Hotelfachschüler Alen Lovric, der im Stadtsaal seinen zweiten internationalen Kampf bestritt. Papa Augustin Lovric trainiert ihn.

Die Kämpfe der internationalen Amateurboxer gehen über vier Runden zu jeweils zwei Minuten.

Die Zeit der heißesten Kämpfe ist allerdings vorbei. Dafür erlebt der Boxsport auch in Lienz eine Renaissance als Fitnesstraining für Anspruchsvolle. Boxen ist in. Nicht so wie zu Joschis Zeiten, in denen auch die Amateure keinen Kopfschutz hatten und mancher an einem „Glaskinn“ scheiterte. Heute geht´s weniger um das Hinlangen und schon gar nicht um´s Einstecken, sondern um den perfekten Body samt Sixpack-Bauch und definierter Muskulatur bis in die entferntesten Körpergegenden. Dafür ist Boxen genau der richtige Trainingssport.

Ein Workout mit Punching Ball, Sandsack und Springschnur ist ideal für Bürohengste, die  gesund und elastisch bleiben möchten und irgendwie – seien wir uns ehrlich – ist das Outfit doch auch ultracool! Man muss ja nicht gleich der Hardcore-Fighter sein, Hauptsache man schaut wie ein solcher aus. Um die 30 Mitglieder hat der Lienzer Verein, ein gutes Dutzend davon Sportboxer, die in der Volksschule Süd trainieren.

Charly Pochendorfer, Mediensprecher des  Clubs, freut sich seit einer Werbeaktion im Rahmen der Osttirol Messe über neuen Zulauf: “Boxen erlebt als effizientes Fitnesstraining gerade einen Boom, auch bei Frauen. Es gibt immer mehr Interessierte, die mit uns mittrainieren, aber nicht aktiv boxen.”

Credits
  • Fotografie: Ramona Waldner
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