Alles was Flügel hat … eine kleine Garten-Ornithologie

“U-u-uuu-a-a-a-a!” Dieses penetrante Gekicher weckt mich jeden Tag. 

Erst dachte ich, Affen turnen morgens durch die Gärten, aber dann kicherte es immer wieder und nie sah ich einen Affen. Ich lege mich in der Hängematte auf die Lauer und warte… Raschelnd landen zwei schwarz-weiß gefiederte Vögel von einem halben Meter Größe zwischen den rot-orangen Blüten des Tulpenbaums.

Im Gegenlicht sind sie schwer auszumachen, nur ihr Ruf verrät sie. Das Bestimmungsbuch nennt sie Bindenlärmvögel, „very noisy birds“. Der Luftraum über mir entpuppt sich als der reinste Vogel-Zoo. Im Garten landen, picken und nisten große, kleine, bunte, unsichtbare, laute und ganz stille Vögel.

Auf der Suche nach Fressbarem hüpfen winzige dunkelrote Feuerfinken über den Rasen. Im Gelben Oleander tummelt sich eine Schar Braunflügel-Mausvögel. Sie sind die Punks unter den Singvögeln: Irokesen-Frisur, singen nicht, machen aber unglaublichen Radau. Der Schwarze Milan observiert die Nachbarschaft von oben, während ein Pärchen afrikanischer Graupapageien mit kirschrotem Stoß schnatternd in der Ölpalme landen.

Geräuschlos hat sich eine Madagaskarhöhlenweihe niedergelassen. Und den Habicht entdecke ich erst, als – fatsch! – ein großer Klacks vor meinen Füßen landet. Sein Gefieder hält sich in elegantem Hellgrau, zum Schnabel passend trägt er eine gelbe Brille.

Vor Schreck zieh ich den Kopf ein: mit Vuvuzela-lautem Tröten ziehen grün-schillernde Hagedasch tief über mich hinweg (wer hat sich bloß diese Namen ausgedacht?!). Und als ich ihnen nachschaue, sehe ich zwei Silhouetten ganz hoch oben am Himmel. Schreiseeadler, mächtige Raubvögel direkt über der Millionenstadt.

Allgegenwärtig in Kampalas Gärten, sogar im Straßenverkehr, aber bislang noch nicht in meinem Vogel-Refugium gesichtet: der Marabu.

Jeden Tag entdecke ich neue Bewohner und Gäste über dem Garten, in den Bäumen oder der Hecke. Nur einer kommt mich nicht besuchen. Der Vogel, der überall in der Innenstadt Kampalas, auf den Bäumen, im Kreisverkehr und auf jedem Misthaufen zu finden ist: der Marabu. Kann es sein, dass er sich geniert?

Eure Petra Navara

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1 Posting bisher
sonnenstadtler vor 5 Jahren

...ein hauch von welt zwischen unseren regionalen geschehnissen; ich finde die idee erfrischend und hoffe, dass sich wie petra navara noch mehr osttirolerInnen in der ferne finden, die aus ihrer studien-, arbeits-, wohn-welt in so bildhafter sprache berichten können.