Sind Osttirols Maturanten schon zentralisiert?

Schreiben die Schulen im Bezirk ihre Matura schon zentral? Ein aktueller Lagebericht.

Ob die Maturanten auch mit der Zentralmatura wieder eine weiße Flagge hissen werden?

„Heuer wurde die schriftliche Englisch-Matura bei uns bereits zum sechsten Mal zentral abgehalten“, berichtet Ludwig Pedarnig, Direktor des BORG Lienz. Während in den Medien das Thema Zentralmatura noch für viele Diskussionen sorgt, machen die Osttiroler Schulen schon gute Erfahrungen damit. Auf die vielen kritischen Reaktionen ließ das Unterrichtsministerium im Vorjahr Taten folgen und verschob den Start der zentralisierten Matura um ein Jahr. So soll die Reifeprüfung an allgemeinen höheren Schulen ab dem Schuljahr 2014/15 und an berufsbildenden höheren Schulen ab 2015/2016 zentral ablaufen.

In Osttirol starteten die Direktoren aber großteils schon mit dem neuen System, besonders das Fach Englisch wird schon fast ausnahmslos zentralisiert geschrieben.

Am Gymnasium in Lienz absolvieren die Achtklässler bereits seit fünf Jahren ihre schriftliche Englisch-Abschlussarbeit zentral. „Bis auf einen kleinen Teil, der von den Lehrern noch individuell gestaltet wird, besteht die Prüfung aus identischen, zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen und wird österreichweit zeitgleich durchgeführt“, erklärt die Schulleiterin Ursula Strobl.

Auch für BORG-Direktor Ludwig Pedarnig ist das neue System nach sechs Jahren schon zur Routine geworden: „Die Schüler klagten zwar, dass die Aufgaben in diesem Jahr etwas schwerer waren, trotzdem haben wir in den bisherigen Jahren fast nur positive Erfahrungen gemacht.“

Ganz anders sieht die Lage in der Handelsakademie aus. „Bei uns stellen die Professoren noch in allen Fächern die Aufgaben selbst zusammen, allerdings wird Ende Juni  in den Klassen darüber abgestimmt, wie es im kommenden Jahr aussieht “, schildert Direktor Josef Pretis. Er blickt der Umstellung aber größtenteils positiv entgegen: „Endlich steigt die Vergleichbarkeit und Schüler können nicht mehr klagen, sie hätten eine besonders harte Prüfung gehabt“. Nur das Fach Mathematik bereitet Pretis wegen dem umfassenden Lehrstoff noch ein wenig Bauchweh.

In der HTL Lienz sowie in der HLW setzt man im schriftlichen Unterrichtsfach Englisch auch schon auf die zentrale Durchführung. HTL-Schulleiter Peter Girstmair erzählt: „Unsere zwei Abschlussklassen schrieben in diesem Jahr erstmals bei der Zentralmatura mit und lieferten ein tolles Ergebnis ab“. Auch HLW-Direktor Gerald Kolbitsch macht seit zwei Jahren erfolgreiche Erfahrungen. „Bei Lehrern und Schülern kommt das System gut an, ich blicke positiv Richtung Zukunft“.

Zwei Osttiroler Schulklassen beweisen auch im Angstfach Mathematik Mut zur Innovation. Die 7B Klasse des Gymnasiums und die 7S vom BORG nehmen an einem österreichischen Pilotprojekt teil. Nach einer Befragung der Eltern und der Schüler testen die zwei Oberstufenklassen mit circa 20 weiteren österreichischen Schulklassen das zentrale System im Fach Mathematik. Anfang Mai wurde dazu die letzte Schularbeit als zentralisierte Schularbeit, also sozusagen als „Probematura“ geschrieben. Auch hinsichtlich des Stoffumfangs gab es Neuerungen, so umfasste der Stoff für die Schularbeit die 5. bis 7. Schulstufe.

Die beiden Mathe-Professoren Alois Girstmair (Gymnasium) und Ludwig Pedarnig (BORG) sind zufrieden: „Ich hab die Ergebnisse der Schularbeit schon vorliegen. Sie sind sehr gut ausgefallen, sogar ein wenig besser als die meiner eigens zusammengestellten Schularbeiten“, erzählt Girstmair erfreut. Auch im Allgemeinen sieht er den Schritt in Richtung des neuen Systems als richtig an und argumentiert: „Im internationalen Vergleich sind wir weit hinten aus, in kaum einem Land wird die Reifeprüfung noch von Lehrern selbst zusammengestellt.“

Auch Ludwig Pedarnig vom BORG zieht ein positives Feedback und freut sich auf die Mathe-Zentralmatura im nächsten Jahr.

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