Ankole – ein afrikanisches Wort für Rind

Ich finde, in Uganda sind die schönsten Rinder zu Hause.

Auf Osttirols Weiden grasen Fleckvieh, Braunvieh, Holstein oder Pinzgauer. Weltweit gibt es über 450 Rinderrassen. Aber ich finde, in Uganda ist die schönste Rasse zu Hause. Ankole-Rinder. Die Ugander meinen das wohl auch, denn unter den tierischen Heiligtümern der Nation stehen sie gleich hinter dem Wappenvogel, dem Kronenkranich. Diese Rasse überzeugt nicht unbedingt mit viel Milch oder Fleisch, aber sie hat Hörner. Und was für welche!

Das Ankole oder Watussi-Rind entstand durch Kreuzung von altägyptischen Langhornrindern mit Buckelrindern, den Zebus. Ihre ersten Züchter waren die in Tutsi in Ruanda und Burundi, Völker im Südwesten Ugandas schlossen sich ihnen an. Die seit über 5000 Jahren gezüchtete Rasse gibt es in allen möglichen Farbvariationen – einfarbig, mehrfarbig, getupft oder gefleckt – am schönsten finde ich die hellgrau-weiß-gesprenkelten.

Die feingliedrigen und langbeinigen Rinder waren ursprünglich nicht etwa für die Fleischproduktion bestimmt. Die Tiere galten als Zahlungsmittel und als Brautpreis. Sie wurden gemolken und zur Ader gelassen, das Blut mit Milch vermischt getrunken. Der Urin diente rituell reinigenden Zwecken – vor oder nach bestimmten Zeremonien wusch man die Hände darin – und der Dung wurde als Brennmaterial genutzt. In der Grenzregion Uganda-Kongo-Ruanda wurden die Hörner zu riesigen Blasinstrumenten mit hölzernem Schnitzwerk an der Basis verarbeitet. Die Mächtigkeit der Hörner ist das einzige Selektionsmerkmal der Ankole. Spannweiten von 200 cm sind keine Seltenheit. Der Weltrekord-Halter Lurch bietet einen Hornumfang von 95,25 cm auf. DAS gäbe eine Flöte!

Die Traditionen sind langsam vom Aussterben bedroht, die Gesellschaften entwickeln sich weiter. Und mit ihnen ihr Gusto am Fleisch der Tiere, das ich bei Joseph auf dem Markt kaufe. Aber das Ansehen und der ideelle Wert der Ankole-Rinder sind ungebrochen. Vor ihnen kapituliert sogar die Nationalpark-Behörde, denn den Hirten ist es erlaubt, ihre Herden im Nationalpark weiden zu lassen. Für uns Safari-Touristen bietet sich der bizarre Anblick weidender Kühe unter weidenden Zebras.

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