Ein „ewiger Rotzbua“ geht den Weg des Willens

Musiklegende Wickerl Adam passierte auf seiner Österreich-Wanderung Lienz.

Wickerl
„Wickerl“ Adam ist als Künstler eine Legende und derzeit auf einem langen Weg für einen guten Zweck.

Er ist Kopf, Herz und Gründer der legendären „Hallucination Company“ sowie Entdecker und Förderer österreichischer Musikgrößen wie Falco, Andy Baum, Hansi Lang oder Thomas Rabitsch. 2011 erlitt Ludwig „Wickerl“ Adam einen Schlaganfall und kämpfte sich 16 Monate lang mühsam durch Geh-, Sprech- und Iristraining wieder zurück ins Leben. „Ich habe gelernt, demütig zu sein,“ sinniert der 64-Jährige über die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre und speziell über die vier Wochen, die er auf der Intensivstation zubringen musste. „Ich lernte Menschen und deren Schicksale kennen, vor denen ich mich regelrecht genierte, wie gut ich selbst beinander war!“

Als Musiker und Schauspieler, der seit Gründung der Künstlerbrutstätte „Hallucination Company“ 1976 höchst erfolgreiche Jahrzehnte erlebte, ist Wickerl Adam heute vor allem in seiner Artikulation schwer beeinträchtigt. „Oba aufgebm tua i a Packl, nit mei Lebm,“ spricht der 2006 mit dem Amadeus-Award für das Lebenswerk ausgezeichnete Künstler und beeindruckt mit seiner außergewöhnlichen Aktion. Er stellte sich die Frage „Was kann ich jetzt noch tun?“ und kam auf die Antwort: „Gehen!“

Und genau das macht Wickerl Adam seit 22. Mai dieses Jahres: fast 2000 Kilometer – von Wien über Linz und Salzburg bis nach Bregenz, quer durch Tirol und nun weiter nach Villach, Klagenfurt, Graz und Eisenstadt wieder zurück in die Bundeshauptstadt. Damit macht er auf seine Aktion „Weg des Willens“ aufmerksam, um Spenden für den gleichnamigen Verein zu lukrieren, der Schlaganfall-Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe gewährt.

Am 59. Tag seines „Weg des Willens“ am 25. Juli erreichte Wickerl schließlich Osttirol und marschierte zwei Tage später in Lienz ein. Begleitet wurde er auf den letzten Kilometern von seinem Lienzer Gastgeber Clemens Schleifer, ebenfalls Musiker und Grafiker. „Mir ist Wickerl Adam schon seit sehr langer Zeit ein Begriff“, schildert Schleifer seine Begegnung mit der Legende, „und über Facebook erfuhr ich von seinem Aktionsmarsch. Ich bot ihm Unterkunft an und freute mich, als er zwei Tage später bereits anrief!“ An diesem heißen Wochenende in Osttirol besuchte auch noch Adam’s Tochter Silvia samt Enkelin den bemerkenswerten Wanderer. „Ich finde Westösterreich unglaublich schön, und menschlich habe ich hier sehr gute Erfahrungen gemacht!“ meint Wickerl und erzählt amüsiert aus dem Nähkästchen: „In früheren Zeiten erteilte uns die Diözese damals mit der ‚Company‘ aufgrund von ‚Obszönitäten‘ sogar Spielverbot in Tirol!“

"Ich bin halt ein besessener Vogel".
„Ich bin halt ein besessener Vogel“. Am 2. September will Wickerl wieder in Wien sein, ein paar Tage später gastiert er mit der „Hallucination Company“ im Orpheum.

Wickerl Adam bewandert Österreich mit einem 15 Kilogramm schweren Rucksack in 100 Tagen. Seine Ärzte und Freunde sind schwer begeistert vom Willen und Durchhaltevermögen des 64-Jährigen, der mit seinem Etappenziel in Lienz schon etwas mehr als die Hälfte seiner Tour geschafft hat. „Die Leute sagen: ‚Der muaß an Vogel hobm oder besessen sein!‘ Ich bin halt ein besessener Vogel, des passt zu mein Lebm!“

Am 2. September möchte Adam Wien erreichen, um am 6. und 7. September für sein Rocktheater mit der „Hallucination Company“ im Wiener Orpheum wieder voll fit zu sein. Er sei innerlich ein „ewiger Rotzbua“, meint die willensstarke Frohnatur, und außerdem ist er auf seinem Weg voll in der Zeit. 13 bis 18 Kilometer im Schnitt marschiert Wickerl, der heute weiter nach Kärnten zieht. Nach seinem Fußmarsch durch Österreich besucht der Multi-Künstler alle Landeshauptstädte, um seine Aktion mit Vorträgen vorzustellen und Spenden zu sammeln.

Auf seinem eigenen Internet-Blog berichtet Wickerl Adam täglich von seiner Wanderung, auch auf Facebook kann man den „Weg des Willens“ begleiten. Direkte Hilfe ist über das Spendenkonto 4053195005 bei der Volksbank (BLZ 40850) möglich.

Fotos: Clemens Schleifer

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