Lienzer Schwimmbad kurz vor EU-Ausschreibung

Budget lässt keinen Spielraum für Rutsche und Sonderwünsche.

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung am 17. Dezember stand das Lienzer hallenbad im Mittelpunkt der Debatte. Visualisierung: L. Jungmann/Stadt Lienz
Zu Beginn der Gemeinderatssitzung am 17. Dezember stand das Lienzer Hallenbad im Mittelpunkt der Debatte. Visualisierung: L. Jungmann/Stadt Lienz

In der letzten Sitzung des alten Jahres am 17. Dezember stellte der Lienzer Gemeinderat weitere Weichen für die Realisierung des Dolomitenbades. „Raumbuch und Bemusterung“ wurden ebenso einstimmig abgesegnet, wie die europaweite Totalunternehmerausschreibung, mit der die darauf spezialisierten Wiener Unternehmensberater Platzer & Partner beauftragt wurden. Dieses Büro hat schon einmal eine Ausschreibung für das Lienzer Bad verfasst, damals noch in der JUFA-Variante unter Bürgermeister Hibler.

Vor der Abstimmung sorgte vor allem SP-Gemeinderat Andreas Hofer für eine Neuauflage der „Rutschendiskussion“, die in der Öffentlichkeit nach Bekanntwerden der Schwimmbadentwürfe aufflackerte. Das Lienzer Hallenbad wird ja, wie berichtet, in weiten Teilen auf die alte Substanz aufbauend generalsaniert und erhält einige neue Funktionen, mehr Liegeplätze und ein größeres Außenbecken, es wird aber nicht als „Erlebnisbad“ konzipiert sein und deshalb auch in der Grundausstattung keine große Rutsche bieten. Hofer und FP-Gemeinderat Sepp Blasisker – „Leisten wir uns eine Rutsche, wir werden schon nicht ausrutschen“ – blieben mit ihrem Anliegen in der Minderheit.

Sowohl Bürgermeisterin Elisabeth Blanik als auch VP-Vizebürgermeister Stephan Tagger verwiesen auf die Kosten und einen wichtigen betriebswirtschaftlichen Aspekt. Tagger: „Eine große Rutsche müsste teilweise außerhalb der Gebäudehülle verlaufen und das würde die Energiebilanz stark verschlechtern.“ Das Dolomitenbad soll laut Konzept um 70% weniger Energie verbrauchen und deshalb auch niedrigere Betriebskosten haben. Zudem würde die Anschaffung der Rutsche 500.000 bis 850.000 Euro kosten.

Auch Andreas Hofers Anregung, einen „Wunschbriefkasten“ für die Bevölkerung beim alten Bad zu montieren stieß auf wenig Gegenliebe. Blanik stellte klar, dass das Budget für Extrawünsche ohnehin keinen Spielraum lasse. 14,5 Mio Euro sollen Um- und Ausbau des Bades in der aktuell ausgeschriebenen Variante kosten. Ein Viertel davon erwartet die Lienzer Stadtführung vom Land. Dies sei fix zugesagt, wenngleich die schriftliche Garantie von Landeshauptmann Günther Platter noch nicht im städtischen Postkasten gelandet ist. Weit weniger konkret als der Landesbeitrag ist jener des TVBO, den die Stadt gerne unter den Sponsoren hätte. Hier muss erst das Ergebnis der „Infrastrukturanalyse“ abgewartet werden, die die Tourismusabteilung des Landes und der TVBO demnächst beauftragen. Nur wenn diese Analyse dem Lienzer Bad „touristische Relevanz“ attestiert, besteht eine Chance auf TVBO-Gelder.

Ebenfalls wenig ermutigend sind die Signale der Osttiroler Investment Gesellschaft OIG, bei der Bürgermeisterin Blanik schriftlich angeklopft und bislang keine Antwort erhalten hat. Die Stadt ist budgetär auf einen Finanzierungsbedarf von rund 11 Millionen aus der eigenen Kasse vorbereitet.

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2 Postings bisher
Weibsteufl vor 4 Jahren

Platzer & Partner Wien ist beim genauen Nachlesen als "inaktiv" im Unternehmerverzeichnis zu finden? Ist das richtig oder nur eine andere Firma? Spezialisiert auf Beratung für Land, Bund und Gemeinden? Wenn ja, gute Voraussetzungen für den nächsten "Bauchfleck".

12 Mio Euronen auszugeben, sind für meinen Geschmack für diese Light-Version vielleicht etwas viel, wo doch alle sparen sollten. Frau Dr. Reisner könnte aber den Ankauf dem Mühlen-Areals unserem LH vorschlagen, zugleich verkaufen wir GKK, Amt für Landwirtschaft, die alte BH und das Baubezirksamt und bauen ein schönes und modernes Gebäude und haben als Tiroler Geld für das Schwimmbad übrig.

Eine Win-Win-Situation in der alle Etwas bekommen - wie zu Weihnachten. Halleluja!

Churchill vor 4 Jahren

Besser schlecht als garnicht?

DAS ist hier die Frage

*schlecht im Sinne von: minimalistischer Sparefroh, statt mutiger Zukunftsinvestition.

Sollte man wirklich in Zeiten der Krise ein Schwimmbad errichten, dem noch Jahrzehnte später eben diese jetzige Finanzkrise ansehen kann?

Da sparen wir und das Geld lieber, anstatt nur an der Oberfläche zu kratzen und diese neu zu verputzen. Ich frage mich, ob die zusätzlichen Liegeflächen wohl jemals benötigt werden. Das einzige, dass mich wirklich ins Staunen versetzt hat, ist der Ausblick, denn man vom Restaurant am Dach haben könnte.