Karriereplanung in Uganda? Ein Fremdwort

Woher kommt dieses kollektive Gefühl von „Das-kann-ich-nicht“?

„Was möchtest du einmal beruflich machen?“, frage ich Stella Chekwoti, die acht Schneiderinnen der Werkstatt One & Only in der Fertigung von Taschen anleitet. „Naja, ich bin Schneiderin…“, meint sie achselzuckend und denkt wohl: Was soll diese Frage?

Ich frage sie, weil sie den Vorzug einer guten Ausbildung im Land-of-Hope genießt, einer riesigen, modernen – ja, sagen wir es ruhig – Missionsstation, die Maria Prean aus Imst mit Spendengeldern aus Deutschland, der Schweiz und zu einem kleinen Anteil aus Österreich vor etwa zwölf Jahren aufgebaut hat. Stella kann sich glücklich schätzen, in einer so gut eingerichteten und gemanagten Werkstätte lernen zu können. Was sie sich hier an Wissen und Fertigkeit aneignet, könnte sie zu einer erfolgreichen Frau in der Branche machen. Aber sie zuckt auf meine Frage nach ihrer Karriereplanung die Achseln. Wie 99 Prozent der jungen Leute, die ich in Uganda kennen gelernt habe, hat sie darüber nicht nachgedacht.

Salome Katongole, Stella Atal, Gloria Wavamunno und Sylvia Owori hatten eine Vision von ihrer beruflichen Laufbahn. Sie haben auch ugandische Wurzeln und genießen heute internationale Reputation in der Modebranche. Ihre Models laufen in Italien, sie verkaufen in Johannesburg, werden in London anerkannt und strecken ihre Fühler nach dem amerikanischen Markt aus. Mit Idee, Biss und Zähigkeit – aber vor allem einer Vision – geht vieles.

Das macht mich oft ganz krank in Uganda, dieses „ich weiß nicht, was ich will“ und „das geht ja alles nicht“. Woher kommt dieses kollektive Gefühl von Das-kann-ich-nicht und Planlosigkeit? Außenstehende meinen, die Gründe dafür seien sozio-kulturell bedingt, will heißen: In einer Gesellschaft, in der Individuen es gewohnt sind, nur über Beziehungen und Schmiergeld gute Jobs zu bekommen, wo Klientelismus mehr zählt als Talent und Bildung, darf man sich nicht wundern, wenn Menschen ohne ‚Vitamin B‘ und Matura keine Hoffnung in ihre Karriere investieren.

Ich will absolut keine Lanze für die Coacherei brechen, aber irgendwer müsste den jungen Leuten in Uganda mal sagen: „Ihr lebt in einem Entwicklungsland, OK. Aber, hey, alles wird gut, wenn ihr an euch selbst glaubt!“

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