Unterricht auf den Bermuda-Inseln

Petra Heinz-Prugger über den Schulalltag auf den Atlantik-Inseln.

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In den Schulen der Bermuda-Inseln geht es bunt zu. Die Schüler tragen allerdings Schuluniformen.

Er hat sich schon vor Wochen angekündigt, der Schulanfang: wie eine atemraubende Welle überrollt mich eine Flut an E-Mails aus der Schule meiner Kinder, die meinen Online-Postkasten bereits seit Ende August überschwemmt, und es wird nicht weniger werden, je älter das Schuljahr wird.

Formulare für Snack-duty, Hot-lunch, Pizz-days, Schulfoto-Termine, Klassenlisten, Startausrüstung und nicht zuletzt die guten Verhaltens- und Kleidungsvorschriften, die ich vor vielen, vielen Jahren als Schülerin sicher gehasst hätte, als Mutter dieser Tage aber innigst ins Herz geschlossen habe.

Die endlosen, nervenaufreibenden Diskussionen mit zeitweisen Tränenausbrüchen beiderseits, wenn man noch schlaftrunken vor dem Kleiderschrank des Sprösslings steht und der Kleidergeschmack bezüglich Farbe, Stil und Temperaturangepasstheit wieder einmal völlig auseinandergeht –  was soll ich sagen? Sie sind vorbei – endlich!

Naja, nicht ganz – bei meiner Kleinen muss ich noch ein Jahr warten bis zum paradiesischen Zustand der Schuluniform, aber zumindest sind Socken und geschlossene Schuhe sowie Sonnenhut vorgeschrieben, und kurze Röcke mit Innenhose oder kurze Hosen zwecks Beweglichkeit beim Gymnastikunterricht bevorzugt. Das nimmt schon mal ziemlich viele Kleidchen mit möglichst weitem Rockumfang und Spaghettiträgern im Prinzessinnenstil aus dem Rennen.

Ab nächstem Jahr wird es dann noch etwas schärfer. Sobald die Kinder nämlich in Uniform erscheinen müssen, herrscht außerdem noch Nagellack-, Haarfärbe- und Schminkverbot, was natürlich die pubertierenden Mädchen etwas mehr betrifft als unsere Vierjährige. Ohrringe dürfen auch nur als Stecker und maximal einer pro Ohr getragen werden. Hinzu kommen noch Vorschriften bezüglich Farbwahl der Haarbänder, der Hinweis, immer kurze und saubere Nägel zu haben ist dabei selbstverständlich. Spätestens jetzt werden die meisten modebewussten Osttiroler SchülerInnen jäh aufgeschrien haben, aber so ist das eben anderswo, liebe Kinder. Andere Länder, andere Sitten.

Bei meinem Großen ist es jetzt schon wie im Märchen: dunkelblaue Kniestrümpfe, weißes Shirt oder Hemd, khakifarbene Hose, meistens kurz, dunkelblaue Jacke bei Bedarf, braune oder schwarze Schuhe und Sonnenhut zur Abwechslung ohne Vorgabe in Stil und Farbe  – und das die ganze Woche –  außer an Tagen mit Sport, da gibt es die schuleigene grüne Sportuniform.

schule
An Tagen mit Sportunterricht gibt es eine grüne Sportuniform.

Keine Diskussionen mehr. Punkt. Ich liebe sie – als Mutter – diese Uniform, an der man einserseits erkennt, welche Schule die Kinder besuchen, und die einem andererseits den Alltag so enorm erleichtert. Man kann jetzt argumentieren, es nehme den Kindern die Entscheidungsfreiheit, die Individualität – was solls? Entfalten können sie sich, modisch betrachtet, auch noch nachmittags.

Aber Schuluniformen sind nicht das einzige, was den Schulbesuch auf der Insel exotisch macht, im Vergleich zu den Schulen in Lienz.

In Bermuda gehen die Kinder bereits mit vier Jahren zur Vorschule und der Schultag dauert auch schon bis circa 15 Uhr nachmittags, was ich persönlich etwas lang finde, aber dem ist kein Entkommen, will man die Kinder nicht zuhause unterrichten. Mit fünf Jahren fängt dann der Alltag in der „Primary One“ an, also mit der ersten Klasse Volksschule, auch etwas früh für meinen Geschmack, mein Junge war damals sogar erst vier als er in Uniform parat stand.

Möchte man, beziehungsweise frau den eigenen Kids hierzulande eine gute Schulbildung ermöglichen, dann bleibt einem als „Expat“ fast keine andere Wahl, als die Abkömmlinge in eine Privatschule zu schicken.

Unsere haben glücklicherweise einen begehrten Platz in einer der vier hiesigen Privatschulen ergattert. Begehrt deswegen, weil man Kinder in Bermuda möglichst schon direkt nach der Geburt in allen Privatschulen vormerken lassen muss, damit sie dann zu gegebener Zeit für viel Geld auch wirklich irgendwo unterkommen. Es gibt einige wenige öffentliche Volksschulen, die den akademischen Ansprüchen der ausländischen Fachkräfte Genüge tun, allerdings muss man dazu eben auch im richtigen Bezirk wohnen.

Unsere Kinder besuchen nun also eine dieser vier Privatschulen. „Unsere“ Schule unterscheidet sich von den anderen recht streng britischen Schulen dadurch, dass sie die ersten sechs Jahre nach den Prinzipien von Maria Montessori unterrichtet werden, mit drei Altersstufen pro Klasse. Danach stehen ihnen zwei Übergangsjahre mit nur gleichaltrigen Klassenkameraden bevor, um schlussendlich in ein reguläres Mittelschulsystem zu kommen, das sie dann nach weiteren sieben Jahren mit einem IBO-DP (international Baccalaureate Diplom), einer international anerkannten Matura abschließen können.

In unserem Fall ist die Schule mit fast 500 Schülern aus über 30 Nationen und über 50 Lehrkräften aus 13 Ländern recht groß und auch sehr international.

Es wird besonders darauf geachtet, dass in jeder Klasse ein ausgewogenes Mischungsverhältnis bezüglich Geschlecht, Hautfarbe und Nationalität herrscht. Somit ist Vielfalt in der Schule eigentlich ohnehin mehr als gegeben und die Uniformität bezüglich Kleidung rückt praktisch komplett  in den Hintergrund.

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