Das Weltklima und die Schneekanoniere

Jüngst war ich afrikanischer Delegierter der Weltklimakonferenz.

Schneekanonen auf dem Lienzer Schlossberg. Foto: Wolfgang Retter
Schneekanonen auf dem Lienzer Schlossberg. Foto: Wolfgang Retter

Jüngst war ich afrikanischer Delegierter der Weltklimakonferenz. Quasi als Vorbereitung für die derzeit in Lima abgehaltene Vorbereitung der eigentlichen Weltklimakonferenz nächstes Jahr in Paris. Bei der wird vielleicht die Absenkung des weltweiten CO² Ausstoßes beschlossen, aber nur vielleicht, und wenn, dann mehr so als vage Absichtserklärung.

Denn schließlich geht’s da ja auch um Energieverbrauch und damit um Wirtschaftswachstum, in der Folge um Arbeitsplätze, und so oder so um viel Geld. Und weniger um Südseeinsulaner, denen das Wasser schon jetzt bis zum Hals steht, oder um die Bewohner von Andenstaaten, denen die Trinkwasserreserven abschmelzen oder ähnlich wenig wirtschaftlich potente Zeitgenossen. In Energiefragen muss man eben Prioritäten setzen.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich war nicht wirklich Delegierter, sondern Teil der Inszenierung des Stücks „Weltklimakonferenz“ des Rimini-Protokolls, einer Theatergruppe, die das Publikum zum Akteur höchst realer Vorgänge macht. Ende des Sommers war ich dank Rimini-Protokoll zum Beispiel lybischer Flüchtling, Waffenhändler, Abgeordneter des Europäischen Parlaments, Israelischer Soldat, Waffentester für Heckler und Koch, und noch so einiges mehr, was mir spannende Einblicke möglich machte.

Auch diesmal habe ich profitiert, ohne allerdings wirklich einen wertvollen Beitrag zur Senkung des Weltklimas geleistet zu haben. Als Quasi-Delegierter durfte ich unter anderem die Sichtweise reeller afrikanischer Delegierter kennenlernen. Ich lauschte gespannt den Ausführungen von Experten, die tatsächlich dieser Tage in Lima ihren Beitrag zur Reduktion des CO²-Ausstoßes leisten, bekam professionellen Rat, was ein Entwicklungsland wie Lesotho einsparen könne – schlicht nichts –, führte bilaterale Gespräche mit der Delegation des Sultanats von Brunei – drei sehr nette Damen, die sich redlich mühten, ihrer staatstragenden Rolle und ihrer Verantwortung dem Weltklima gegenüber gerecht zu werden – und kam zu dem Schluss: Das mit der Rettung des Weltklimas wird so eher nix, nicht im Hamburger Schauspielhaus, nicht in Lima und sehr wahrscheinlich nicht in Paris, nächstes Jahr.

Schon alleine deswegen, weil ich gerne auf gut beschneiten Pisten talwärts fahre, und die gibt’s im Moment nur, wenn kräftig beschneit wird, zu Tage und in der Nacht, am besten bei Flutlicht, bis das Tiroler Stromnetz kracht. Denn auf den Winter ist in Zeiten wie diesen kein Verlass. Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnwirtschaft, meint zu dem – sicher klimaneutralen – Energieverbrauch auf Nachfrage der Tiroler Tageszeitung, es stimme schon, die Seilbahnwirtschaft sei für manche Stromspitzen verantwortlich. Aber man sei schließlich auch Kunde wie jeder andere bei Tinetz, und es sei ein Armutszeugnis für die Tinetz, wenn sie die Versorgungssicherheit nicht aufrechterhalten könne. Der Mann weiß Prioritäten zu setzen.

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5 Postings bisher
Thomas Haidenberger vor 3 Jahren

Danke an den Autor für diesen treffenden Kommentar! Es ist wichtig, ein Problem mit einem Gewissen Abstand "als Ganzes" zu sehen, und sich nicht ganz in einer regionalen Betrachtungsweise zu verlieren...

Irgendwie scheint den "Verantwortlichen, die es verstehen, Prioritäten zu setzen" noch nicht ganz bewusst zu sein, dass ihre Aktivitäten mehr Teil des Problems als Teil der Lösung sind: Es gibt eine direkte Verknüpfung (="positive" Rückkoppelung) zwischen dem (weltweit) immer noch stark steigenden Energieverbrauch und der Tatsache, dass der natürliche Schnee auch in mittleren Lagen immer rarer wird.

Allen technischen Verbesserungen der Beschneiungssysteme in den letzten Jahren zum Trotz: Wegen der immer größeren "beschneiten Flächen" sinkt der Energieverbrauch zwar je Flächeneinheit, in Summe steigt er munter weiter.

nanny vor 3 Jahren

@SusiCat-frankfurt Das übermäßige Anwachsen der Bevölkerung passiert sicher nicht in Europa. Wie "steuert" man das in anderen Ländern und Kulturen? Vollkommen richtig ist natürlich, dass Zeit haben vor Geld raffen geht - wie sehen das die Finanzhaie, die sich weltweit auch erfolgreich gegen Steuern wehren, die dringend für Investitionen gebraucht würden?

SusiCat-frankfurt vor 3 Jahren

... jeder kann einen Beitrag leisten! und wenn es nur folgendes ist: die Weltbevölkerung nicht weiter anwachsen zu lassen ... die Natur nicht weiter zu zerstören ... sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen ... zeithaben ist wichtiger als geldvermehrung!

spitzeFeder vor 3 Jahren

Ausgezeichneter Beitrag - Respekt.

nanny vor 3 Jahren

Sehr guter Kommentar. Das eigene "Be(ge)fangensein" macht mich auch traurig und etwas hilflos. Leider.