Weihnachten in den Bergen von Uganda

Kein Jingle Bells und kein Ho-Ho-Ho in Gottes Tempel Natur.

Aus jedem Laden in den Shopping Malls dudeln Weihnachtslieder in allen Sprachen, Plastikattrappen von Tannenbäumchen brechen unter Lichterketten und Lametta zusammen, kunstbeschneite Bäume lassen die Äste unter der Last von rotem Straßenstaub hängen, während Männer mit der Hautfarbe einer Kaffeebohne hinter weißen Watte-Bärten ihr Ho-Ho-Ho schmettern. Wer glaubt, Weihnachten fände nur in der Westlichen Welt statt, der irrt. Kampala ist vom Vorweihnachts-Wahnsinn genauso erfasst wie alle Metropolen. Nur, dass wir hier beim Shoppen trotz Sommerbekleidung schwitzen wie die Affen.

Mir geht der Rummel auf die Nerven, wie jedes Jahr. Ich schmiede Fluchtpläne. Safari? Sicher alles ausgebucht. Kenias Küste? Oh Gott, nein, bloß keine Charter-Touris. Berge? So viele gibt es in Uganda nicht: das Ruwenzori-Massiv im Westen und den Mount Elgon im Osten. Die Ruwenzoris habe ich vor 22 Jahren umschritten. Also auf zum Mount Elgon.

Die Autofahrt von netto vier Stunden ist durch einen Stau in Jinja, der Unfähigkeit eines Tankwarts, die Füllung abzurechnen und einen Platten links hinten gut aufgelockert. Erst bei Sonnenuntergang kommen wir in Sipi an. Die einfache Hütte, die wir gemietet haben, steht so nah am Abgrund, dass ich das Gefühl habe, die Sonne steht tief unter mir. Erst am nächsten Tag sehen wir, in welch wunderbaren Landschaft wir gelandet sind.

Die Hänge brechen in roten Klippen ab, an den steilen Flanken wächst Kaffee, auf den Zwischenplateaus weidet das Vieh. Allerorts wird gejätet, gemolken, Holz gemacht. Unberührt sind nur die Wasserfälle. Wir wandern vom einen zum anderen, Kinder begleiten uns neugierig und kichernd. Der zehnjährige Moses hat ein Chamäleon gefangen und zeigt es uns stolz. Unaufgeregt klettert es das Stäbchen rauf und runter, lässt sich in der Hand halten und bestaunen. Die Luft ist so sauber, dass sie in der Nase brennt, und wäre da nicht das nahe oder ferne Rauschen der Fälle, würden wir nur hier und da ein paar Frauen beim Wäschewaschen lachen hören. Sonst ist es still. Keine Shopping-Malls, kein Jingle Bells und kein Ho-Ho-Ho in Gottes Tempel Natur.

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