Kraftwerk Innervillgraten bleibt umstritten

Sepp Schett lässt nicht locker und stellt Überprüfungsantrag im Landtag.

„Als Familienvater, der will, dass seine Kinder auch in Zukunft noch in einer intakten Natur leben, aber auch als Tourismusfunktionär, der für den naturnahen Tourismus zuständig ist, kann ich nicht für dieses unwirtschaftliche Projekt sein.“ So bringt Josef Schett, Vorwärts-Abgeordneter und TVBO-Vorstandsmitglied seine Position zu dem in Innervillgraten geplanten Kleinkraftwerk auf den Punkt.

Sepp Schett glaubt nicht an die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerkes Innervillgraten, legt Gutachten vor und stellt einen Antrag im Landtag. Foto: Martin Lugger
Sepp Schett glaubt nicht an die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerkes Innervillgraten, legt Gutachten vor und stellt einen Antrag im Landtag. Foto: Martin Lugger

Seit 2007 zieht sich der Streit um die Errichtung eines Kleinkraftwerkes in Innervillgraten hin. Nun nützt Josef Schett, dessen Parteistellung durch die Wasserrechtsbehörde im laufenden Verfahren aufgehoben wurde, die Mittel des Landtags. Der Vorwärts-Landtagsklub, vertreten durch Schett, Hans Lindenberger und Maria Zwölfer beantragt eine energie- wie betriebswirtschaftliche Überprüfung des Kleinwasserkraftprojekts der Gemeinde Innervillgraten durch unabhängige Gutachter. Als Alternative zu dem in Frage gestellten Kleinkraftwerk solle die Landesregierung die Möglichkeit eines von den Gemeinden Inner- und Außervillgraten gemeinsam zu betreibenden Kraftwerks am Winkeltalbach prüfen.

In neun Punkten listen die Vorwärtsabgeordneten ihre Bedenken gegen das Projekt auf. Als Grundlage dienen ihnen Gutachten der Firma e3 consult. Unter anderem monieren Schett & Co., in den Projektunterlagen der Planer Steinbacher und Steinbacher ZT GmbH werde von zu niedrigen Betriebskosten ausgegangen, sowie Rahmenbedingungen wie Zinsniveau und Ökostromvergütung erschienen in einem unrealistischen Licht. Außerdem habe die Gemeinde Innervillgraten keinen finanziellen Spielraum, da sie von Bedarfszuweisungen lebe.

Gutachter Jürgen Neubarth sagt:“ Mit den Projektunterlagen, die an mancher Stelle fehlerhaft sind, lässt sich für Ausstehende kein befriedigendes Bild zur Risikoabwägung machen. Gemeinden müssen sich auf die Gutachter und Projektersteller verlassen können. Deswegen schlage ich vor, dass sich ein unabhängiger Sachverständiger, der schon mehrfach selbst solche Anlagen erstellt hat, mit dem Projekt beschäftigt.“

Der Innervillgratener Bürgermeister Josef Lusser sieht die Sache naturgemäß anders und verweist gegenüber dem ORF-Tirol darauf, dass alle Beschlüsse zum Bau vor Weihnachten gefällt worden seien und die Finanzierung des rund sieben Millionen Euro teuren Projektes am 27. Jänner beschlossen werde.

Zum Download:

Gutachten Wirtschaftlichkeit_KW Innervillgraten

Antrag-Wasserkraft-Vorwaerts

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4 Postings bisher
Thomas Haidenberger vor 3 Jahren

Er muss ja nach wie vor recht laut „husten“, der Floh, den ein ehemaliger Tiroler Energie-Landesrat so manchem „seiner“ Bürgermeister ins Ohr gesetzt hat, als er den Gemeindechefs vor Jahren und unter damals noch völlig anderen Rahmenbedingungen den Bau von Wasserkraftwerken als „Goldgrube für die Gemeindekasse“ schmackhaft gemacht hat.- Ganz im Sinn des Tiroler Landesenergieversorgers übrigens, denn mit der Befürwortung der Wasserkraftnutzung im Kleinen ist ganz unbemerkt auch die Akzeptanz für keineswegs ökologische Großprojekte einhergegangen, wie jüngste Umfragen bestätigen. Dass diese Akzeptanz mit vielen Euro – Millionen teuren Medienkampagnen gekauft wurde, steht auf einem anderen Blatt und ist in den Bilanzen der TIWAG über die vergangenen Jahre bei den Werbeausgaben nachzulesen.

Der Rest des Problems liegt in der menschlichen Psyche: Was "mensch" oft genug gehört hat, wird irgendwann zur „Wahrheit“, besonders wenn es oft unwidersprochen bleibt, weil die "andere Wahrheit" nicht mit Millionenaufwand unter die Leute gebracht werden kann. Da bleibt unbemerkt, dass derartige Anlagen an Hochgebirgsbächen nie einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten werden können: Viel Produktion (bei schlechten Preisen) im Sommer, wenig im Winter, wenn der Bedarf am größten ist. Da macht es auch nichts, dass selbst die langfristige Wirtschaftlichkeit nur dann jemals gegeben sein könnte, wenn in allen Bereichen die günstigsten Annahmen eintreten und alle variablen Entwicklungen optimal sind, weil sonst dieses finanzielle „Abenteurer“, etwas anderes ist es nicht, durchaus auch ohne „Happy End“ über die Bühne gehen kann.

Aber woher soll das der Floh im Ohr alles wissen? Wenn der die letzten Jahre dort verbracht hat, kann es das ja schwer mitbekommen haben.

p.s.: Gibt es eigentlich in Tirol nicht seit einiger Zeit ein gesetzliches Spekulationsverbot für Gemeinden ?

Detektor vor 3 Jahren

@Zuschauer

"Geld kosten" - und zwar Millionen - würde auf alle Fälle ein Kraftwerksbau; und da ist die Frage mehr als berechtigt, ob das aufgeliehene Geld je wieder heinkommt; ein rechtzeitiges Hinsehen kann eher viel Geld ersparen.

Wer aber so überzeugt ist vom großen Geschäft mit den abgeleiteten Bächen, der kann sich ja daran beteiligen;die Gemeinde verkauft Anteilscheine. Also los, nicht nur zuschauen, sondern her mit dem Geld - dann braucht die Gemeinde nicht so viel aufzuleihen!

Zuschauer vor 3 Jahren

Oh mann o mann!!! Kann der Mensch nicht einmal aufhören Unruhe zu stiften und der Gemeinde IV Geld zu kosten?

Sinnlos sinnlos sinnlos

beobachter52 vor 3 Jahren

Gutachter Neubarth sagte im ORF-Radio ua., er stütze sich in seiner Stellungnahme auf verschiedene Berichte in der Presse! Ein kompetenter Sachverständiger .....