Die Farbe der Bermudas: 50 Shades of Pink!

Auf dieser Insel siehst du das Leben wie durch die rosarote Brille.

Der Alltag ist grau, sagt man oft, nicht so in Bermuda, hier ist er sehr bunt, vielmehr pink, um genau zu sein. Und das in allen Schattierungen, von Schweinchenrosa über Lachsrot bis Altrosa. Ich konnte ja nie viel mit diesen Farben anfangen, als Kind nicht wirklich und als Teenager schon gar nicht. In dieser Zeit war für mich als verkappte Rocker-Metal-Grufti-Mischung die Farbe Schwarz ohnehin das einzig Wahre. (Ich bin mir bewusst, dass Schwarz keine Farbe ist, aber das tut hier nichts zur Sache).

Etwas abgekommen von Schwarz bin ich dann zu Studienzeiten, als mir klar wurde, dass es Outdoor-Bekleidung ganz selten ausschliesslich in Schwarz gibt, damals zumindest. Und wirklich praktisch ist es nicht, bei schweißtreibender Feldarbeit unter erbarmungsloser Sonne in Schwarz gehüllt dahinzuschmelzen. So haben sich dann auch notgedrungen ein paar Farben in meinen Kleiderschrank geschlichen, Blau, Beige, Rot… aber Pink oder Rosa waren definitiv nicht dabei.

Meine Abneigung gegen Pink sollte noch auf eine harte Probe gestellt werden, und zwar als es uns nach Bermuda verschlug. Hier schien irgendwie plötzlich alles pink zu sein. Schon beim Verlassen des Flugzeugs begrüßt dich das Flughafengebäude in dezentem Pfirsichrosa mit knallig pinken Bermuda Shorts. Das Hotel in dem wir abstiegen: altrosa, innen wie außen und das in viktorianischem Stil – naja, Geschmackssache. Wie sich während unserer Erkundungstrips auf der Insel allerdings herausstellte, war „unser“ Hotel beileibe nicht das einzige in diesem Farbton.

Die öffentlichen Busse– und von denen gibt es eine ganze Menge – präsentieren sich alle in Schweinchenrosa. Die Bushaltestellen sind, falls zusätzlich weder Bank noch Unterstand vorhanden sind, nur an einem grellpinken, im Scheinwerferlicht reflektierenden Pfosten zu erkennen. Fairerweise muss dazu gesagt werden, dass nur die Pfosten, die in Richtung Hauptstadt führen rosa sind, die von der Hauptstadt wegführen sind azurblau.

Auf den von rosaroten Oleanderbüschen gesäumten Straßen schlängeln sich Motorräder in metallic-rose und sogar einige Taxis in sattem „Zuckerlerosa“. Von den bunten pastellfarbenen Häusern scheinen auch die meisten irgendwelche Rosanuancen zu bevorzugen. Die Menschen tummeln sich in rosaroten Shirts, Hemden, Hosen und Strümpfen – und nicht nur die weiblichen Artgenossen (aber das Thema hatten wir bereits).

Unzählige Hibiskussträucher und Bougainvilleas in allen erdenklichen Rosatönen blühen in den Vorgärten und bilden blickdichte Hecken und dann ist da ja noch der allgegenwärtige Sand. Bermudas Strände sind voll davon (unser Wohnzimmerteppich und unser Auto übrigens auch ;-)) Anderswo ist der Sand weiß, gelblich, rostrot, grünlich oder schwarz , hier – wie könnte es anders sein, selbstverständlich rosa. Dafür gibt es allerdings eine ganz natürliche Erklärung.

Bermudas Sand verdankt seinen Rosastich winzig kleinen, einzelligen Meeresbewohnern, den sogenannten roten Foraminiferen der Art Homotrema rubrum, die am Meeresboden leben und ein Außenskelett aus Kalk bilden. In unserem Falle sind in die Schale eingelagerte Eisensalze für die grellpinke bis knallrote Farbgebung der kleinen „Tierchen“ verantwortlich. Diese zählen aber weder zur Tier- noch zur Pflanzenwelt, sondern gehören in den separaten sogenannten Stamm der Protista. Doch bevor hier die Biologin in mir mit mir durchgeht – langer Rede kurzer Sinn: Die roten Schalen mischen sich nach Absterben der Einzeller unter die vorwiegend weißen, durch die Meeresströmung zu Sand zermahlenen Überreste aus Korallen, Muscheln, Schnecken, Gestein etc… und tauchen Bermudas Strände in zartes Rosa, was ihnen ihr unverwechselbares Aussehen verleiht. Nach genauerer Betrachtung all dessen bin ich zu dem persönlichen Schluss gekommen, dass gerade der rosarote Sand höchstwahrscheinlich Schuld ist an der inselweiten Vorliebe für Pink.

Doch nun vom Strand wieder zurück zu meinem Kleiderschrank: Nachdem sich meine Augen nach einiger Zeit auf der Insel langsam an das allgegenwärtige Rosa gewöhnt hatten, hielt die einst verhasste Farbe auch in meinen Kasten Einzug. Als ich dann schwanger war, sah ich sowieso aus wie ein Osterei und da passte die Farbe perfekt zu meinem Erscheinungsbild.

Mittlerweile habe ich auch eine kleine Tochter, die seit Eintritt in die Spielgruppe, wahrscheinlich infiziert durch die anderen Altersgenossinnen, ihre pinke Phase durchlebt (ob die wohl jemals wieder aufhört?) und somit ist unser Alltag jedenfalls noch bunter geworden als zuvor, ganz sicher aber noch pinker.

Fotos: Petra Heinz-Prugger

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