Wintersport in Bermuda: Mountainbiken

Auf der Atlantikinsel endet gerade die Mountainbike-Saison.

Während mein Papa zuhause in Lienz schon in den Startlöchern scharrt, um nach der geliebten Schi(touren)-Saison endlich wieder auf seinen Drahtesel steigen zu können und die Osttiroler Berge zu bezwingen, ging hier auf den Bermudas am vergangenen Wochenende die Mountainbike-Saison zu Ende. Als ausgewiesener Wintersport werden auf der Atlantikinsel nur von November bis März verschiedene Mountainbike-Veranstaltungen abgehalten.

Bergradeln auf einer Insel wie Bermuda, werden sich nun einige fragen, ist das nicht ein Widerspruch? Naja, der Gedanke ist nicht ganz abwegig. Die Inselgruppe ist zwar recht hügelig und auch das Autofahren erinnert manchmal mit etwas Fantasie ans Bergfahren auf engen Sträßchen, aber letztendlich sind es eben doch nur kleine Hügel, die die Insel aufzuweisen hat.

Ich lästere ja schon immer mit Vorliebe über die zugegebenermaßen schöne Ecke Sachsens, aus der mein Göttergatte kommt, dem sogenannten Erzgebirge. Dort von einem Gebirge zu reden, entlockt mir arroganter Alpenziege allerdings regelmäßig ein schiefes Lächeln (obwohl mein aus dem – wie ich es nenne – Hügelland stammender Mann schon auf viel höheren und anspruchsvolleren Bergen unterwegs war als ich, aber das muss man ja nicht erwähnen).

Hier auf der Insel kann man von Bergen nun gar nicht reden, bestenfalls träumen, ist die höchste Erhebung ja gerade mal 83m über dem Meeresspiegel. Auch sonst hat man das azurblaue Nullniveau fast überall vor Augen. Aus Ermangelung des passenden Wortes für den Sport wie etwa „Hillbiking“ wird aber eben auch hier von Mountainbiken gesprochen.

Der hiesige Radsportverein ist jedoch sehr engagiert und lässt sich so manches einfallen, um die jungen und junggebliebenen Radsportbegeisterten bei Laune zu halten. So wurden beim letzten Rennen der Saison die und der nationale Mountainbike-Champion gekürt (wie man an den Trophäen erkennen kann).

Man darf sich natürlich keine langen rasanten Abfahrten erwarten wie etwa vom Hochstein über die Schipiste talwärts, aber auf den kleinen Wegen in verschiedenen Parks geht es im Dickicht der subtropischen Pflanzenwelt auch ganz ordentlich zur Sache. „Auf und nieder – alleweil wieder“ wie wir sagen… Kleine Brackwassertümpel, alte Steintreppen, Holzplanken, Wurzelwerk und Felsvorsprünge sorgen für die nötige Spannung auf den Trails.

Mir als Nicht-Mountainbikerin, aber umso erfahreneren Zuschauerin waren einige der Passagen sogar zu Fuß etwas zu verwegen (zu meiner Verteidigung: ich hatte unangemessenes Schuhwerk, einen Rucksack und eine Vierjährige auf dem Arm), so blieben mir die anfänglich abfälligen Bemerkungen dann doch im Halse stecken.

Ins Schwitzen kommt man bei der Herumkurverei in den bermudianischen Hügeln allemal. Das ist mitunter sicher auch ein Grund, warum hier nur im Winter Mountainbike gefahren wird. Im Sommer wird hingegen das Rennrad für diverse Straßenrennen aus dem Schuppen geholt, denn die höheren Geschwindigkeiten und die damit verbundene Brise lassen einen die sommerlichen Temperaturen leichter ertragen.

Als ich noch mit dem Fahrrad ins Büro geradelt bin, war der Fahrtwind immer mein bester Freund, das pflichtbewusste Stehenbleiben an Stoppschildern und Ampeln hingegen äußerst unangenehm, denn die schwüle Sommerluft packt einen dann wie beim Eintreten in eine Saunakabine.

Fotos: Petra Heinz-Prugger

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