Genetische Untersuchung der Tamariske in (Ost-)Tirol

Schweizer Forschungsinstitut bestätigt genetische Vielfalt und Metapopulation.

Bereits im November 2014 schloss die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL unter Leitung der beiden Forscher Andrea Wiedmer und Christoph Scheidegger das von der Tiroler Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten zur Tamariske in TIrol und Kärnten ab. War diese Studie ursprünglich vehement gefordert worden, wurde nach ihrer Veröffentlichung wenig darüber diskutiert. Die Landesregierung stellte die Studie schließlich als Gesamtstudie und in einer Zusammenfassung online. Das Netzwerk Wasser Osttirol betont nun in einer Aussendung, dass das Studienergebnis seine Meinung bestätige.

Osttiroler Tamarisken-Vorkommen müssen in das europäische Naturschutznetzwerk Natura 2000 eingebunden werden, erklären Umweltverbände und unterstreichen damit ihr klares NEIN zu aktuellen Kraftwerksplänen in Matrei und Virgen. (Foto: Retter)
Das Schweizer Gutachten zeigt die historischen Wege der Tamariske entlang der Isel und ihren Zubringern. Foto: Wolfgang Retter

Untersucht wurden die Vorkommen der Deutschen Tamariske an den Flüssen Lech, Drau und Isel sowie den Zubringerflüssen. Die Forscher stellten dabei eindeutig verschiedene Genpools an den Flüssen fest, welche im Falle von Lech und Isel „vermutlich nach der letzten Eiszeit den Alpenraum aus zwei geographisch getrennten Refugien wiederbesiedelt haben. Wir vermuten, dass die Vorkommen am Lech aus einem Refugium nördlich der Alpen, die Vorkommen an der Isel aus einem solchen der zentralen oder südlichen Alpen in die entsprechenden Flusstäler eingewandert sind.“ Somit dürfte der Verdacht, die Tamariske sei erst kürzlich angesiedelt worden, vom Tisch sein. Die Population entlang der Drau könnte hingegen tatsächlich wesentlich jünger sein und teilweise mit einer Wiederansiedlung in Kärnten in den Jahren 2000 bis 2003 in Zusammenhang stehen.

Für die Verteidiger der Tamariske entlang der Isel dürften auch die weiteren Untersuchungsergebnisse erfreulich sein, erweisen sich die Vorkommen an der Isel und ihren Seitenzubringern laut Schweizer Gutachten doch „als eine Metapopulation mit genetisch deutlich unterscheidbaren lokalen Populationen.“ Der hohe Grad an genetischer Differenzierung weise „auf eine funktionierende Metapopulation hin, welche mit hoher Resilienz auf die häufig wiederkehrenden Hochwasserereignisse im Einzugsgebiet der Isel reagieren kann.“ Besonders hervorgehoben wird im Gutachten der Kalserbach, wo drei Vorkommen mit ähnlicher genetischer Zusammensetzung gefunden wurden, „was auf eine gute historische Vernetzung im mittleren Abschnitt des Fließgewässers schliessen lässt. Der historische Genfluss kann im Einzugsgebiet des Kalserbachs als sehr hoch angesehen werden.“

Gegen Ende des Gutachtens verweisen die Forscher noch auf die wichtige Ökoleistung der Pflanzenpopulation. So fördere die Tamariske unter anderem die Stabilisierung von Kiesbänken. Die Studie schließt mit den Worten: „Damit die Metapopulation ihre Ökosystemleistungen erbringen und ihre genetische Diversität langfristig erhalten kann, ist deshalb die Erhaltung sowohl kleiner, ökologisch stabiler Vorkommen im Quellgebiet der Isel und ihrer Seitenzubringer, wie auch großer Vorkommen an tiefer liegenden Flussabschnitten von großer Bedeutung. Im Untersuchungsgebiet haben wir keine redundanten Vorkommen identifizieren können, die in der Metapopulation ohne Funktion sind.“ Das Netzwerk Wasser Osttirol erwartet sich nun „eine faire Diskussion“ und positive Wege für die Isel als „ökologisches Juwel“.

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3 Postings bisher
spitzeFeder vor 2 Jahren

Solange man nicht weiß, welcher Studie man trauen darf (und ich schließe mich da keineswegs aus), wird die Verunsicherung auf beiden Seiten (bewusst?!?) gefördert. Leider. Köll, Ruggenthaler und Steiner sind keinen Deut besser als Felipe, beide spielen mit Karten, die nur ihre Klientel bedienen. Schade.

chiller336 vor 2 Jahren

bei aller objektivität des artikels wage ich es nun doch, das wissen bzw können unserer eigenen - österreichischen - biologen in frage zu stellen .... wenn ich hier lese, dass ein schweizer forschungsinstitut diese untersuchungen führen muß und dadurch vermutlich unmengen an geld dafür ins ausland fliessen. by the way: jetzt wo ich ein bild der tamariske sehe, kann ich mich noch erinnern, daß ich vor vielen jahren als kind am ufer der isel genau solche stauden ausgerissen habe im vorbeigehen - wie das halt kinder so machen .... ich hoffe, daß ich dadurch nicht zum geächteten werde und den grünen und anderen befürwortern ihr orange nicht mit meinem schwarzen klecks verpatzt habe :-)

Erich vor 2 Jahren

Fachliche Argumente zu Natura 2000

Ein hochinteressantes und aussagekräftiges Ergebnis - genau jene wissenschaftlich-fachlichen Argumente, welche Grundlage für die Ausweisung der Isel und ihrer Zuflüsse sein müssen ....