Neue Kolumne: Saludos desde Bolivia!

Die Humanökologin Sarah Kollnig wird uns ein Jahr lang Grüße aus Bolivien senden.

Dolomitenstadt hat immer wieder Kolumnen von Osttirolerinnen und Osttirolern, die eine Zeit lang im Ausland leben. Anja Kofler ist inzwischen wieder in Lienz, Petra Heinz-Prugger schickt ihre „Bermuda Shorts“ und dann haben wir natürlich die „waterkantigen“ Gedanken von Markus Kiniger aus Hamburg. Aus Wien schickt uns Linda Steiner ihre Heimweh-Portraits und Klara Fuchs‘ Sportlerherz pocht ebenfalls regelmäßig. Neu hinzu kommt nun eine Osttirolerin, die in Schweden studiert und derzeit in Bolivien lebt und forscht: Sarah Kollnig. Im Juni schrieb sie uns einen Leserbrief zu den Vordenkern. So wurden wir auf sie aufmerksam, kamen ins Gespräch und luden sie schließlich ein, regelmäßig ihre „Saludos“ (Grüße) aus Bolivien zu schicken. Vorher möchten wir Sarah Kollnig vorstellen:

Sarah Kollnig, im HIntergrund die bolivianische Stadt Cochabamba, die für eine Jahr lang ihren Lebensmittelpunkt darstellen wird. Foto: privat
Sarah Kollnig, im Hintergrund die bolivianische Stadt Cochabamba, die für ein Jahr lang ihren Lebensmittelpunkt darstellen wird. Fotos: privat

Du schreibst deine Doktorarbeit im Fach Humanökologie. Was ist das genau?

Die Humanökologie beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt in verschiedenen Kulturen. An der Universität in Lund in Schweden beschäftigen wir uns mit der Notwendigkeit eines kulturellen Wandels hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft.

Welchen Beruf wirst du nach Abschluss deiner Dissertation haben?

Prinzipiell wäre das eine akademische Karriere. Ich könnte also weiterhin als Forschende und Lehrende an einer Universität tätig sein. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich mich darauf konzentrieren will. Es scheint mir wichtiger, konkrete Taten zu setzen. Daher möchte ich eher eine eigene Organisation gründen, die an Ökologieprojekten in Bolivien arbeitet.

Wie bist du zu diesem Schwerpunkt gekommen?

Ich habe mich schon immer für die Umweltproblematik interessiert. Nach der Matura studierte ich Energie- und Umweltmanagement und schloss mit einem Bachelor der Ingenieurwissenschaften ab. Im Laufe der Zeit habe ich mich immer mehr für die sozialen und politischen Aspekte von Umweltproblemen interessiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich an der Universität Lund in ein internationales Masterprogramm der Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften aufgenommen. Dort lernte ich, sehr viel kritischer über ökologische und soziale Probleme nachzudenken. Nach dem Masterabschluss arbeitete ich einige Jahre und dann wurde mir die Stelle in Lund angeboten.

Derzeit verbringst du ein Jahr zum Forschen in Bolivien. Was machst du dort genau?

Ich erforsche das Ernährungssystem in der Stadt Cochabamba. Ich lebe mich in den bolivianischen Alltag ein und ziehe für meine Analyse Schlüsse aus meinen Beobachtungen. Außerdem führe ich Interviews mit einer breiten Palette an Personen, vom Supermarktmanager bis zur Hausfrau.

Warum ausgerechnet Bolivien?

Ich kam 2010 zum ersten Mal nach Bolivien, als Volontärin. Den bolivianischen Kontext finde ich spannend, weil Bolivien eine sehr geteilte Gesellschaft ist und es große Unterschiede und Spannungen zwischen der indigenen und der europäisch beeinflussten Kultur gibt. Das Land ist geographisch und kulturell sehr vielfältig und befindet sich mit Evo Morales, dem ersten indigenen Präsidenten Boliviens, in einem interessanten Prozess. In dem „Wandel“, den Morales verspricht, geht es um eine Aufwertung und Wiederentdeckung der indigenen Wurzeln Boliviens.
Ich habe allerdings auch private Gründe, immer wieder nach Bolivien zurückzukehren, denn schon längere Zeit habe ich einen bolivianischen Freund und natürlich ist es perfekt, wenn ich Arbeit und Privatleben verbinden kann.

Dein Spezialgebiet ist das bolivianische Ernährungssystem. Was sind typische bolivianische Speisen?

In Bolivien wird sehr viel Fleisch gegessen. Täglich sind entweder Hühner- oder Rindfleisch auf dem Speisezettel. Die Mittel- und Oberschicht isst sehr deftig. In den traditionellen Gerichten werden die Zutaten übereinander getürmt – die Basis sind Kartoffeln, Reis oder Nudeln, dann folgt ein großes Stück Fleisch und dann ein bisschen Gemüse. Oft werden auch Kartoffeln, Reis und Nudeln gemischt serviert.

Sarah Kollnig mit ihrer "Großfamilie" vor ihrem Haus in Cochabamba.
Sarah Kollnig mit ihrer „Großfamilie“ vor ihrem Haus in Cochabamba.

Wir freuen uns auf die „Saludos desde Bolivia!“

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2 Postings bisher
griasde vor 2 Jahren

Danke für die interessante Kolumne!

Sophie vor 2 Jahren

Liebe Sarah, vielen Dank! Ich freue mich schon auf die Berichte! Liebe Grüße und alles Gute aus Gödnach!