Bürgerinitiative in St. Jakob: ein anderes Gesicht

Facebook-Kampagne zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen im Ort gestartet.

Während noch vor Kurzem die Ohnmacht im Umgang mit Flüchtlingen dominierte, zeigt sich seit August eine ständig zunehmende Bereitschaft der österreichischen Bevölkerung, selbst tätig zu werden und Hilfe zu leisten. Letzte Woche mahnte Dolomitenstadt den Mut der Osttiroler Bürgermeister ein und befragte einige von ihnen, darunter auch den Bürgermeister von St. Jakob, Gerald Hauser, wie sie mit der Situation umgehen und ob sie einschätzen können, wie die Bewohner der eigenen Gemeinde denken.

Während Hauser die „fiktive Diskussion“ ablehnte, hat sich am 31. August auf Facebook die „St. Jakober Bürgerinitiative zur unmittelbaren und freiwilligen Aufnahme von Kriegsflüchtlingen“ gebildet – und diese zeigt ein ganz anderes Antlitz des Ortes, etwa wenn es heißt: „Wir wollen nun gemeinsam einen Weg vorleben, wie wir ohne Vorurteile und ohne Missgunst direkt und unmittelbar helfen können. Deshalb möchte die St. Jakober Bürgerinitiative gemeinsam ein Konzept entwickeln, wie wir Flüchtlingen den Start in ein neues und sicheres Leben menschenwürdig und herzlich gestalten können.“

Die Bürgerinitiative will mit Diskussion beginnen und den Worten Taten folgen lassen.
Die Bürgerinitiative will mit Diskussion beginnen und den Worten Taten folgen lassen.

Dass Umsicht geboten ist, wissen die Initiatoren und betonen, niemanden vor den Kopf stoßen und „mit unrealistischen Forderungen noch mehr verunsichern“ zu wollen. Ziel sei der gemeinsame Dialog, um eine für alle umsetzbare Lösung zu finden. So wird einerseits Mut – auch von den bald zur Wahl stehenden Bürgermeisterkandidaten – gefordert und andererseits auch Heikleres bewusst angesprochen: „Da man als freiwilliger Flüchtlingsaufnehmer in der dankbaren Situation ist, die Personen auswählen zu dürfen, gilt es eine Strategie zu entwickeln, in welcher Form man die geeigneten Familien für unser Dorf findet.“ Auf die Weise hofft die Initiative auf bestmögliche Integration. Hier werden auch die Chancen gesehen: das eine oder andere neue Fußballtalent und „Junge Familien mit Kindern wären eine wirkliche Bereicherung für unseren Ort!“ – und nicht zuletzt ein positives Image.

Dass die Initiative zuerst lediglich eine Diskussion bedeutet, ist allen bewusst. Die Reaktionen sind positiv, die Likes vermehren sich rasch. Es ist ein Beginn.

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7 Postings bisher
tauernwind vor 2 Jahren

@Macki: Das Durchgriffsrecht wird aber wohl kaum in jede Gemeinde Flüchtlinge bringen und dann gilt halt wieder wie so oft das Floriani-Prinzip und somit ist stillstand.....

Ich meine damit, daß die Gemeinden (die noch 0 haben) als Eigeninitiative Flüchtlinge aufnehmen sollten unabhängig von Länderquoten.

Macki vor 2 Jahren

@Tauernwind: bemüh deinen Taschenrechner. deine Forderung liegt unter den 1,5% des Durchgriffsrechts der Bundesregierung und wer es durchrechnet erkennt dass dise Quote heuer erfüllt sein wird. Die Aufstockung auf 3% wird im Frühjahr 2016 kommen.

@St.Jakob: Warum wählens dann den FPÖler als Bgm, wenns so weltoffen und ausländerfreundlich sind?

Gertrude vor 2 Jahren

Flüchtlinge aufzunehmen, sollte eigentlich ein Gebot der Stunde sein, egal in welcher osttiroler Gemeinde. Dass es dafür einer Bürgerinitiative bedarf, ist traurig genug.

Nur die Bemerkung, sich die "passenden Flüchtlinge" aussuchen zu wollen, finde ich nicht in Ordnung. Wenn man schon sein großes Herz öffentlich zeigen möchte, sollte doch jeder Flüchtling gleich willkommen sein.

fb vor 2 Jahren

Es ist löblich, dass es Initiativen gibt. Aber - wenn soviele Orte, in Tälern Aufnahme bieten, wie ist dann die Betreuung? Wenn für jeden Amtsweg, und da werden wohl einige notwendig sein, der Bus nach Lienz zu zahlen ist, wie sieht es damit aus?

Wie sieht das Team der Angerburg, die haben ja lange Erfahrung, was Asylverfahren bedeutet, eine so dezentrale Unterbringung?

Der Einwand betrifft jetzt nur das Formale, ansonsten glaube ich dass es Flüchtlinge in Dörfern leichter haben, Kontakt und etwas Miteinander zu finden.

tauernwind vor 2 Jahren

Jede Initiative die den Flüchtlingen hilft ist zu begrüßen, eine Quote 1 Flüchtling auf 100 Gemeindebewohner wäre lt. meiner Meinung locker tragbar für jede Gemeinde in Österreich.

Jedoch eine Bürgerinitiative bzw. Diskussion über Facebook sehe ich auch etwas kritisch, daß grenzt alle aus die kein Internet bzw. keinen Facbookaccount haben dafür holt es zig Andere die "I Like" abgeben die aber nicht in St. Jakob wohnen - das verfälscht das Bild der eigentlichen Bürger.

Aber bei der Flüchtlingshilfe ist es wie bei der ersten Hilfe, daß einzige was man falsch machen kann ist nichts zu tun, also Daumen hoch.

peter1 vor 2 Jahren

Also ich freu mich das die St. Jakober bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen.Da sieht man wie aufgeschlossen die Leute, gegenüber Flüchtlingen in den Tälern sind. Toll

Zuckerpuppe vor 2 Jahren

Tolle Menschen - super Sache!! hoffentlich gelingt es euch! Meine Hochachtung den St. Jakobern. Vielleicht macht dieses Beispiel Schule.