Innsbrucker Agentur gestaltet Stadt-Website

Nordtiroler Firma erhält den Zuschuss. Liste Stadt Lienz fordert mehr Bürgerbeteiligung.

Anfang des Jahres 2016 soll es endlich soweit sein, die weit überalterte und wenig übersichtliche Website der Stadt Lienz bekommt ein neues Gesicht – und voraussichtlich einiges mehr. Bei der Ausschreibung reichten neun Firmen ein, eine davon um eine halbe Stunde zu spät, doch wurde das Anbot noch akzeptiert. Wie geplant, prüfte die Firma Agindo die Einreichungen und sortierte sechs aus formalen Gründen gleich vorweg aus. So verblieben drei Projektwerber, die zu einer Vorstellung ihrer Ideen in den Stadtrat vom 31. August 2015 eingeladen wurden. Sie mussten beweisen, dass die technischen Anforderungen erfüllt werden, das Design ansprechend und passend ist und das vorgelegte Konzept auch der Umsetzung standhält.

Von Beginn an war klar, dass nach dem Bestbieterprinzip entschieden würde. Es wurden Punkte nach folgenden Kriterien verteilt: 60% für den Preis, 30% für die Lieferzeit und 10% für die angebotene technische Unterstützung. Über diese Punktevergabe zeigte sich der große Unterschied: der Preis. So erhielt die Firma ICC 100 Punkte, die nächstgereihte Firma, ein Osttiroler Unternehmen, erhielt 82 Punkte und landete damit auf Platz zwei. Auf den dritten Platz kam mit 69 Punkten eine weitere Nordtiroler Agentur.

Der Gemeinderat stimmt der Auftragsvergabe an die Firma ICC einstimmig zu.
Der Gemeinderat diskutierte nicht lange, sondern stimmte der Auftragsvergabe an die Firma ICC einstimmig zu.

Dass ICC der klare Sieger wurde, lag – wie im Gemeinderat mehrfach betont wurde – vor allem am unschlagbaren Preis. Der kleine Haken dabei: Die Werebagentur läuft zwar unter Osttiroler Beteiligung, ist allerdings in Innsbruck angesiedelt. Stadtrat Christian Zanon gab in der Gemeinderatssitzung vom 8. September zu bedenken, dass man nicht nur den genannten Preis von 31.995 Euro netto rechnen dürfe, sondern auch die Arbeitsplätze und andere soziale Gegebenheiten. Er wünsche sich daher, dass in Zukunft auch Osttiroler Unternehmen bei einer Ausschreibung berücksichtigt würden. Bürgermeisterin Blanik stimmte zu, gab aber zu bedenken, dass man Ausschreibungskriterien einzuhalten habe und in dem Fall der Preis „unschlagbar“ gewesen sei. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das kolportierte Honorar der Firma Agindo für ihre Beratung und Prozessbegleitung. Dieses soll bei circa 14.000 Euro liegen.

Gegen Ende der Gemeinderatssitzung wurde von Gemeinderat Uwe Ladstädter ein Antrag eingebracht, der in engem Zusammenhang mit der Neugestaltung der Stadt-Website steht. Er fordert: „Der Gemeinderat der Stadt Lienz möge beschließen, dass sich das Zentralamt und/oder eine Arbeitsgruppe mit der Einführung einer Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung nach Modell der Stadt Graz befassen.“ In seiner Erklärung sagte Ladstädter, dass die Website eine gute Gelegenheit dafür biete und dort Platz geschaffen werden solle, damit die Bürger der Stadt nicht nur ein Email versenden und auf Antwort warten müssen, sondern wirklich gehört werden. Man müsse dafür „ein für uns passendes Modell“ finden. Der Gemeinderat diskutierte diesen Antrag sehr kurz und weil es beim Thema Bürgerbeteiligung weder große Begeisterung noch etwas gab, wogegen man sein konnte, wurde er dem Stadtrat zugewiesen.

Uwe Ladstätter wünscht sich mehr Bürgerbeteiligung und sieht in der neuen Stadt-Website eine Chance für direkte Demokratie. Foto: Martin Lugger
Uwe Ladstädter wünscht sich mehr Bürgerbeteiligung und sieht in der neuen Stadt-Website eine Chance für direkte Demokratie. Foto: Martin Lugger
Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

4 Postings bisher
senf vor 2 Jahren

micado@ osttiroler tabus brechen? ihr traut euch was! wer sich in der printbranche ein weig auskennt, der weiss, dass der tvb osttirol sämtliche druckwerke in wien machen läßt. flyer, folder, broschüren, preislisten, kataloge ... das geht jährlich bereits in die hunderttausende und unsere unternehmen warten vergebens auf einladungen zur offertabgabe. dafür sponsert das wiener unternehmen osttiroler radveranstaltungen, wie man heuer auf transparenten im zieleinlauf gesehen hat. hm! bitte kein kommntar dazu, nehmt es einfach hin, denn ändern wird sich nichts! .

emestos vor 2 Jahren

Gebe Micado.web und frin zu 100% Recht! Man könnte hier auch punktuell Zeichen setzen und gegen das Gejammere um Arbeitsplätze etc. Taten sprechen lassen.

micado.web vor 2 Jahren

Umsetzung neue Website TVB Osttirol: ICC, Innsbruck Umsetzung neue Website Defereggental: Agindo, Innsbruck Lastenheft Website Stadt Lienz: Agindo, Innsbruck Umsetzung neue Website Stadt Lienz: ICC, Innsbruck

Auftragsvolumen für o.g. Projekte: > € 100.000

Ob das der richtige Weg ist um heimische Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu erhalten...

Martin Ortner Micado Web-Agentur, Lienz.

frin vor 2 Jahren

Meiner Meinung nach Geldverschwendung, da für diese Größenordnung auch ein kleines Ein,- oder 2 Mann Unternehmen gereicht hätte. Das Problem dabei ist aber wohl das dann auch nur diese 2 Personen was verdienen und nicht zig Mitwurstler.

Ein weiteres Problem ist wohl, dass viele in diesem Bereich keine Vorstellung haben was es denn wirklich kostet und wie viel Zeit es wirklich dauert. Gerade Agenturen greifen auf ein großes Sortiment fertiger Bausteine zurück und tun so als ob es eine Neuentwicklung ist, ein Blick in den Quellcode und man stellt sehr häufig fest das da überhaupt nichts eigenes drin steckt, sondern lediglich etwas angepasst wurde. ICC wird wie bei fast allen anderen Projekten auf Typo setzen, ein System welches für den Laien häufig zu kompliziert ist, sodass hier zusätzliche Schulungen und zusätzliche Servicepauschalen anfallen werden. Das Projekt wird also nie selbst von der Stadt verwaltet werden können und jede Änderung wird natürlich mit weiteren Kosten über die Agentur laufen. Auch merkwürdig fand ich das keine neutrale Beraterfirma gewählt wurde, sondern eine die schon mit ICC zusammengearbeitet hat --> könnte man durchaus den Ball zuspielen nennen.