„Zu Künstlern machen uns andere.“

Galerie 9900 wird mit Reinhard Egger und Fredy Fuetsch zum Reich der „homeboys“.

Die Vernissage zur Ausstellung „homeboys“ kann als liebevoll und chaotisch in die Galeriegeschichte eingehen: Das Künstlergespräch verlief mit Widerspruch, Durcheinanderreden und gegenseitigem Unterbrechen, sehr wohl aber mit viel Respekt vor den Werken der ausstellenden Künstler. Stargast Jos Pirkner kam zu spät, doch vielleicht war auch das ein Akt der Anerkennung, denn Reinhard Egger und Fredy Fuetsch brauchen niemanden, der sie ankündigt.

Sie sprechen mit Leichtigkeit über das eigene Werk und dieses steht ohnehin für sich selbst, erzählt Geschichten, zieht das Publikum in seinen Bann und dringt dabei häufig tief ins Unbewusste hinein. Galeristin Christina Winkler-Darby wiederholte dementsprechend mehrmals, dass diese Bilder auch im internationalen Rahmen, etwa auf dem Londoner Kunstmarkt, bestehen könnten. Man würde den beiden wünschen, dass dies bald in Angriff genommen würde.

Galeristin Christina Winkler-Darby weiß Experimente zu schätzen. Fotos: Martin Lugger
Galeristin Christina Winkler-Darby: „Kann man nicht einfach sagen: Das ist wunderschön?“ Fotos: Martin Lugger

Dann wäre es allerdings mit den fast beschämend niedrigen Preisen für die Bilder vorbei. Umso mehr kann man derzeit die Ausstellung genießen. Nicht nur, dass Egger und Fuetsch einander seit vielen Jahren kennen, sie haben für diese Ausstellung auch einige Bilder gemeinsam gemalt. Christina Winkler-Darby weiß diese Experimente zu schätzen, sieht darin nicht nur Freundschaft, sondern auch die Spannung, die beim Arbeiten geherrscht haben muss und den Bildern außerordentliche Töne verleiht.

Als sie – selbstverständlich und zu Recht – von Kunst redet, widerspricht ihr Fredy Fuetsch, denn den Begriff „Künstler“, sagt er, mögen die beiden nicht so gerne. „Fast jeder ist heute ein Künstler“, fährt er fort, „Das Leben mit der Familie zu meistern, das ist Kunst. Die Leute machen uns zu Künstlern. Ich mache figurative Kunst, 40 bis 50 Werke im Jahr, mit mehreren Figuren. Wenn ich das nach all den Jahren noch nicht könnte, wäre das schlimm. Kunst ist, immer das Gleiche zu machen und sich doch nicht zu wiederholen.“

Die "Homeboys" Fredy Fuetsch und Vorname Egger.
Die „Homeboys“ Fredy Fuetsch und Reinhard Egger. Einige der Bilder haben sie gemeinsam gemalt.

Winkler-Darby sieht ihn ratlos an und meint schließlich in ihrer unnachahmlichen Art: „Kann man nicht einfach sagen: Das ist wunderschön?“ Das Publikum reagiert nach einer Schocksekunde fast erleichtert lachend und Reinhard Egger kommt zu Hilfe, indem er über die Arbeit an den Werken spricht: „Sehr viel ist Üben und die Beschäftigung im Kopf. Der letzte Impuls kommt aber aus dem Bauch.“ Schließlich verrät er auch, was durch einige seiner Bilder durchscheint: bemalte Emails, Krankenbefunde und Ausschnitte aus Klatschzeitungen. Manchmal mag man darin ein bekanntes Foto wiedererkennen.

In den Bildern dominieren Weiß, intensives Schwarz und kräftiges Blutrot. Es sind die schwarzen Striche, die Welten entstehen lassen, „Stories“, wie in einigen von Eggers Bildern steht. Fredy Fuetsch benennt seine Bilder ungern, er will nicht beeinflussen, was andere sehen. Auf die Frage, ob ihm denn egal sei, was sein Publikum sieht, ist die Antwort ein energisches „Natürlich!“.

Es habe ohnehin keinen Sinn, jemandem zu sagen, was ein Bild darstelle, denn wer etwas sehe, könne niemals umgestimmt werden. Dann erzählt er vom dreiseitigen Brief, den ihm einst ein Psychologe geschrieben habe, ein schön geschriebener Brief darüber, was er im Werk sehe und warum die Bilder dem Publikum nicht zumutbar seien. Was auch immer er gesehen haben mag, man kann auch anderes sehen: Vielleicht sind wirklich Geister in den Bildern, wie ein Galeriegast meint, denn auch das mag sichtbar sein. Die Bilder erzählen Geschichten, eben so viele, wie es Betrachter gibt. Und zweifellos sind die Gemälde neben allem Ausdruck auch noch schön – so unterhielten sich viele darüber, wohin sie die Bilder gerne hängen würden und Fredy Fuetsch meinte, das sei ihm das Wichtigste, dass sie hängen und nicht irgendwo verschwinden, denn dann solle man sie besser zurückgeben und austauschen.

Slideshow: Martin Lugger

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