Susanne Mair trainiert bereits wieder

Ein Interview mit der Osttiroler Läuferin über Gesundheit, Dankbarkeit und Motivation.

Susanne Mair ist eine fleißige und bekannte Sportlerin aus Bannberg. Die Silbermedaille bei der Berglauf Europameisterschaft und der Sieg des Vienna City Halbmarathons sind nur zwei ihrer vielen und großartigen Erfolge. Vor ein paar Wochen gab es leider einen harten Rückschlag in ihrer Karriere – sie wurde von hinten von einem Unimog überfahren und wachte erst im Krankenhaus Lienz wieder auf. Heute erzählt sie uns von ihrer Karriere als Läuferin und von ihrem langen und steinigen Weg zurück.

Susanne Mair trainiert schon wieder. Fotos: Brunner Images
Susanne Mair trainiert schon wieder. Fotos: Brunner Images

Susanne, wie bist du zum (Berg-)Laufen gekommen?
Eigentlich kam ich durch das Moutainbiken zum Laufen, denn dort startete ich meine ersten Rennen. Im Gymnasium bestritt ich erstmals die Schul-Crosslaufmeisterschaften, bei denen ich merkte, dass mir das Laufen eigentlich sehr gut liegt. Im gleichen Jahr startete ich dann einfach spontan bei den ÖM im Berglauf, wo ich überraschenderweise gleich den Juniorinnentitel erkämpfen konnte.

Zurzeit studiert Susanne Pharmazie in Innsbruck. Dort hat sie auch die Möglichkeit im Olympiazentrum zu trainieren. Als „schönsten Sportmoment“ nennt sie mir ihren Sieg beim internationalen Schlickeralmlauf, wo sie vor der Vizeweltmeisterin im Berglaufen, Lucy Wambui aus Kenia, ins Ziel einlaufen konnte. Susi beschreibt es als unglaubliches Gefühl, das sie sehr geprägt habe. Es war auch das letzte große Ereignis vor dem Unfall.

Susanne, möchtest du den Unfallhergang schildern?
Es war am Freitag vor der österreichischen Halbmarathon-Meisterschaft in Velden. Ich wollte nochmals einen kurzen Lauf machen, als Lernpause zwischen dem Lernen für das Studium. Meine Mama fuhr mich mit dem Auto nach Leisach, von wo ich auf meiner Lieblingsstrecke Richtung Hochstein startete. Von dort an kann ich mich jedoch an nichts mehr erinnern, bis zu dem Moment, als ich im Krankenhaus aufwachte. Ein Unimog des Baubezirksamtes Lienz fuhr mich in einer Kurve von hinten nieder.

Was hast du dir im Krankenhaus als Erstes gedacht?
Eigentlich realisierte ich die Situation erst nach ein bis zwei Tagen. Ich sah, wie schnell alles vorbei sein kann. Es war ein harter Schlag, denn wenn man in der Früh aus dem Haus geht, um zu trainieren, wer denkt sich da, dass plötzlich alles anders sein wird und man nicht einmal mehr in der Lage ist, aus dem Krankenbett aufzustehen?

Susanne Motto lautet: "Du hast zwei Möglichkeiten: Du kannst das Handtuch werfen oder dir den Schweiß aus dem Gesicht wischen."
Susannes Motto lautet: „Du hast zwei Möglichkeiten: Du kannst das Handtuch werfen oder dir den Schweiß aus dem Gesicht wischen.“

Du warst für vier Wochen im Rollstuhl, worüber hast du in dieser Zeit nachgedacht?
Es war sehr hart, denn man ist auf jeden Handgriff angewiesen. Auf diesem Weg möchte ich mich bei meinen Eltern besonders bedanken, die mich rundum pflegten, mir stets zur Seite standen und mich auch psychisch immer wieder aufbauten. Ich lernte, dass viele Dinge im Leben nicht selbstverständlich sind und dass Sport nicht das Wichtigste im Leben ist. Wir Menschen müssen lernen, uns über die kleinen Dinge im Leben zu freuen, wenn man gesund ist, ist alles selbstverständlich, aber sobald man einmal in einer solchen Situation wie im Rollstuhl war, lernt man die andere Seite des Lebens kennen.

Als Susanne noch im Rollstuhl saß, startete sie bereits ihr Training. Sie hielt ihren Oberkörper ein wenig auf Trab und sobald sie die Beine wieder belasten durfte, startete sie mit lockeren Radeinheiten auf der Rennradrolle. Mittlerweile kann sie im Olympiazentrum schon wieder normal trainieren und täglich stehen Läufe und Krafttraining auf dem Programm.

Ihre größte Motivation und ihr Motto lauten: „Du hast zwei Möglichkeiten: Du kannst das Handtuch werfen oder dir den Schweiß aus dem Gesicht wischen“, was auch ihre Stärke beweist. „Wenn man hinfällt, muss man immer wieder aufstehen,“ sagt Susanne.

Was sind deine Ziele für 2016?
Meine Gesundheit ist mir sehr wichtig und ich möchte wieder topfit an den Rennen teilnehmen können. Langfristig gesehen möchte ich mein Pharmaziestudium abschließen, an internationalen Berglaufmeisterschaften (EM/WM) teilnehmen und das größte Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Marathon. Doch das Wichtigste für mich sind die Gesundheit und der Spaß an der Bewegung.

Um an die Erfolge vor dem Unfall anschließen zu können, hat Susanne Mair viel Unterstützung erhalten – vor allem von ihren Eltern. Foto: privat
Um an die Erfolge vor dem Unfall anschließen zu können, hat Susanne Mair viel Unterstützung erhalten – vor allem von ihren Eltern. Foto: privat
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1 Posting bisher
schnuffi vor 2 Jahren

Hallo Susanne! Ich durfte Dich bei Deinem Genesungsprozess ein Stück lang begleiten und war von Deiner positiven Ausstrahlung begeistert. Ich bin als Hobbysportler aktiv und habe, trotz einiger Verletzungen, immer wieder zurückgefunden. Man muss dankbar sein wenn man gesund ist bzw. wird und wieder sportliche Leistungen erbringen kann. Ich wünsche Dir alles, alles Gute und viiiiiiiiel Spass beim Trainieren!! Du schaffst es! Drück Dir alle Daumen!!! 👍 😀 GLG