Präsentation des Tiroler Rassismus-Berichts 2015 durch die TIGRA-Vorstandsmitglieder. V.l.n.r.: Mandeep Lakhan, Sandra Altenberger und Christa Püspök. Foto: TIGRA

Präsentation des Tiroler Rassismus-Berichts 2015 durch die TIGRA-Vorstandsmitglieder. V.l.n.r.: Mandeep Lakhan, Sandra Altenberger und Christa Püspök. Foto: TIGRA

TIGRA zieht Bilanz: „Rassismus betrifft uns alle“

247 rassistische Vorfälle 2015 in Tirol dokumentiert.

Am 21. März, dem internationalen Tag zur Überwindung rassistischer Diskriminierung, wurde in Innsbruck vom Verein TIGRA (Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit) der Rassismus-Bericht 2015 vorgestellt. Der Verein ist Anlaufstelle für Fragen und Anliegen rund um das Thema Rassismus. Das Interesse der Bevölkerung war groß, der Saal im Kulturzentrum „Die Bäckerei“ gut gefüllt. Anschließend an die Präsentation des Rassismus-Berichts fand eine Gesprächsrunde zum allgegenwärtigen und aktuell viel diskutiertem Thema „Flucht“ statt.

Im Jahr 2015 wurden vom Verein 247 Rassismus-Vorfälle dokumentiert. Zahlenmäßig bedeutet dies einen Anstieg zum vorherigen Jahr, was aber auch auf den mittlerweile erhöhten Bekanntheitsgrad von TIGRA zurückzuführen sei: „Auch wenn wir im Vergleich zum Vorjahr mehr Fälle dokumentieren konnten, bleiben wir bei der sprichwörtlichen Spitze des Eisbergs. Viele Fälle rassistischer Diskriminierung bleiben nach wie vor verborgen und undokumentiert“, erklärt Mandeep Lakhan, Obfrau des Vereins.

In den Bereichen Medien, Politik und Internet wurden insgesamt 220 Fälle rassistischer Diskriminierung verzeichnet. Dieser Bereich ist öffentlich zugänglich, daher sind hier rassistische Vorfälle sichtbarer und leichter zu belegen. 92 der gemeldeten Vorfälle stehen im Zusammenhang mit Arbeit, Wohnung oder Dienstleistungen, also mit den grundlegenden Existenzbedürfnissen jedes Menschen. 15 Vorfälle wurden den Kategorien Bildungseinrichtungen, Öffentlicher Raum, Sport und Veranstaltungen zugeordnet (einige Fälle sind mehreren Kategorien zugeordnet, daher die höhere Zahl).

Die Palette der gemeldeten Fälle reicht von Verweigerung des Einlasses in ein Lokal aufgrund dunklerer Hautfarbe über rassistische Witze in einer Tageszeitung bis hin zur absichtlichen Verabreichung von Schweinefleisch an ein muslimisches Kind in einer Kinderkrippe.

Aus dem Bezirk Lienz sind drei Fälle rassistischer Diskriminierung dokumentiert. Diese vergleichsweise geringe Zahl ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass TIGRA in Osttirol öffentlich kaum präsent ist und viele um die Existenz des Vereins und die Möglichkeit, rassistische Vorfälle zu melden, nicht wissen. Es gibt keine Niederlassung im Bezirk, was die Eigenbeobachtung erschwert.

Damit möglichst alle Rassismus-Erfahrungen in die Dokumentation einfließen können, ist TIGRA auf Meldungen von mutigen Betroffenen und couragierten ZeugInnen angewiesen. Diese können unter meldung@tigra.cc gemacht werden. Neben der Dokumentation rassistischer Vorfälle bietet TIGRA auch kostenlose und anonyme Beratung und Vermittlung an und begleitet die Betroffenen bis zur endgültigen Klärung des jeweiligen Falles. Auch die Information in Form von Workshops und Seminaren wird von TIGRA abgedeckt, „ es kristallisiert sich dringender Handlungsbedarf in Form von Bildungsarbeit in Institutionen aber auch Öffentlichkeitsarbeit heraus“, schildert Vorstandsmitglied Sandra Altenberger.

Schwerpunkt in der Gesprächsrunde war das Thema Flucht. In den vergangenen Monaten sei eine Veränderung eingetreten, wie über Flüchtlinge und Flucht gesprochen werde. Die Willkommenskultur habe sich gewandelt und der Tenor in der Gesellschaft verändert. „Ich hätte mir nie gedacht, dass ein Flüchtling zu sein gleichgesetzt werden könnte mit der Bedeutung, kriminell zu sein“, schildert Yamen Abdulhameed, ein syrischer Künstler und Flüchtling, der seit eineinhalb Jahren in Tirol lebt und dessen Herzenswunsch es ist, sich nicht mehr dafür schämen zu müssen, ein Flüchtling zu sein.

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Macki

Liebe Grüße an Mandeep. Vielleicht sieht man sich ja wieder einmal in Lienz.