Initiative gegen Abwanderung in den Startlöchern

Land realisiert Pilotprojekt zur Perspektivenentwicklung und Daseinsvorsorge in Osttirol.

Nicht nur Valeria ist auf dem Sprung, sondern auch viele andere. Das ist ein neues und altes Problem, mit dem Osttirol schon seit Jahrzehnten zu kämpfen hat. Lösungsvorschläge stellten am 20. Juli in Sillian Landesrat Johannes Tratter, Bezirkshauptfrau Olga Reisner, Landesstatistiker Manfred Riedl, RMO-Geschäftsführer Michael Hohenwarter und Dietmar Ruggenthaler, Obmann des RMO und Virger Bürgermeister vor. Tirol beteiligt sich an der Partnerschaft „Strategien für Regionen mit Bevölkerungsrückgang“. Das Pilotprojekt verbindet alle Bundesländer, mit Ausnahme von Wien, in deren Bestreben, Maßnahmen zur Veränderung der aktuellen Abwanderungsdynamik zu evaluieren.

In den Jahren 2017 und 2018 wird Osttirol als Beispiel für ein traditionelles Abwanderungsgebiet zu einer von drei Pilotregionen österreichweit, neben der Mur-Mürz-Furche und einem Bereich des Waldviertels. Perspektivenentwicklung und Daseinsvorsorge stehen im Mittelpunkt einer umfassenden Erhebung. Dietmar Ruggenthaler nennt zentrale Themenbereiche: „Kinderbetreuung, Frauen mit Beruf und Familie, ärztliche Versorgung und natürlich Arbeitsplätze, als wichtige Grundlagen für die Daseinsvorsorge.“ In diesem Zusammenhang unterstreicht der RMO-Obmann auch die Nutzung des ehrenamtlichen Potenzials der BürgerInnen und den Ausbau des Breitband-Internets als wichtiger digitaler Infrastruktur.

Vom Regionsmanagement Osttirol werden mit Unterstützung durch die entsprechenden Landesstellen folgende Aktivitäten gesetzt:

  • Konzeption, Durchführung und Auswertung einer Internet-Befragung über Motive der Abwanderung, der aufrechten Beziehungen und allfälligen Rückkehr nach Osttirol;
  • Entwicklung von gemeindeübergreifenden Projektideen zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Daseinsvorsorge (z.B. Modelle zur Kinderbetreuung und zur Ermöglichung von mobilen Dienstleistungen) zur Umsetzungsreife;
  • Durchführung eines Treffens der ÖREK-Partnerschaft, verbunden mit einer themenspezifischen Veranstaltung unter Beteiligung von regionalen AkteurInnen.

Nach Abschluss der ÖREK-Partnerschaft sollen folgende Ergebnisse und Produkte vorliegen:

  • ein faktengestützter fachlicher Analysebericht,
  • ein Strategiepapier mit fachlich-politischen Handlungsempfehlungen,
  • ein konkreter Leitfaden für die lokale und regionale Ebene
  • eine Good-practice Sammlung zu den verschiedenen Aspekten des Themas.

Das Projekt wird vom Land Tirol mit rund 40.000 finanziert. Auf das RMO kommen keine Kosten zu. Die finanziellen Mittel werden für die Durchführung und Auswertung einer Internet-Befragung über die Motive von Abwanderung, aber auch einer möglichen Rückkehr und den Verbleib in Osttirol verwendet. Davon erhofft sich Olga Reisner „konkrete Impulse und regionale Handlungsempfehlungen zur langfristigen Absicherung der Daseinsvorsorge.“

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v.li. Bezirkshauptfrau Olga Reisner, Manfred Riedl (Leiter des Sachgebiets Landesstatistik und tiris), Landesrat Johannes Tratter und der Obmann des Regionsmanagements Osttirol Bgm. Dietmar Ruggenthaler. Foto: Dolomitenstadt/Mario Gietl

Laut Manfred Riedl soll man vor allem auch Kontakte mit Leuten pflegen, die bereits weggezogen sind, denn sie sind wahrscheinlich die ersten, die zurückkommen. Der Landesstatistiker macht zudem darauf aufmerksam, dass man Osttirol nicht als Schrumpfungsgebiet betrachten sollte, sondern als eine „aktive Gemeinschaft, die trotz Abwanderung funktioniert“. Mit Blick auf den demographischen Wandel sagt er weiters: „Trotz geringerer finanzieller Mittel, bedingt durch die hohe Abwanderungsrate, soll in Zukunft dasselbe oder wahrscheinlich sogar größere Maß an Vorsorge und Einrichtungen für Jung und Alt gewährleistet werden.“

Ganz allgemein könne man der Abwanderungsproblematik nur mit Einigkeit und Zusammenarbeit untereinander begegnen. Landesrat Johannes Tratter weist in diesem Zusammenhang auf bestehende Verwaltungsgemeinschaften in Vorarlberg hin.

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7 Postings bisher
cambridge vor 1 Jahr

Ja mischmaschin, das ist mir auch aufgefallen. Nur scheint mir das vorgelegte Konzept gut strukturiert (auch in den Tälern umsetzbar). Bgm. Ing. Ruggenthaler hat in seiner Gemeinde einiges vorgemacht. LR Trattner und Frau Dr. Reisner garantieren die Unterstützung der Landesstellen. Schau mer mal.

Stiller Gedanke vor 1 Jahr

Neuer Name und die gleiche alte Leier.

Die Abwanderung wird man wohl kaum noch aufhalten können. Alle großen Unternehmen verlegen Ihre Verwaltungabteilungen in die Landes- oder sogar Bundeshauptstadt und in den ländlichen Regionen werden diese Stellen dann eingespart. Nur selten kann dagegen etwas unternommen werden. Das letzte posotive Beispiel ist die Dolomitenbank die sich deswegen unter schwierigsten Umständen und unter großen Risiken von der Volksbankengruppe abspalten musste. Schlussendlich wird dieser Strukturwandel jedoch kaum aufhaltbar sein, da ein Bewohner in der Stadt wesentlich günstiger mit allen Grundbedürfnissen zu versorgen ist. (Siehe aktuelle Schlagzeien wie z.B. "Kassenärztemangel!!" und viele mehr.)

Und ich glaube auch das diese "Abwanderung" auf kurz oder lang sogar von der Politik gewollt ist. (Ein Grund dafür, ist das doch etwas lächerliche Budget von 40.000 Euro, mit den man in Zeiten der Uberbürokratisierung doch garnichts mehr erreichen kann.)

Hot doc vor 1 Jahr

Es wäre einmal endlich an der Zeit den Finanzausgleich zu reformieren. Warum bekommt eine Gemeinde am Land beträchtlich weniger Geld pro Bürger als eine Stadt. Dieses Relikt aus dem 2. Weltkrieg wo der Wiederaufbau der Städte gefördert wurde gehört längst reformiert, aber davon will niemand etwas wissen, bzw. es werden nur verständnisvolle Kommentare zur Kenntnisnahmen gegeben. Wenn die Gemeinden mehr Geld für Infrastruktur zur Verfügung hätten, werden ländliche Regionen auch lebenswerter. Aber solange der Wasserkopf in Wien und Innsbruck sitzt und dort über die Vergabe von Geld entschieden wird, was soll sich ändern.

le corbusier vor 1 Jahr

eigentlich komisch, dass man auf der einen Seite Abwanderung als Problem erkennt und bekämpfen will, auf der anderen Seite um himmelswillen ja keine Fremden reinlassen will, schon gar keine Flüchtlinge. Die könnten womöglich auch noch Bildung und Kultur mitbringen.

mischmaschin vor 1 Jahr

Haben da nicht per Definition zwei neu geschaffene Institutionen die selbe Thematik? Was ist der Unterschied zwischen Innos und dieser Initiative? Ich fürchte, hier wird doppelt gemoppelt...

Asdfgh vor 1 Jahr

Es geht auch um den Verdienst. Als Familienvater ist es nicht einfach mit dem Lohn in Osttirol eine Familie plus Unterhaltskosten (Miete,....) zu erhalten. Als Mann verdient man auswärts besser.

Beruflich hat man in Osttirol nicht viel Möglichkeiten.

gestiefelterKater vor 1 Jahr

faszinierend. ein trend der rund um den globus zu beobachten ist - urbanisierung. die prognosen sprechen für eine weitere zunahme der "entleerung" des ländlichen raumes. das ist tragisch genug. seit jehren fließen nun bereits fördermittel in die regionen, um diesen trend zu "bekämpfen". seit jahren wird mit jedem neuen projekt zum großen "gegenschlag" ausgeholt. gebetsmühlenartig wird erneut um fördergelder gebeten, um endlich die entleerung der region zu stoppen. brain drain ist nämlich doppelt wirksam: es sind die jungen und es sind die gebildeten, die die region verlassen. auf der suche nach mehr dynamik, auf der suche nach möglichkeiten und mobilität. auch geistige mobilität, die fähigkeit sich auf veränderungen einzustellen, damit umzugehen oder es zu lernen. und während in anderen regionen der welt milliarden in die zukunft der gesellschaft investiert werden, in städten, pumpen unsere konservativen entscheidungsträger weiter geld in den erhalt der vergangenheit. das ist dann nochmal tragisch. vielleicht sollte man beginnen seitentäler oder einzelne weiler gezielt abzusiedeln, sich auf die größeren Orte konzentrieren und diese zu stärken.