Die Lienzerin Petra Heinz-Prugger lebt mit ihrer Familie seit 13 Jahren in Bermuda. Johnny Barnes gehörte für sie und ihren Mann Knut zum Alltag auf der Insel.

Die Lienzerin Petra Heinz-Prugger lebt mit ihrer Familie seit 13 Jahren in Bermuda. Johnny Barnes gehörte für sie und ihren Mann Knut zum Alltag auf der Insel.

Ein Nachruf auf Johnny Barnes – the Spirit of Bermuda

Ein Mann wurde zum Nationalheld, weil er unermüdlich Liebe und Freundlichkeit verbreitete.

Während weltweit eine Welle der Fremdenfeindlichkeit, der Angst und der Ressentiments gegenüber allem Unbekannten zu spüren ist, hat Bermuda einen Botschafter für die Nächstenliebe verloren. Das kleine, beschauliche Eiland zeigt beim schnellen Hinsehen ein sehr farbenfrohes Gesicht. Unter der Oberfläche lodert aber – wie überall – auch hier eine Flamme der Fremdenangst. Mein Mann und ich leben seit vielen Jahren hier als Gastarbeiter. Vor einigen Monaten zeigte die Multikulti-Insel mit tagelangen Demonstrationen gegen das Bleiberecht von Leuten wie uns ihr wahres Antlitz.

Eine ganz andere Botschaft hat Johnny Barnes in seinen 93 Lebensjahren erzählt. Der gebürtige Bermudianer, der als Elektriker sogar noch bei Bermudas einziger Eisenbahn arbeitete, bis diese 1948 geschlossen wurde, hat sein Leben lang Liebe und Freundlichkeit verbreitet. Nachdem er als Busfahrer schon oft in seinen freien Stunden den Passanten freundliche Worte zurief, begann Barnes nach seiner Pensionierung vor etwa 30 Jahren damit, das zu seiner morgendlichen Routine zu machen.

Seither konnte man Johnny Barnes an einem Kreisverkehr an der Einfahrt zur Hauptstadt antreffen, und zwar jeden Morgen, bei Sonnenschein oder bei Regen, von ca. 4.00 Uhr (!) früh bis 10.00 Uhr vormittags. Er erlangte damit so viel Aufmerksamkeit, dass an Tagen, wenn er mal nicht auftauchte, die lokalen Radiosender verzweifelte Anrufe erhielten, ob ihm wohl nichts zugestoßen sei. Mit seinem freundlichen Winken und einem herzlichen „I love you“ vermochte er fast jedem noch so gestressten Morgenmuffel ein kleines Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Als wir vor mehr als 13 Jahren nach Bermuda kamen, erschien mir der wild mit seinen Händen fuchtelnde ältere Herr anfangs etwas verrückt. Wenn man sich aber die Zeit nahm, stehen zu bleiben und mit ihm zu reden, merkte man schnell, dass er ganz und gar nicht wunderlich war, sondern einfach nur voll Zufriedenheit mit seinem Leben und ehrlicher Zuneigung zu seinen Mitmenschen egal welcher Hautfarbe oder Herkunft. Genau diese Einstellung ist es, die uns heute manchmal völlig fehlt und uns zu fremdenfeindlichen Aussagen oder gar Taten hinreißen lässt.

Schon zu seinen Lebzeiten wurde Johnny Barnes eine Statue gewidmet und ein paar Meter von seinem Standort entfernt aufgestellt. Er wird in zahlreichen Reiseführern erwähnt, ist auf Postkarten zu sehen und in einer sehenswerten, humorvollen Kurzdokumentation über Bermudas „ Mr. Happy Man“, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Johnny, der 67 Jahre mit seiner nun hinterbliebenen Frau verheiratet war, gab meinem Mann mit einem Schmunzeln im Gesicht sein Geheimnis für eine glückliche Ehe preis: „Always cover your honey with sugar to keep her sweet.“ Verwöhne deine Liebste immerzu! Allein dafür kann man ihn nur zurücklieben ;-).

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