Taxibranche kämpft auch in Osttirol mit Lenkermangel

Taxi-Innung will das Berufsimage heben – Vor allem nachts fehlen Kapazitäten.

„Ich könnte sofort drei hauptberufliche Taxilenker für Tag- und Nachtdienst einstellen, ich finde aber keine.“ Die Lienzer Firmenchefin Andrea Xander bringt auf den Punkt, was die Tiroler Innung der Taxiunternehmen in diesen Tagen per Aussendung bemängelt: kaum jemand will noch „Taxler“ werden. Der Innungsobmann Fritz Jäger ortet ein Imageproblem: „Viele meinen immer noch, dass unser Job aus stundenlangem Warten am Taxistandplatz besteht, doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Wir haben in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl an neuen Geschäftsbereichen erschlossen. Ob Flughafentransfer, Krankentransport, Schülerbeförderung oder Seniorentaxi – neben dem klassischen Taxi gibt es eine Vielzahl von Bereichen, die bedient werden müssen.“

Auch für Franz Bundschuh, Taxiunternehmer in Lienz, ist das Problem des Lenkermangels „ganz brennend“. Er ortet gesellschaftspolitische Ursachen. Der Kollektivvertrag sehe für Taxilenker eine 6-Tage-Woche bei 54 Stunden vor, bei einem Gehalt von 1200 Euro brutto. Zu diesen Konditionen würden gerade junge Menschen nicht arbeiten, schon gar nicht am Wochenende. Bei 4,50 Euro für eine Stadtfahrt in Lienz sei aber auch für ihn als Unternehmer nicht viel Luft nach oben. Bundschuh hat drei Fahrer tagsüber und drei in der Nacht im Einsatz, zusätzlich zwei Aushilfen für Freitag- und Samstagnacht. Zwar sei das Nachtgeschäft lukrativer, aber eben nur an Wochenenden. Da könnte er mit zehn Autos fahren, doch: „Ich kann meinen Fuhrpark nicht für zwei Tage in der Woche aufrüsten.“ Außerdem finde er keine Fahrer, die nur zu diesen Zeiten arbeiten wollen. An starken Wochenenden schaltet Franz Bundschuh nachts deshalb immer wieder das Telefon aus, weil die Taxibestellungen nicht mehr zu bewältigen sind. Ihm ist klar, dass er Kunden verärgert, er sieht aber keinen anderen Ausweg.

Auch die Lienzer Taxiunternehmen suchen dringend nach Mitarbeitern. Das Interesse an diesem Beruf hat stark nachgelassen. Foto: Dolomitenstadt/Zanon

Andrea Xander ist mit einem Team von 25 bis 30 Mitarbeitern breiter aufgestellt. Hinter dem Lenkrad der Xander-Taxis sitzen auch acht bis neun Frauen. Xander sieht durchaus Perspektiven für die Branche. „Der Job ist zum Beispiel ideal für alleinerziehende Mütter, die vormittags, während die Kinder im Kindergarten sind, arbeiten möchten. Drei meiner Mitarbeiterinnen nützen die Möglichkeit“, erklärt die Unternehmerin. Sie bietet ihren MitarbeiterInnen regelmäßige Schulungen, jährlich einen Auffrischungskurs beim Roten Kreuz und den neuesten Fuhrpark an. Die Bezahlung liege über dem Kollektivvertrag.

Dennoch spürt auch Xander seit eineinhalb Jahren abflauendes Interesse am Job. Zwar hätten nicht wenige Leute die Taxi-Lenkerberechtigung in der Tasche, aber keineswegs deshalb, weil sie sich hinter das Lenkrad klemmen möchten. „Das AMS hat früher die Kosten für den Kurs und die Lenkerprüfung übernommen. Die Leute haben die Ausbildung gemacht, damit sie weiter Arbeitslosengeld beziehen können.“ Jetzt zahle das AMS nicht mehr. Die Taxi-Innung will jedenfalls „das verkrustete Image“ des Berufsstandes aufbrechen und hofft auf Nachwuchs. Franz Bundschuh ist die Skepsis anzumerken. Er habe, gerade weil Mobilität ein so spannendes Thema für Osttirol sei, auf einen Impuls durch die Vordenker gehofft: „Dass die Taxibranche zu kämpfen hat, ist ja schon länger bekannt.“

Linktipp: Taxi-Unternehmer in Lienz!

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

21 Postings bisher
Ernstl vor 6 Monaten

Die armen Taxler, die armen Arbeitnehmer! Jeder ist seines Glückes Schmied; so könnte das Credo unserer Leistungsgesellschaft lauten. Und da ist auch viel Wahres dran. Wir haben die Verantwortung, unser Leben zu gestalten. Ohne Unternehmer gibt es gar keine Arbeitsplätze. Und wenn alle als Selbständige arbeiten wollen, dann viel Spaß mit den SVA-Gebühren! Viele von euch diskutieren hier und sehen nur das Geld, nicht aber das Riskio was jeder Unternehmer zu tragen hat, die Leidenschaft, die Verantwortung. Und der Arbeitnehmer sagt nur "her mit dem Geld, ich brauche, ich möchte"? Da kann man Österreich auch gerne mit der Welt vergleichen und gegen Trump wettern. Alle Dinge mit denen wir heute kämpfen haben ihren Ursprung. Jack Ma von Alibaba meinte am World Economic Forum: "Man darf die eigenen Landsleute nicht vergessen. Die wirtschaftliche Strategie USA's war es vor 30-40 Jahren ihre Service-Jobs auszulagern (nach zB Indien, China) und die grossen IP-Marken im eigenen Land zu behalten. Sie haben damit gutes Geld verdient, aber gleichzeitig auch 13 Kriege geführt die über 4 Trilliionen verschlungen haben. Wenn USA bis heute nur einen Bruchteil davon in Infrastruktur investiert hätte, stünde USA wirtschaftlich und arbeitstechnisch gabz anders da. Dasselbe denke ich mir auch bei Österreich. Es liegt an jedem selbst das zu ändern. Das ist Demokratie. Lange haben wir dafür gekämpft.

wolf_c vor 6 Monaten

... kein Wunder dass es Trump und Hofer Wähler gibt, eher ein Wunder dass es überhaupt noch Wähler gibt, wenn von normaler Arbeit man nicht mehr (über) leben kann ... ... wie würde wohl eine Osttiroler Abstimmung über gerechte Einkommen ausschauen? alles paletti? da hab ich meine Zweifel ...

... und die armen Taxler können am allerwenigsten dafür, sollen sie kriminell werden? um bei diesen staatlichen Zwängen nicht draufzugehen ... ?

...

leiWEITERso vor 6 Monaten

Keiner scheint sich an der Aussage der Unternehmerin zu stoßen, dass Leute früher die Kurse und die Lenkerprüfung gemacht haben um Arbeitslosengeld im Zuge einer Berufsumschulung zu kassieren,... genau diese Leute sind sich dann zu gut für so wenig Geld arbeiten zu gehen und beziehen weiterhin fürs Nichtstun Sozialleistungen. Und genau das ist die Ursache, dass die Lohnnebenkosten für die Unternehmer kaum noch zu bezahlen sind und so manche Nettolöhne beschämend niedrig sind. Aus meiner Sicht ist es falsch Unternehmer immer als Geld scheffelnde Ausbeuter darzustellen, wie es gerne von Seiten der Arbeiterkammer propagiert wird. Die Lohnkosten sind immens hoch, nur die Nettolöhne im unteren Verdienstsegment sind oft im Verhältnis zu Arbeitslosengeldern zu niedrig... aber der Sozialstaat muss ja mit allen Mitteln erhalten weden. Sind vielleicht die Arbeitslosenbezüge zu hoch dass es keinen Anreiz zum Arbeiten gibt!? Ich bin stolz zu jenen zu gehören, die ihren Beitrag leisten und nicht zu jenen, die sich auf Kosten der Gesellschaft - somit auf unsere Kosten - ein schönes Leben machen. Gut auch, dass es so viele sympathische und hilfsbereite Taxifahrer bei uns gibt die sich nicht zu gut sind einen super Job zu machen und ein gutes Trinkgeld geben ist ja nicht verboten :-)

    hoerzuOT vor 6 Monaten

    Sie wissen hoffentlich, dass Sie am Thema vorbeireden!

    senf vor 6 Monaten

    immer derselbe quatsch mit den lohnnebenkosten. der unternehmer redet von lohnkosten, der arbeitnehmer vom lohn. die handhabung in österreich ist so geregelt, dass der arbeitgeber von den lohnkosten die sv-beiträge und die lohnsteuer zurückbehält um sie direkt an diese institutionen zu bezahlen. in anderen ländern bekommt der arbeitnehmer den gesamten lohn und verrechnet dann selbst. wir können das in österreich auch machen, es wird aber aus der gewohnheit heraus sicher nicht funktionieren. die eigentlichen lohnnebenkosten entstehen durch den aufwand für die lohnverrechnung, die der arbeitgeber nicht vom lohn abzieht, sondern über betriebsmitteln bedeckt. ob das so ok ist, darüber könnte man ja diskutieren. die politisch und von den interressensvertretern immer wieder diskutierten "lohnnebenkosten" - meist sogar über 100% angegeben - werden leider völlig falsch dargestellt und sollten wohl der politheuchlerei dienen. abgaben an die krankenversicherung, pensionsversicherung, steuern, auch die von dienstgeberseite sind lohnkosten, ebenso das 13. und 14. gehalt. man braucht nicht buchführer oder lohnverrechner zu sein, um über diese dinge einen klaren blick zu haben, schließlich muß man sich damit ja übers gesamte arbeitsleben beschäftigen. mir ist schon klar, dass das taxigewerbe in der kleinstadt lienz und umgebung für die erforderlichen umsätze zu klämpfen hat, staune aber immer wieder, welchen fuhrpark man sich leisten kann. Ende!

    leiweiterso, du solltes dich einmal fragen, warum die gehälter in osttirol 16% unter dem landesdurchschnitt liegen, die müllgebühren jedoch 14% oder die abwassergebühren sogar 19 % darüber und die lebenhaltungskosten ähnlich gleich hoch sind. Ich kann mir denken, was nun kommt ;-)

le corbusier vor 6 Monaten

bei 4,50 für eine stadtfahrt wundert mich das nicht, diesen kampfpreis kann man nur halten wenn man das geld beim personal einspart. das selbe problem haben frisöre die 22€ für einen männerschnitt berechnen und 45min dran stehen. da verdient man nicht mal die personalkosten in der zeit. kurzes rechenbeispiel: schafft ein taxler 6 fahrten in einer stunde (á 10 min, wird wohl eher knapp) kassiert er 27 euro.

weil ernstl weiter unten die wko als lösungsfinder erwähnt hat: das glaube ich weniger, bei diesen zahlen (54h, 1200€) muss ja jedem betriebswirt einer abgehen auch wenn die denkweise wenig nachhaltig ist (betriebswirte bestätigen ja regelmäßig, dass sie kurzfristige renditen langfristiger nachhaltigkeit vorziehen). UBER birgt für taxiunternehmen und für die qualität mehr gefahr als lösung. eher müssten die gewerkschaftler aufschreien bei solchen KVs.

Zuckerpuppe vor 6 Monaten

Ich habe gerde noch einmal mit den Brutto - Nettorechner eruiert, was da am Monatsende aufs Konto kommt. Das sind ja gerade einmal grad knapp mehr als 1000 Euro ohne Nacht- und Sonntagszulagen, und das mit 14 Stunden mehr Arbeitszeit als die meisten anderen und nur 1 freien Tag die Woche und dem Pfefferspray als ständigen Begleiter. Da wundert mich nichts mehr.

bergfex vor 6 Monaten

.......54 Stunden vor, bei einem Gehalt von 1200 Euro brutto.......Die Bezahlung liege über dem Kollektivvertrag.

Wieviel über dem Kollektievertrag?? 1..2.. € ?? Wen wundert es, das sie niemand bekommen.

    kritisch vor 6 Monaten

    1200,- Brutto! Was bleibt da noch Netto? Und alles was man davon hat, ist irgendwann ein Bandscheibenleiden. Ich verdiene brutto das dreifache, da wunderts mich, dass überhaupt noch jemand Taxi fährt, bei diesen Umständen.

      Zuckerpuppe vor 6 Monaten

      kritisch, kann dir und den meisten anderen Schreibern nur zustimmen. Wer kann sich denn bei dem Gehalt eine Wohnung und vor allem eine Familie leisten - das ist doch unmöglich. Gute Bezahlung ist das Um- und auf. Würde bei dem Gehalt auch nicht "taxeln" gehen.

      le corbusier vor 6 Monaten

      herr kritisch, gratuliere ihnen, dass sie das dreifache verdienen.

Rabe vor 6 Monaten

Mich wundert's, daß um diesen "Lohn" überhaupt noch jemand fährt . . .

Austria4 vor 6 Monaten

Nicht nur die Bezahlung ist ein grund sondern die Taxi Fahrer haben auch Gäste wie Betrunkenen herum ärgern zu müssen , Taxifahrer sein iat nicht leicht. Ich habe Hochachtung vor Taxi und Busfahrer

    hoerzuOT vor 6 Monaten

    Hochachtung vor diesem Beruf habe ich sowieso ---aber ein Taxler, der sich über betrunkene Fahrgäste ärgert, verhält sich ähnlich wie Lehrer, welche über die Korrekturarbeit schimpfen. Augen auf bei der Jobwahl und ordentliche Bezahlung -dann läuft der Laden.

Ernstl vor 6 Monaten

Es geht glaube ich weniger ums Geld, sondern mehr um die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Taxi-, Mietwagen- und Gästewagengesetz in Österreich ist veraltet. Es müssen neue Räume geschaffen werden, wie zB für den Taxi-Vermittlungsdienst UBER. Die Nachfrage ist da, die Technologie auch. Die WKO zB. könnte sich um neue Lösungen bemühen.

    hoerzuOT vor 6 Monaten

    Das denke ich nicht ---es mag vielleicht ein Mitgrund sein, aber die Lösung liegt in der besseren Bezahlung. Wenn diese nicht stimmt, können auch bessere Rahmenbedingungen am Taxlermangel nichts ändern. Wer mehr verdient ist auch bereit, die ein oder andere Mehrarbeit/ Arbeitszeitabsurdität in Kauf zu nehmen.

      Ernstl vor 6 Monaten

      Ich bin für eine faire Entlohnung, aber mit Geld alleine wird man die Probleme nicht lösen können. Radikales Umdenken ist angesagt. Staatliche Regulierungen sollen Sinn machen und sich nicht gegen die zu Schützenden richten. Es gibt eine Vielzahl an strukturellen Problemen. Wir müssen weg vom Bild des bösen Arbeitgebers und dem Mitarbeiter als Opfer. Wir müssen miteinander vorwärts gehen!

    senf vor 6 Monaten

    ernstl, es geht um den lenkermangel und damit sind die "taxler" gemeint und nicht das gewerbe. 1200 € bruttolohn bei einer vielfach unbezahlten mehrstundenleistung ohne nacht- und sonntagszuschläge ist einfach lächerlich. der taxler, ebenso der müllwagenfahrer und der zusteller erledigt seine arbeit unter schwierigen bedingungen, man denke an die hitze im sommer und kälte im winter, ebenso an die gefahren auf der straße. der lohn ist ein hungerlohn, frag einmal nach! herr ernstl, glauben sie wirklich, dass die WKO sich dieser problematik annimmt? wenn ja, warum hat sie es schon nicht längst gemacht. vom hohen ross sind diese probleme ja nicht existent!

hoerzuOT vor 6 Monaten

Ich denke, der Grund des Taxilenkermangels ist primär die bemerkenswert miese Bezahlung.

"Wenn das Honorar stimmt, schaut man bei den Bedingungen gerne öfters mal weg."

1200 € Bruttoeinkommen, 54 Stunden/ 6 Tage in der Woche---: wtf!

    hoerzuOT vor 6 Monaten

    finanziell gesehen, ist man unter derartigen Bedingungen als AMS-Kunde fast besser dran! Traurig, aber wahr. Also: bezahlt mehr und die Sache erledigt sich von selbst.