Schlechte Aussichten für die Osttiroler Winterbilanz

Leichtes Jännerplus kann sehr wahrscheinlich ein Saisonminus nicht verhindern.

Der Osttiroler Winter will nicht wirklich in Fahrt kommen. Mit einem Minus von 12.800 Nächtigungen gegenüber der letzten Wintersaison stehen die Chancen schlecht, an diese anschließen zu können. Mit bemerkenswerter Bescheidenheit ordnet Tourismusverbandsobmann Franz Theurl den bisherigen Saisonsverlauf ein: „Auch bei viel Neuschnee wird es schwierig werden, da die Schneekommunikation immer differenzierter vom Gast gesehen wird – viele lassen sich aufgrund der Bilder von braunen Hängen bis in den Jänner hinein nicht mehr für einen Winterurlaub begeistern. Auch die sehr späten Ostern lassen ein Aufholen fast nicht mehr zu.“

Osttirol liegt mit seinen Saisonseinbußen von 3,71 Prozent im Tiroltrend. Im Bezirk selbst schlagen sich die Verluste unterschiedlich stark nieder. Die Nationalparkregion kann dank Zuwächsen in Kals und Matrei mit einem Plus auf die vorläufige Saison zurückblicken. Der Lienzer Talboden verzeichnet den relativ höchsten Rückgang mit einem Minus von neun Prozent, knapp 6.200 Nächtigungen.

Das größte absolute Minus zum Vorjahr verbucht die Ferienregion Hochpustertal. Sie konnte zwar ihre Negativbilanz leicht verringern, hat aber dennoch ein Nächtigungsminus von über 7.300 Nächtigungen bzw. 6,7 Prozent zu verzeichnen. Dort schlägt sich das Ausbleiben von Trainingsmannschaften in der Biathlonregion rund um Obertilliach sowie der Schneemangel in den Tourengebieten des Villgratentales negativ nieder. Die Ferienregion Defereggen baut ihr anfangs nur marginales Minus durch relativ starke Verluste im Jänner auf nun rund 2.200 fehlende Nächtigungen aus.

Am besten hielt sich in diesem schwachen Winter das Glocknerdorf Kals. Foto: Expa/Groder

Stärkster Ort in der diesjährigen Saison ist Kals, gefolgt von St. Jakob und Matrei. Die fünf nächtigungsstärksten Orte, zu denen noch Sillian und Obertilliach gehören, stellen alleine zwei Drittel der Osttiroler Gesamtnächtigungen. Der Lienzer Talboden bringt es in Summe auf ein Fünftel der Nächtigungen.

12,7 Prozent weniger österreichische Gäste wählten Osttirol als Urlaubsort, während bei deutschen Gästen ein Rückgang von über vier Prozent zu verzeichnen ist. Die Häuser der höchsten Kategorie verbuchten als einzige keine Nächtigungsverluste, dicht gefolgt von den Drei-Sterne-Häusern, die nur marginale Einbußen hinnehmen mussten. Zusammen vereinen sie über 54 Prozent der Nächtigungen auf sich. Alle anderen Beherberger verlieren, prozentual am stärksten die Gruppe der bäuerlichen Vermieter.

Nächtigungszahlen Jänner 2017 Osttirol

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4 Postings bisher
hunter vor 8 Monaten

Ich gebe Flori98 absolut recht, dass unsere südlichen bzw. östlichen Nachbarländer absolut zu wenig beworben werden. Den ganzen Monat Jänner sind in diesen Ländern aufgeteilt Ferien - und diese fahren scharenweise nach Südtirol bzw. Italien zum Skifahren. Osttirol ist nur Durchzugsgebiet, vielleicht einen "Hamburger" in Lienz bzw. eine Schimütze/-handschuhe im "sportsdirect". Ein weiterer Minuspunkt ist meiner Meinung nach das Buchungssystem FERATEL.

Huettenwirt vor 8 Monaten

Statistik hin, Statistik her ... bleiben wir realistisch und fair. Am Marketing liegt es meines Erachtens nicht .... sicher spielen die von Theurl genannten Gründe eine Rolle ... es ist ja nicht nur ein Osttirol-Trend ... in den großen Skigebieten sieht es ähnlich aus ... stellen wir uns darauf ein, dass es im Wintertourismus kaum noch Steigerungen geben wird ... konzentrieren wir uns in Osttirol wieder auf die anderen drei Jahreszeiten .... für mich liegt enormes Potenzial im Frühjahr und Herbst

Flori98 vor 8 Monaten

Für mich unverständlich ist die minimale Bewerbung der Skidestination Osttirol im kroatischen, slowenischen, ungarischen und tschechischen Raum. Jedes Jahr im Jänner fahren tausende Skiurlauber durch Lienz ins benachbarte Südtirol und verbringen dort ihren Skiurlaub. Auch mit wenig Marketingmittel, z. B. Werbung auf der digitalen Werbetafel in Sillian, riesige Werbetransparente entlang der Kärntnerstraße auf ehemaliger Tankstelle unterhalb Installateur Fagerer, verstärkte Werbung in den Medien dieser Ländern könnten diese Urlauber vermehrt für unsere Region gewonnen werden. Die bedruckten Transparente beim geplanten Kaufhaus Lienz (eigentlich waren diese ja nur ein Sichtschutz auf den verwahrlosten Bauplatz) auf die Bergwelt Osttirols waren schon mal ein erster Anfang. Wenn in Nordtirol Deutschland als Hauptherkunftsland für den typischen Winterurlauber gilt, so muss sich Osttirol werbemäßig mehr auf die angrenzenden südlichen und östlichen Länder konzentrieren.

veterator vor 8 Monaten

hm. interessant.

ich würde gerne wissen, ob die verantwortlichen die stetig sinkenden zahlen auch tatsächlich einmal reflektieren?! absurderweise kommt jedes monat/saison/jahr wie aus der pistole geschossen, dass entweder zu wenig schnee, ungünstige ferien/feiertage, schlechtes wetter, zu kalt zu warm, ausbleibende trainigsgruppen oder anderes schuld ist.

an den eigenen fähigkeiten/maßnahmen wird ja nie gezweifelt.

liegt es vielleicht doch an schlechten werbemaßnahmen/nicht durchdachten marketingmix (rd. 30% rückgang bei österreichischen gästen in den letzten 15 jahren)?? dafür hat ein deutscher no-name skifahrer osttirol am helm oder irgend ein team der randsportart radfahren osttirol am leiberl - in einer größe und farbe, dass man auf 2m davorstehen muss um es zu erkennen. aber naja - die ein oder andere nacht wirds wohl bringen.

man soll schon auch festhalten dürfen, dass nächtigungsrückgänge -zumindest im winter- nicht weiter verwunderlich sein sollten. misst sich osttirol mit seinen kleinst-skigebieten doch preislich tatsächlich mit giganten wie serfaus-fiss-ladis, skiWelt, schladming-planei, obertauern, sogar ischgl ist bei der 6-tages karte in summe nur 8 euro teurer. wenn ich als guter skifahrer nun zwischen serfaus, schladming, obertauern und bspw st. jakob (mit seinen 15 pistenkm) wählen kann, muss ich nicht lange überlegen (ok vl. fällts zwischen den ersten 3 doch schwerer).

es fehlt leider an allen ecken und enden. aufgewacht scheinen die meisten noch immer nicht zu sein. (sagt man ja mittlerweile auch schon seit jahren)

bin schon gespannt auf die februar diagnose. da wird das minus dann so begründet werden, dass heuer 1 tag fehlt gegenüber letztem jahr. die zusätzliche hauptsaisonwoche (faschingswoche heuer nach den energieferien) lassen wir einfach mal außen vor.