Lusser: Holzbau als die Kunst des Machbaren

Das Osttiroler Unternehmen mit Sitz in Heinfels gilt als Spezialist für das Besondere.

Osttirol gilt als Bezirk mit ausgezeichneten Handwerkern. Doch selbst für die besten unter ihnen gibt es Aufgabenstellungen, die an die Grenzen des Machbaren gehen und jedenfalls den Berufsalltag sprengen. Wann immer eine solche Aufgabe mit Holz zu tun hat und auf den ersten Blick unlösbar scheint, kommt ein Namen ins Spiel: Lusser. Der Holzbau-Spezialist aus Heinfels gilt als äußerst findiger, ebenso kreativer wie handwerklich versierter Perfektionist, der nach dem Motto „geht nicht, gibt's nicht“ fast jede knifflige Aufgabe lösen kann.

Ein echter Osttiroler Stadel? Fast! Dort wo die Crew von Holzbau Lusser steht, wird wenig später ein Sportflugzeug krachend alles zu Kleinholz zerlegen. Das Holzhaus ist James-Bond-Kulisse! Foto: Lusser

Mit zwei Projekten völlig außerhalb jeder Norm machte Lusser in letzter Zeit nicht nur im Bezirk von sich reden. Ende 2015 gingen Bilder eines Lusser-Bauwerks buchstäblich um die Welt. Millionen Menschen hielten mit Daniel Craig den Atem an, als James Bond mit einem Flugzeug einen „originalen“ Osttiroler Stadel im hölzernen Dorf Obertilliach zerkleinerte.

Links sieht man, wie der „alte Stadel“ als filigranes Holzgerüst für den Bond-Dreh in Obertilliach gebaut wurde. Rechts eine echte Heuhütte, die von Lusser einfach an den Drehort versetzt wurde. Fotos: Lusser

Die Anführungszeichen sind berechtigt, original war an diesem Stadel zwar das alte Holz, das Lusser für dieses Projekt zusammengetragen hatte. Juniorchef Andreas Lusser erzählt: „Die österreichische Filmgesellschaft hat in der Steiermark ein altes Haus abgetragen, wir haben noch Altholz ergänzt und eine ortsübliche Scheinfassade eines Stadels gebaut. Das filigrane Rohgerüst wurde extra aus Großbritannien eingeschifft und gebaut wurde nach einem maßstäblichen Modell, das sorgfältig vor neugierigen Blicken versteckt werden musste. Die umliegenden Hütten haben wir aus der Region im Ganzen auf den Lkw gestellt und direkt auf die jeweiligen Positionen platziert.“ Selbst Experten kamen nicht auf die Idee, dass hier kein echtes bäuerliches Ensemble steht. Und doch war es nur Kulisse, perfekt gezimmert für einen Action-Stunt, der ein Stückchen Filmgeschichte schrieb.

Noch ahnt man nicht, wie spektakulär die Sauna des Lienzer Hallenbades am Ende aussehen wird. Das Lusser-Team arbeitete auf Hochtouren nach einem knappen Zeitplan. Foto: Stadt Lienz/Retter

Mit einer ganz anderen, nicht minder kniffligen Aufgabe konfrontierte Architekt Hans Peter Machné den findigen Zimmerer aus dem Oberland. Machné plante das Lienzer Hallenbad und hatte sich für dessen neue Sauna einen spektakulären architektonischen Effekt ausgedacht. Der Innenraum des Schwitztempels sollte eine wellenförmig gewölbte Holzdecke bekommen, die dem hohen Raum Wärme und etwas Fließendes gibt, zugleich aber auch für einen ungewöhnlichen AHA-Effekt sorgt: an einem bestimmten Punkt im Caldarium der Sauna sollte der Besucher den Eindruck gewinnen, dass die Dachkante des Raumes mit der Horizontlinie der Lienzer Dolomiten verschmilzt. Unmöglich? Nicht für Holzbau Lusser.

Wie organisch gewachsen wirkt die Fichtenholzdecke aus hunderten geschwungenen Lamellen. Foto: Stadt Lienz/Retter

Machné und die Experten von Lusser entwickelten eine Lamellenstruktur, erprobten verschiedene Varianten und bauten Modelle. Dann war klar, wie die Aufgabe zu lösen ist. In den Werkstätten eines Innsbrucker Spezialbetriebes wurden 360 riesige Fichtenholz-Lamellen auf den Zehntelmillimeter genau mit modernsten CNC-Fräsen zugeschnitten. Dann machte sich das Lusser-Team vor Ort an die Arbeit. Als alle Lamellen an der Decke hingen, kam die Stunde der Wahrheit. Der Architekt stieg ins Becken des Caldariums und – die Dachlinie passte perfekt zu Rauchkofel, Spitzkofel und Co. „Wir haben aber nicht nur die Saunadecke gezimmert“, erzählt Andreas Lusser, „sondern den kompletten Sauna-Rohbau und auch die Saunenverkleidungen außen. Die Eternit-Außenfassade rund um das gesamte Schwimmbad war ebenso unser Job, wie die Montage der Pedit-Emailplatten über dem Eingang.“

Andreas Lusser, der den Betrieb schon in dritter Generation leitet, kann über Beispiele wie diese nur schmunzeln: „Das sind natürlich die spektakulären Geschichten. Die braucht man, um auch einmal öffentlichkeitswirksam zu zeigen, was man kann. Aber letztlich geht es bei jedem Projekt, auch bei den scheinbar alltäglichen, um genau die selben Qualitäten. Kein Projekt ist wie das andere und wir versuchen immer, die jeweils beste Lösung zu entwickeln.“ Auch deshalb hat der Betrieb in Heinfels oft die Nase vorn, wenn sich Bauherren fragen: „Wer kann das?“ Die Antwort liegt auf der Hand: der Lusser.

Lusser Holzbau, Ing. Andreas Lusser, Panzendorf 121, 9919 Heinfels
T.: +43 4852 6906, www.holzbau-lusser.at

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