Der Youth America’s Cup: Österreich war dabei

Petra Heinz-Prugger traf den heimischen Segelnachwuchs auf Bermuda.

Eines der zwölf Jugendteams beim Red Bull Youth America’s Cup war aus Österreich und durfte vor großem Publikum mitsegeln. Leider konnte sich die Mannschaft nicht für das Finale qualifizieren, ein großes Erlebnis war es für die österreichischen Jungsegler aber allemal. Dabeisein ist eben alles!

Sie vertraten Österreich beim Red Bull Youth America’s Cup auf Bermuda. Obwohl es für das Finale nicht reichte, waren die Jungs bei unserem Meeting bestens gelaunt. Foto: Dolomitenstadt/Petra Heinz-Prugger

Zusammen mit einigen anderen auf der Insel lebenden Österreichern habe ich die sympathischen Burschen in gemütlicher Runde getroffen. Ganz traditionell in knackigen Lederhosen, ihrer Ausgeh-Kleidung, präsentierten sich die jungen Männer. Die acht Burschen des Teams stammen aus ganz Österreich, doch vorwiegend aus der Seenregion in Salzburg. Den einzigen Tiroler habe ich mir gleich geschnappt und über seine Erfahrungen beim Segeln befragt. Raphael Hussl, 21, aus Terfens ist als Trimmer im Boot dabei. Der Trimmer ist derjenige auf dem Segelboot, der an der Kurbel steht.

Raphael, wie kommt man in Österreich, das ja nun nicht gerade als große Segelnation gilt, zum Segelsport:
„Grundsätzlich sind die meisten in unserem Team schon seit recht jungen Jahren dabei und vorwiegend elterlich vorbelastet, stammen also aus einer segelbegeisterten Familie. Bei mir war es so, dass ich schon als Kind von meinen Eltern in den Segelclub am Achensee mitgenommen wurde. Mein älterer Bruder David war auch 49-er Gesamtweltcupsieger, Juniorenweltmeister und schon beim letzten Youth America’s Cup 2013 mit dabei – es liegt also im Blut.“

Vor dem großen Event in Bermuda haben die Jungs neben viel Trockentraining zuhause vorwiegend am Attersee und am Gardasee trainiert. Um die Verhältnisse im salzigen Wasser zu erproben, waren sie zudem noch kurz vorher in Palma de Mallorca, in Kroatien und auch in Lorient in Frankreich.

Wie wurde das Team in dieser Zusammensetzung letztendlich ausgewählt?
„Wir kommen eigentlich alle aus unterschiedlichen Bootsklassen, aus ganz Österreich. Unter den geeigneten Leuten im richtigen Alter von 18-24 Jahren wurden dann diejenigen ausgesucht, die dafür in Frage kämen. Zu Ostern 2016 hat die Idee, beim Youth America’s Cup mitzumachen, dann mehr Gestalt angenommen und Sponsoren wurden gesucht. Im folgenden Herbst fuhren wir zum ersten Training nach Lorient (F), wo wir uns dann für die Teilnahme am Team qualifizieren konnten.“

„Ab dem Zeitpunkt kam dann ein intensiveres Training mit Fitnesseinheiten dazu, die einen abends oft kaum noch auf den Beinen stehen ließen“, weiß der 24 jährige Bootskapitän Maximilian Stelzl aus Salzburg zu berichten.

Die jungen Österreicher in Aktion. Die Katamarane beim America’s Cup heben mit ihren „Foils“ vom Wasser ab und werden dadurch besonders schnell. Foto: Mark Lloyd/ACEA/Red Bull Content Pool

Die Boote beim America’s Cup sind ja besondere, man nennt sie „foilende Sportkatamarane“. Ein Foil funktioniert wie ein Flugzeugflügel. Ist die Geschwindigkeit hoch genug, erzeugt es Auftrieb, so dass der Bootsrumpf aus dem Wasser gehoben wird und das Boot scheinbar über das Wasser fliegt. Dadurch verringert sich der Widerstand im Wasser und die Geschwindigkeit wird größer.

Seid ihr vorher schon mit solchen Booten gesegelt oder ist das eher Neuland für euch, oder besser gesagt fremdes Gewässer?
„Grundsätzlich kommen wir aus anderen Bootsklassen, haben aber ab und zu schon Erfahrungen mit dieser Bootsart sammeln können, allerdings auf kleineren Exemplaren als hier beim America’s Cup.“

Das neuseeländische Team ist ja momentan mit seiner anfangs belächelten Art der Energieerzeugung auf dem Boot kaum aufzuhalten. Die Kiwis sind sozusagen auf dem besten Weg, sich den Cup zu erradeln. Auf den Booten der anderen Teams wird mit den Händen getrimmt, wie ist das bei euch?
„Bei uns wird auch gekurbelt, aber mit regulären Winschen. Außerdem müssen bei uns alle seglerische Erfahrung mitbringen, nicht wie bei den Kiwis, wo einige Radsportprofis nur zum Treten ohne jegliche Segelerfahrung mit an Bord sind.“

Welche Wettkämpfe stehen bei euch in naher Zukunft an?
„Das ist momentan noch in der Schwebe. Grundsätzlich ist es geplant, mit diesem Projekt weiterzumachen und auch beim nächsten America’s Cup wieder dabei zu sein, allerdings ist es momentan noch nicht sicher, ob es noch einmal einen Youth America’s Cup geben wird. Sollten die Neuseeländer nämlich den Cup nach Hause holen, dann steht das eher in den Sternen und im Moment sieht es sehr nach einem neuseeländischen Sieg aus. Außerdem gibt es noch anderweitig recht viele Ideen, in welche Richtung es gehen könnte, aber da finden momentan erst Sponsorengespräche statt und wir wissen noch nichts Genaues.“

Abgesehen vom Segelsport, habt ihr auch andere berufliche Pläne und Ausbildungswege vor euch?
„Wir sind in unserem Team alles Schüler und Studenten, unser Skipper arbeitet bereits als Rechtspraktikant in einer Anwaltskanzlei.“

Da der Segelsport recht zeitintensiv ist, verzögern sich Schul-und Berufsausbildung dementsprechend, aber sollte es mit dem Profisegeln nichts werden, arbeiten alle jungen Männer sehr ambitioniert an einem ganz persönlichen Plan B. Apropos junge Männer, mich hat natürlich interessiert, warum keine Frauen mit dabei sind und wie es generell mit dem schönen Geschlecht im Segelsport aussieht. Bootskapitän Maximilian meinte dazu, dass es geschlechtermäßig zwar im Jugendbereich ziemlich ausgeglichen sei, es dann aber irgendwie an jungen Frauen mangle, die mit dem Segeln noch weitermachen würden.

Gruppenbild der österreichischen „Candidates“ beim Youth Americas Cup. „Die meisten segeln später nur noch hobbymäßig“, erklärt der Kapitän. Foto: Mark Lloyd/ACEA/Red Bull Content Pool

Generell sei die Segelszene in Österreich sehr überschaubar, alle kennen sich untereinander. Im Jugendsport tue sich aber einiges, die verschiedenen Segelclubs seien sehr bemüht und auch der Österreichische Segelverband leiste tolle Arbeit. „Nach der Schule trennt sich aber die Spreu vom Weizen, und nur die wenigsten tendieren Richtung Olympia. Denn Studium und Spitzensport vertragen sich nicht so gut und die meisten segeln später nur noch hobbymäßig,“ meint Raphael.

Alle Teammitglieder haben sich in den paar Wochen in Bermuda recht wohl gefühlt. Unterstützt wurden sie dabei mit guten Tipps von den beiden Direktoren des Youth America’s Cups, den österreichischen Segellegenden Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher. Da ihre Hoffnungen, sich für das Finale zu qualifizieren, leider nicht erfüllt wurden, hatten sie in den letzten Tagen ihres Aufenthalts noch Zeit, sich die Insel etwas genauer anzusehen und die Strände zu genießen.

Ich bedanke mich jedenfalls bei dem Candidate Segelteam für den netten Abend und wünsche den sympathischen Burschen noch viel Erfolg für ihre Zukunft, in welche Richtung der Wind sie auch wehen möge.

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