Dekan Bernhard Kranebitter, Martha Achhorner, Alia und Safia, Nasibat Magomedov und Jurist Sepp Brugger (von links) bei einem Pressegespräch in der Pfarre zur Heiligen Familie in Lienz. Foto: Dolomitenstadt/Werlberger

Dekan Bernhard Kranebitter, Martha Achhorner, Alia und Safia, Nasibat Magomedov und Jurist Sepp Brugger (von links) bei einem Pressegespräch in der Pfarre zur Heiligen Familie in Lienz. Foto: Dolomitenstadt/Werlberger

Kann die Abschiebung der Magomedovs verhindert werden?

Unterstützer aus Osttirol kämpfen um humanitäres Bleiberecht für die Familie aus Dagestan.

Das Schicksal der Familie Magomedov ist Dolomitenstadt-Lesern bekannt. Wir haben mehrfach darüber berichtet. Als Zeugen eines Mordes und Opfer von Polizeiwillkür in ihrer Heimat – der russischen Provinz Dagestan – flüchteten Magomed und Nasibat Magomedov vor fünf Jahren mit den kleinen Töchtern Salikhat und Alia nach Lienz. 2014 kam hier das dritte Töchterchen, Safia, zur Welt. Asyl erhielt die Familie dennoch keines. Der Antrag wurde ebenso abgewiesen, wie die darauf folgende Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und ein Nachfolgeantrag, der gestellt wurde, weil es Anzeichen geheimdienstlicher Ermittlungen gegen den Vater in Dagestan gab. Vor einem Jahr kam der Ausweisungsbescheid, eine Beschwerde und eine außerordentliche Revision blieben erfolglos. Also stellte die Familie heuer im Februar einen Antrag auf humanitäres Bleiberecht.

Soweit die trockenen juristischen Fakten. Der menschliche Hintergrund hinter diesem tragischen Schicksal einer fünfköpfigen Familie ist nur schwer zu fassen, wenn man in Osttirol lebt. Fünf Jahre Ungewissheit und Angst haben an den Kräften der Eltern gezehrt. Sie sind krank und traumatisiert. Fünf Jahre im Kreis von guten Freunden und Osttiroler Kindern haben die Mädchen geprägt. Sie sind hier schlichtweg zu Hause. Sie gehören nicht nach Dagestan, sondern nach Osttirol, wenn schon nicht aus politischen, dann eben aus zutiefst menschlichen Gründen. Das versucht ein Kreis von engagierten Personen durchzusetzen, rechtlich und ehrenamtlich beraten von Sepp Brugger, dem ehemaligen Landtagsabgeordneten der Grünen.

Brugger will eine Online-Petition starten und zählt eine Reihe von Argumenten auf, die den Magomedovs helfen könnten. Eine Anhörung am 11. April beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl nahm einen eher befremdlichen Verlauf. Den Magomedovs wurden Mandatsbescheide ausgefertigt, die Brugger für rechtswidrig hält, weil vor ihrer Erlassung nicht über den Antrag auf Bleiberecht entschieden wurde. Zudem seien Magomed, Nasibat und die älteste Tochter Salikhat in ärztlicher Behandlung, Magomed sogar stationär im BKH Lienz. Sie leiden an schweren posttraumatischen Belastungsstörungen. „Arztberichte liegen vor“, erklärt Brugger, dem aufstößt, dass man der Familie auch noch ein Schreiben unterjubelte, mit dem sie selbst per Unterschrift ihre Ausreise binnen drei Tagen bestätigen sollte. Sie wurde über den Inhalt nicht aufgeklärt. Brugger: „Mit rechtsstaatlichen Grundsätzen ist das nicht vereinbar.“


Link zur Online-Petition für die Familie Magomedov:
https://www.openpetition.eu/at/petition/online/familie-magomedov-muss-bleiben

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11 Postings bisher
Sonnenstrahl vor 3 Wochen

Wie sollen Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit entstehen, wenn innerhalb unserer kleinen, sicheren Welt, dem am Rande liegenden Osttirol so viel Kritiksucht und Misstrauen herrschen? Hier geht es um Menschen und ihr Bedürfnis nach Sicherheit! Und mit ein wenig Empathie lässt sich leicht nachfühlen, wie es wäre, selbst betroffen zu sein. Frieden und Gerechtigkeit fangen immer noch bei uns selbst an! Kein Gesetz kann uns aus unserer Verantwortung nehmen, nur wir selbst können wählen, uns hinter Paragraphen und politischen Ideologien zu verstecken, uns in Widerstände zu verstricken oder unser Herz zu öffenen wider allem Gegenwind. Könnte vielleicht ein überraschend menschliches Ergebnis rauskommen! Vielleicht liegt unsere größte Angst ja darin, dass wir uns vor Überraschungen fürchten? Im Fall der Familie Magomedov bin ich im besten Sinne für Überraschungen offen!

Franz Brugger vor 3 Wochen

Der Staat, die Behörde: Wie in vielen Bereichen klafft Realität und uns anerzogene Sichtweise, nach der wir uns in der Betrachtung ausrichten, auseinander.

Wie kann ich eine Behörde (nicht die Beamten) ernst nehmen, wenn es so lange dauert, bis Erstgespräche stattfinden? Da sind nicht die Flüchtlinge 2016/2017 gemeint. Das ist Misswirtschaft...

Ungeklärt auch die Frage von qualifizierten Dolmetschern und der Einstellung dieser sowie der Einstellung der Beamten im Erstgespräch.

Weiteres Unbehagen bereitet mir, dass es von ganz oben "Wünsche" gibt, welche Politiker äussern. Und diverse Personalrochaden nach Wahlen lassen befürchten, dass diese Wünsche das Verhalten der Beamtenschaft beinflussen. Dies ist im Grundsatz nicht schlecht, kein Chef in der Privatwirtschaft würde Arbeitnehmer behalten, die gegen das Interesse des Chefs agieren.

Dies belegt aber die Verantwortung, die Politiker tragen und selten dafür einstehen. Sichtbar werden dann Handlungen welche aus diesem "Spirit" (wer was Schlechtes denkt, weil ich eben Sprit ausgebessert habe ist wohl ein Schelm) und anderen "Eingebungen" der Politiker sprießen.

Populismus, Profilierung und Marketing gesteuertes Verhalten überschreiben humanistische Werte. Schlechtes Gewissen lässt sich dann mit Begründung auf Gesetzeslage entschuldigen.

Ich hoffe, dass Politiker in Zukunft mehr Courage zeigen, sich zu diesen Themen zu äussern.

Markus aus den Hohen Tauern vor 3 Wochen

Unterstützung, Hilfe, Petitionen - darf und soll es in unserem Rechtsstaat und freien Land alles geben. Aber wenn es um die Frage Asyl geht, muss jemand entscheiden. Und wer soll das sonst sein, als der Gesetzgeber und die ausführenden Beamten. Ich finde es schon ein wenig vermessen von einem Rechtsanwalt wie Herrn Dr. Brugger, der immer vom System und Rechtsstaat profitiert hat (parlamentarischer Mitarbeiter, Landtagsabgeordneter ...), diese jetzt derart anzugreifen und in Frage zu stellen. Und außerdem soll es in unserem freien Land so sein und bleiben, dass jeder das unterstützen darf, was er für richtig empfindet. "Die anderen haben die Zusammenhänge nicht verstanden" oder "Jeder, der das nicht unterstützt, ist ein Sozioapath" - solche und ähnliche Aussagen finde ich schon ein wenig in Richtung rechtsgerichtete Politik.

    PdL vor 3 Wochen

    @ Markus aus den Hohen Tauern

    Es gibt Menschen, die sich für andere einsetzen und engagieren - mein herzlichster Dank sei an sie gerichtet.

    Es gibt welche, die tun nichts - das kann durchaus berechtigte Gründe haben - auch ich schäme mich, dass ich mich oft zu wenig engagiere.

    Allerdings gibt es welche, die nicht nur nichts tun, sondern das Engagement der Helfer boykottieren, misskreditieren und sich am Leid anderer delektieren.

    Ich nehme mir heraus, Letztere per Definition als Soziopathen zu bezeichnen. Schlagen Sie ruhig den Terminus in einschlägiger Fachliteratur nach.

    Das ist alles andere als "rechtsgerichtet", glauben Sie mir, ich kenne sehr gut eine Unzahl von unsäglichen Sagern von rechtsextremen Parteien, leider müssen wir diesbezüglich nicht unser Land verlassen.

Naturbursch vor 4 Wochen

Herzliche Gratulation, Peter Werlberger und Team zu diesem tollen Bericht! Inhaltlich spannend und interessant und ansprechend aufbereitet, darüber hinaus natürlich sehr brisante Thematik. Ich hoffe es wird weitere solche wichtigen und qualitativ hochwertige Beiträge im Stil des Osttiroler "REPORTS" geben. Der Familie Magomedov alles Gute und Sepp Brugger viel Erfolg bei der juristischen Betreuung des Falls!

Instinktivist vor 4 Wochen

Wir müssten einfach alle wieder mehr zusammenhalten!

Nickname vor 4 Wochen

Wenn schon so viele Jobangebote vielleicht passt da ein Visum für Job besser?

...symbolic... vor 4 Wochen

Diesen Bescheid sollte man doch wohl erfolgreich bekämpfen können, wenn hier ungesetzlich gehandelt wurde. Aber grundsätzlich sieht man hier wieder mal, was raus kommt, wenn man solch eine Regierung wählt, in der ein FPÖ Innenminister Kickl das Sagen hat. Unmenschlich das Ganze......

    bergfex vor 4 Wochen

    Was hat Kickl jetzt damit zu schaffen. Verbockt hat es wohl die Vorgänger-Regierung.

Kiew vor 4 Wochen

Schade, dass man nicht die dafür zuständigen Beamten abschieben kann. Vom Schreibtisch aus kann man ohne direkte Verantwortung leicht über Menschenschicksale mit einem Federstrich entscheiden. Natürlich alles nach Paragraph. Solche Beamten sind eine Schande für Österreich. Sie aber glauben, es zu schützen.

    red_mit vor 4 Wochen

    Die dafür zuständigen Beamten abschieben? Wäre gespannt wie es in Österreich aussieht, wenn Sie zu entscheiden hätten, Kiew!.... Ein Beamter wird nicht aus Willkür Bescheide erlassen...es wird schon Gründe geben. Was man in den Medien erfährt, ist nich immer die ganze Wahrheit, bitte machen Sie sich darüber Gedanken...