Osttirol für Mondikolok: „Wir sind grenzenlose Optimisten.“

Franz Krösslhuber bereitet eine mobile medizinische Soforthilfe im Südsudan vor.

Am Freitag, 18. Mai, luden Hans Themessl und der Lienzer Arzt Franz Krösslhuber vom Sozialverein „Osttirol für Mondikolok“ zu einem Pressegespräch ins Dolomitenhotel Lienz ein, schilderten die aktuelle Situation im Südsudan und stellten die Zukunftspläne für das Gesundheitsprojekt vor.

Nachdem sich der blutige Bürgerkrieg, der seit fünf Jahren im Südsudan tobt, immer weiter in den Süden des Landes verlagerte, erreichte der Konflikt vor eineinhalb Jahren auch das County Kajo-Keji und damit auch das Health Care Center in Mondikolok, das vorwiegend mit Osttiroler Spenden erbaut wurde. Die Bevölkerung flüchtete, auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses mussten dieses zurücklassen.

Das Projekt wurde gestoppt, das Spital geplündert, wie die Bilder oben (Quelle:OfJM/Krösslhuber) zeigen. Auch die medizinischen Geräte, die vorerst vermeintlich in Sicherheit gebracht wurden, sind inzwischen gestohlen worden. Was übrigbleibt, sind ein Auto und ein Ultraschallgerät, das sich zur Reparatur in Kampala, der Hauptstadt des benachbarten Uganda, befand.

Die geflüchteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben inzwischen – wie etwa 37.500 weitere Vertriebene – in drei spontan entstandenen IDP Camps im Südwesten des County, die etwa eine halbe bis zwei Stunden Fahrzeit von der ugandischen Grenze entfernt sind. Vorwiegend leben dort Frauen und Kinder, es gibt keinen oder nur stark eingeschränkten Zugang zu Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser, sanitären Gesundheitseinrichtungen oder Schulen. In einfachsten Hütten, die als „Gesundheitszentren“ dienen, erhält nun das ehemalige Personal des Mondikolok Health Care Centers – vor allem Schwestern und Hebammen – elementare medizinische Arbeit unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen aufrecht.

Ein Bild aus besseren Tagen. Franz Krösslhuber mit seinem Team vor dem mit Osttiroler Spenden erbauten Krankenhaus in Mondikolok. Foto: OfJM/Krösslhuber

„Und unsere Freunde waren es auch, die uns wieder um Hilfe und Unterstützung im medizinischen Bereich gebeten haben“, erklärt Krösslhuber. „Wir sind im Moment auch so ziemlich die einzige Organisation, die in dieser Region Unterstützung anbieten kann.“ Die Regierung erkennt die IDP Camps nicht an, außerdem befinden sie sich in einem Gebiet, das von Rebellen kontrolliert wird – deshalb können größere Organisationen, wie etwa Ärzte ohne Grenzen, hier nicht unterstützen. Sie müssten sonst um ihre Niederlassungen in anderen Gebieten, die wiederum von der Regierung kontrolliert werden, fürchten.

Den Hilferuf hat der Verein erhört: „Wir glauben, dass derzeit ein sehr einfaches und flexibles System machbar ist.“ Weil die Lager immer wieder von Soldaten angegriffen und geplündert werden, müssen Personal, Ausrüstung und Medikamente innerhalb weniger Minuten eingepackt und nach Uganda in Sicherheit gebracht werden können.

„Wir sind zur Zeit so ziemlich die einzige Organisation, die in diesem Gebiet im Einsatz ist“, erklärt Franz Krösslhuber. Foto: Dolomitenstadt/Unterwurzacher

Zu diesem Zweck kaufte der Verein einen Kofferanhänger, der mit dem Pkw transportiert werden kann. Dieser Anhänger soll mit zehn sogenannten „Emergency Health Kits“, die nach Vorgaben der WHO zusammengestellt wurden, gefüllt werden. Eines dieser Kits kann 10.000 Menschen etwa drei Monate lang medizinisch versorgen. Außerdem wurde auch eine einfache notärztliche Ausrüstung angeschafft – damit soll es möglich sein, Verletzte und Schwerkranke rasch in ein Krankenhaus in Uganda zu bringen. Im Norden Ugandas, in der Missionsstation der Combonis soll ein Medikamentenlager eingerichtet werden. Ende Juni will Krösslhuber selbst in den Südsudan reisen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Anwendung der Ausrüstung vertraut machen.

Der Anhänger wird noch im Mai nach Uganda verschifft und soll dann auch in der Wiederaufbauphase des eigentlichen Mondikolok Health Care Centers verwendet werden. Diese liegt allerdings noch in ungewisser Zukunft. Zur Zeit gibt es Friedensverhandlungen, die zunächst einen Waffenstillstand und eine Regierungsform für die Übergangszeit zu den nächsten Wahlen, die laut Zeitplan 2023 stattfinden sollten, zum Ziel haben. Der Ausgang der Verhandlungen ist ungewiss. Sollten sie erfolgreich sein, könnten die Geflüchteten 2019 zurückkehren und mit Reparaturen beginnen. Fotos aus Mondikolok zeigen, dass das Gesundheitszentrum dort geplündert und teilweise zerstört wurde – das Gebäude steht allerdings noch. Ein Wiederaufbau würde mindestens ein halbes Jahr dauern. Aber: „Wir sind grenzenlose Optimisten“, meint Hans Themessl.


Am Freitag, 25. Mai findet im Ferienhotel Laserz in Amlach ab 19:30 Uhr  ein „Weinabend für Mondikolok“ statt. Winzer Harald Tremmel präsentiert seine edlen Weine aus der Region Neusiedlersee, die „TwinSisters“ begleiten musikalisch durch den Abend. Voranmelden kann man sich telefonisch unter 0676 6781300 oder per Mail an jalimo@gmx.net oder hans.themessl@gmx.at. Der Gesamterlös kommt dem medizinischen Projekt im Südsudan zugute.

SPENDENKONTO:
Dolomitenbank Osttirol-Westkärnten, IBAN: AT55 4073 0000 0001 7523

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