Peter Dörflinger bei der Arbeit im Freiluftatelier in Virgen. Das Bildhauersymposium startet heute in die zweite Veranstaltungswoche – bis Samstag können Interessierte den Künstlern über die Schulter schauen. Fotos: Dolomitenstadt/Hatzer

Peter Dörflinger bei der Arbeit im Freiluftatelier in Virgen. Das Bildhauersymposium startet heute in die zweite Veranstaltungswoche – bis Samstag können Interessierte den Künstlern über die Schulter schauen. Fotos: Dolomitenstadt/Hatzer

„Kunst ist ein Spiel, das der Mensch einfach braucht.“

Künstlergespräch mit Peter Dörflinger im Rahmen des Kunstevents „Skulp-tour 2018“ in Virgen

Das Künstlerfestival „Skulp-tour“ in Virgen – mit offener Werkstatt vor umwerfendem Ambiente, kreativen, kulinarischen und musikalischen Genüssen – ist bereits in vollem Gange und startet heute in die zweite und letzte Woche. Im Rahmen des Symposiums haben sich auch in diesem Jahr zwei Gastkünstler unter die heimischen Bildhauer gemischt. Der gebürtige Villacher Peter Dörflinger schwärmt vom Geschehen: „Das ist eine total schöne Sache und wahnsinnig gut organisiert. Skulpturen und besonders Steine sind immer noch irrsinnig spannend und werden nie langweilig.“

Seinem Drang nach kreativem Handeln folgend, besuchte Dörflinger zunächst die höhere technische Bundeslehranstalt für Tiefbau in Villach, brach die Ausbildung jedoch ab. Später entdeckte er die Arbeit mit dem Werkstoff Holz für sich und absolvierte eine Lehre als Bootsbauer am Ossiacher See in Kärnten, die ihn sehr prägte. Zum Stein kam er, während er im Steinbruch im Kärntner Krastal arbeitete. In dieser Zeit entstanden erste Werke mit dem neuen Material und seine Leidenschaft wurde geweckt. Seit 1985 lebt Peter Dörflinger in Niederösterreich und ist als freischaffender Bildhauer tätig. Er arbeitet mit den Materialien Stein, Holz und Papier. Viele große Aufträge, besonders im Bereich der Steinbildhauerei, verbucht der Künstler, darunter eine Großskulptur für das Kabelwerk in Wien.

Peter Dörflinger absolvierte eine Lehre als Bootsbauer, bevor er das Material Stein für sich entdeckte. Seit 1985 ist er als freischaffender Bildhauer tätig.

Motiviert wird Dörflinger in seiner Arbeit durch die Auseinandersetzung mit dem Raum, mit dreidimensionalen Gefügen, wobei im Mittelpunkt ein bestimmter architektonischer Formgedanke steht. Vor allem nutzt der Kärntner in der Bildhauerei gängige Materialien wie Marmor und Serpentin, die sich besonders gut für die Techniken des Künstlers eignen. Auf die Frage, ob er zu Beginn der Arbeit bereits ein Konzept hat, antwortet er: „Nein, die Idee kommt erst wie eine Art Ahnung, die immer stärker wird. Eine gewisse Vorstellung ist immer vorhanden, muss aber nicht realisierbar sein.“

Er führt den Ansatz weiter bildlich aus: „Zuerst ist alles wie eine Wolke und die Idee ergibt sich zusammen mit dem Stein. Irgendwann bekommt er ein Eigenleben und alles wird zwingender.“ Peter ist überzeugt, dass es manchmal besser ist, etwas Geschaffenes wieder „wegzuschneiden“ und erklärt dies ebenfalls an einem verständlichen Beispiel: „Man muss sich manchmal von etwas trennen, um sich weiterzuentwickeln, so auch beim eigenen Ich. Wir sind voll mit irgendwelchem Schotter, von dem wir uns ab und zu frei machen müssen.“ Er beschreibt, dass dabei manchmal auch die eigene Eitelkeit im Weg stehen kann. „Das Gehirn ist eine riesige Schotterhalde, wo man immer schaufeln muss. Und es rieselt immer nach – zum Beispiel in Form von Vorurteilen. Aber das Leben zeigt es dann eh.“

Aus der Sicht von Peter Dörflinger macht Kunst im eigentlichen Sinne keinen „Fortschritt“. „Die Venus von Willendorf wird immer noch bewundert.“ Er schwärmt vom großen Spielen. „Kunst ist ein Spiel, das der Mensch einfach braucht.“ Auf die Frage, ob es dafür eine besondere Gabe, ein Talent gibt, oder ob man Kunst erlernen kann, lächelt Peter: „Ich glaube schon, dass es eine Gabe ist, die aber viel mehr Menschen in sich tragen, als man meint. Man muss sich nur trauen, der Gabe nachzugeben.“

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