Bei der Senioren Ballhockey WM in Bermuda ging auch die Österreichische Ü40 Nationalmannschaft an den Start. Fotos: Petra Heinz-Prugger

Bei der Senioren Ballhockey WM in Bermuda ging auch die Österreichische Ü40 Nationalmannschaft an den Start. Fotos: Petra Heinz-Prugger

Österreichisches Ballhockey bei der WM in Bermuda

Petra Heinz-Prugger lernte die „alten Hasen“ der österreichischen Nationalmannschaft kennen.

Für Österreicherinnen und Österreicher, die in Bermuda leben, gab es in der vergangenen Woche eine überraschende Email vom Honorarkonsulat. Darin wurde um Unterstützung für das österreichische Ballhockey Nationalteam gebeten, das bei der diesjährigen Weltmeisterschaft – wo? Natürlich in Bermuda! – antrat.

Da ich ja sportlich generell nicht allzu versiert bin, wäre dieses Ereignis ohne diese Mail wohl spurlos an mir vorübergegangen. Und das, obwohl der diesjährige Dolomitenmann, der seit 17 Jahren wieder einmal der erste war, den ich mitverfolgen konnte, auch für mich ein überaus beeindruckendes und spannendes Sportevent war – nicht zuletzt deswegen, weil sich das Team von Alban Lakata und Kristian Hynek höchstpersönlich in unseren Ferienwohnungen einquartiert hatte und ich deshalb alles hautnah miterlebt habe.

Aber wieder zurück zu besagtem Ballhockey: Die meisten unserer kanadischen Freunde und Bekannten hier auf der Insel spielen Ballhockey, aber zugeschaut habe ich ehrlich gesagt noch nie. Außerdem dachte ich fälschlicherweise immer, die Spieler würden mit Rollerblades einem Ball anstatt des Pucks hinterherjagen und das nur aus Ermangelung einer Eishockeyhalle auf der subtropischen Insel. Dass Ballhockey aber eine „ernsthafte“ Sportart ist und sogar in Österreich praktiziert wird, und das schon seit 1983, war mir nicht bewusst.

Ballhockey wird mit Hockeyschläger und einem leichten Plastikball gespielt – die Sportler rutschen oder rollen dabei aber nicht auf dem Feld, sondern laufen selbst.

Umso netter war es, die „alten Hasen“ der österreichischen Nationalmannschaft Ü40 hier im fernen Bermuda kennenzulernen und dann auch noch herauszufinden, dass die Burschen fast allesamt Dolomitenstadt-Nachbarn sind, also aus Kärnten kommen. Vom Teamtrainer Gernot Jud, in Osttirol vielleicht besser bekannt als ambitionierter Radler im Teamzeitfahren, erfuhr ich Unwissende dann auch einiges über den Sport. Eine Liga für Ballhockey, so Jud, gebe es in Österreich eigentlich nur in Kärnten mit einigen wenigen Teams. Mit dem Nachwuchs sehe es auch eher schlecht aus, nur ab und zu verirre sich einer aus der Eishockeyliga auf das Ballhockeyfeld.

Gespielt wird mit einem Hockeyschläger und einem ziemlich leichten Plastikball, die Spielregeln sind denen von Eishockey sehr ähnlich. Im Gegensatz zu Rollerhockey, Straßenhockey oder Eishockey wird bei Ballhockey aber nicht gerutscht oder gerollt, sondern gelaufen. Schnell ist das Spiel aber trotzdem und äußerst spannend für den Zuschauer – es ist gar nicht so einfach, dem kleinen Ball mit den Augen zu folgen.

Manchmal geht es auch ziemlich grob zu und die Verletzungsgefahr ist nicht zu unterschätzen – dem wird mit Schienbeinschonern, einem Helm, Handschuhen und einem Mundschutz begegnet. Die österreichischen Mannen haben sich als komplette Außenseiter gut fünf Monate auf die Meisterschaft in Bermuda vorbereitet und sich einmal pro Woche zum Training zusammengefunden. Für die nicht ganz so billige Reise nach Bermuda kamen sie allesamt selbst auf, die wenigen Sponsoren für den Sport allgemein und die Wettkämpfe im Speziellen müssen sie aus dem eigenen beruflichen Umfeld auftreiben.

In Gruppe 1 traf die Österreichische Mannschaft unter anderem auf die Canada Halton Leafs.

Angereist kam ein relativ kleines Team, die Athleten wurden während des Spiels nicht so oft ausgewechselt und somit auch etwas mehr geschunden. Ebenso setzten die ungewohnten Temperaturen und besonders die hohe Luftfeuchtigkeit in Bermuda den Spielern in ihren klobigen Outfits ziemlich zu. Ein eigens mitgereister Physiotherapeut kümmerte sich um Gelenke und Muskeln.

Obwohl wir mit den Burschen eifrig mitfieberten, reichte es für den anvisierten Einzug ins Viertelfinale leider nicht. „Kurios ist, dass außer den Slowaken, Tschechen, US-Amerikanern und Österreichern die Teams der anderen Nationen eigentlich nur aus Kanadiern bestehen. Deren Namen sind zwar noch griechisch, italienisch oder portugiesisch, doch der Sprache oder gar der jeweiligen Nationalhymne sind die Neokanadier zweiter und dritter Generation nicht mehr mächtig …“, schmunzelt der Österreich-Trainer.

Die beiden Finalisten waren dann aber keine Kanadier unter fremder Flagge mehr, sondern tatsächlich zwei kanadische Teams. Fazit der Ballhockey Senioren-WM in Bermuda: Kanada gewinnt gegen Kanada, was auch kein Wunder ist, scheinbar ist den Kanadiern ja der Hockeyschläger bereits in die Wiege gelegt. So fliegen unsere Hockeyspieler zwar ohne Sieg, dafür aber mit vielen neuen Eindrücken, einigen Anekdoten und müden Knochen wieder zurück nach Hause.

Und ich weiß jetzt etwas mehr über Ballhockey und werde in Zukunft wahrscheinlich öfter mal bei einem Spiel zuschauen. Wer sich für den Sport interessiert oder mehr darüber erfahren möchte, kann sich unter www.ballhockey.at selbst schlau machen.

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