Die Baguette-Cafes von MPreis sind künftig Fairtrade-Cafés. Von links: Hartwig Kirner, Geschäftsführer Fairtrade Österreich, Thomas Juen, Julius Meinl Österreich, Susanne Auer, Vertriebsleiterin Baguette, David Mölk, MBA, Geschäftsführer MPreis & Baguette. Fotos: MPreis/Martin Vandory

Die Baguette-Cafes von MPreis sind künftig Fairtrade-Cafés. Von links: Hartwig Kirner, Geschäftsführer Fairtrade Österreich, Thomas Juen, Julius Meinl Österreich, Susanne Auer, Vertriebsleiterin Baguette, David Mölk, MBA, Geschäftsführer MPreis & Baguette. Fotos: MPreis/Martin Vandory

MPreis zeigt Mut zum fairen Muntermacher

Künftig verkauft Baguette nur noch fair und nachhaltig gehandelten Kaffee.

Innsbruck, 21. Februar. So frisch, so fair: Kaffeebraun zeichnet sich dieses Versprechen im weißen Milchschaum des Cappuccinos ab, der an diesem Morgen in der Baguette-Filiale Bruneckerstraße, unweit des Innsbrucker Bahnhofs erstmals ausgeschenkt wurde. Obwohl die Bäckerei-Kette des familiengeführten Lebensmittelhändlers MPreis täglich etwa 20.000 Tassen des koffeinhaltigen Getränks verkauft, markiert dieser Cappuccino den Beginn einer neuen Kaffeekultur bei Baguette: Denn seit heute wird es in allen 174 Filialen nur noch Kaffee mit Fairtrade-Siegel geben – in einer Mischung des österreichischen Kaffeehändlers Julius Meinl.

„So frisch. So fair“ – Der Cappuccino im MPreis Café Baguette erzählt selbst, was künftig in ihm steckt. Foto: MPreis/Martin Vandory

Doch was bedeuten die neuen Bohnen nun für Baguette-Kunden? „Sie können ihren Kaffee mit einem besseren Gewissen genießen“, findet Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich. Der gemeinnützige Verein zertifiziert fair und nachhaltig gehandelte Waren – von Rosen über Bananen und eben auch Kaffee. Allesamt Produkte, die in fernen Ländern hergestellt werden und deren Anbaubedingungen am Anfang der konventionellen Lieferketten oft selbst Großkunden nur schwer nachvollziehen können.

Der Fairtrade-Mindestpreis greift gerade wieder

Das Fairtrade-Siegel garantiere dagegen strengere Umweltstandards und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, sagt Kirner. „Da geht es um Fairness und Respekt, nicht um Almosen.“ Der Mindestpreis für Kaffee sei für die Menschen in armen Anbaugebieten wie Honduras oder Äthiopien besonders wichtig: „Dieses Sicherheitsnetz greift zum Beispiel gerade wieder, weil die Weltmarktpreise zuletzt gesunken sind.“

Zusätzlich fließen bei Fairtrade-Produkten noch Prämien aus dem Verkauf zurück in die jeweiligen Anbaugenossenschaften. Die Beteiligten vor Ort entscheiden selbst, für welche Projekte sie das Geld verwenden möchten. „Das sind oft Bildungsangebote oder Frauenprojekte, aber auch Maßnahmen für die Qualitätssicherung.“

Kritik am Siegel-System stört Kirner nicht. „Darüber kann man natürlich diskutieren und das halten wir auch aus.“ Dank der Fairtrade-Zertifizierung müssten Kunden aber nicht warten, bis die internationale Politik endlich bessere Standards durchsetze. „Sie können selbst aktiv werden und entscheiden, welche Art von Handel sie unterstützen wollen.“

Eine faire Geschichte seit den Achtzigerjahren


Baguette hat jenen Kunden, die gerne Kaffee bestellen, zumindest diese Entscheidung nun abgenommen. „Bei unseren regionalen Produkten wissen wir ja genau, wo sie herkommen und welche Qualität sie haben“, sagt MPreis- und Baguette-Geschäftsführer David Mölk. „Das ist uns aber auch bei einer exotischen Ware wie Kaffee wichtig. Und dafür brauchen wir einen starken Partner wie Fairtrade.“

Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich (links), überreicht die Fairtrade-Urkunde an David Mölk, Geschäftsführer MPreis & Baguette.

Das Unternehmen MPreis und sein Verein hätten eine lange Geschichte, sagt Kirner. In den Achtzigerjahren habe es als erste Supermarktkette in Österreich zertifizierte Fairtrade-Produkte ins Sortiment aufgenommen. Selbst die Kleidung der Mitarbeiter besteht inzwischen aus Fairtrade-Baumwolle.

Noch ist der Anteil von Fairtrade-Kaffee in Österreich bei nur sieben Prozent, davon wird etwa ein Drittel über die Gastronomie verkauft. Baguette ist mit seinen rund 45 Tonnen Kaffee-Bedarf dabei künftig sicherlich kein kleiner Kunde. Den konsequenten Schritt, anlässlich des dreißigjährigen Firmenjubiläums jetzt nur noch Fairtrade-Kaffee auszuschenken, lässt sich die Bäckerei-Kette offenbar gar nicht wenig kosten. Wieviel höher die Einkaufspreise sind, möchte David Mölk nicht verraten, „aber das macht schon Einiges aus.“ Für die Kunden sei die Änderung jedoch ausschließlich positiv: „Wir geben die Mehrkosten nicht weiter“, verspricht er. „Der Preis für Ihre Tasse Kaffee bleibt gleich.“

Noch besser: Kaffee im Mehrwegbecher


Sogar noch 30 Cent sparen können Baguette-Kunden, wenn sie sich den Kaffee in Mehrweg-Becher füllen lassen. Mit dem Spruch „Besser Kaffeetschln“ vertreibt Baguette seit Herbst 2018 wiederverwendbare Kaffee-Becher gemeinsam mit Projektpartnern der Uni Innsbruck und Konkurrenten wie Ruetz. „Es ist aus ökologischer Sicht einfach sinnvoll“, findet Baguette- und MPreis-Vertriebsleiterin Susanne Auer. Das Mehrwegsystem habe nicht nur in Tirol voll eingeschlagen, sondern auch in Salzburg. „Und in Kombination mit dem Fairtrade-Kaffee passt künftig alles noch besser zusammen.“

Die geschmackliche Qualität dürfe unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit aber niemals leiden, sagt sie: Den Meinl-Fairtrade-Kaffee hätten ihre Mitarbeiter darum schon Wochen vor der Verkündung des neuen Angebots in einzelnen Filialen heimlich getestet. Auer selbst trinkt bis zu fünf Tassen Kaffee am Tag, natürlich streng beruflich: „Ich bin viel in unseren Filialen unterwegs und muss ja immer wieder probieren, ob der Kaffee auch passt“, sagt sie und lacht.

Wieviel Koffein er oder sie verträgt, müssen Kaffee-Liebhaber selbst mit ihrem Körper ausmachen. Baguette-Kunden dürfen aber nun immerhin davon ausgehen, dass ihre Bohnen fair produziert wurden.

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