Der Höhepunkt der diesjährigen Jazztage: Emiliano Sampaio mit seinem Mega Mereneu Project. Foto: Andreas Bergmann

Der Höhepunkt der diesjährigen Jazztage: Emiliano Sampaio mit seinem Mega Mereneu Project. Foto: Andreas Bergmann

New O'Lienz: Ein Festival als urbanes Musikerlebnis

Feinster Jazz auf dem Johannesplatz und im Gymnasium – mit Überraschungen.

Mit „TubAffinity“, der One-Man-Show des Nordtirolers Tobias Ennemoser, starteten die New O'Lienz-Jazztage 2019 effektvoll am 19. Juli in der Aula des Gymnasiums. Der Gewinner des Grazer Kabarettpreises „Kleinkunstvogel 2019“ zwängte sich – angetan mit einer rostbraunen, asiatisch, mönchisch anmutenden Kutte und langer goldener Kette – in seine Tuba oder besser in sein Sousaphon, dessen ausladender Schalltrichter den großen Musiker noch weit überragte.

Tobias Ennemoser, schräg, originell, hoch musikalisch und kein Mann, der in eine Schublade passt.

Üppige Synthies, scheinbar banale Texte wie „I sitz dahoam“ und „Die Staubsaugersackerln werden immer teurer“ lösten sich mit rhythmisierten Loops aus der Wirklichkeit und faszinierten die zusehende Zuhörerschaft. Straight Outta Kloster war ein Ereignis!

Am Samstag lockten die Festival-Gastgeber, die Osttiroler Bigband JazzWeCan, eine begeisterte Zuhörerschar zur Matinée vor die Bühne auf dem Johannesplatz. Vertrauter Bigband-Sound in Lienz – großartig! Das Repertoire, die Spielfreude und das Können der heimischen Bigband-Jazzer verdienen einen großen Applaus.

Publikumslieblinge beim Heimspiel auf dem Lienzer Johannesplatz: JazzWeCan. Foto: Brunner Images

Am Samstagabend stand „Low Potion“ auf dem Programm. Vorgestellt wurde das Tiroler Duo von Organisator Andreas Bergmann folgendermaßen: „Anna Widauer an der Stimme und Chris Norz am Schlagzeug“. Wie treffend war doch die Wortwahl, denn die unprätentiöse, charmante Sängerin setzte ihre klare Stimme vielfältigst ein. Lyrisch, Sphärenklänge andeutend, sang sie ausdrucksvoll leise Erinnerungen an Paris oder Gedanken zu „too beautiful“, begleitet von Chris Norz auf dem Schlagzeug, am Syntheziser oder auf einem aufgeblasenen Luftballon, Kratzgeräusche erzeugend. Das Publikum ließ sich entführen in eine fast entrückte Welt, eingetaucht in kühles Blau.

Entführung in eine fast entrückte musikalische Welt: Low Potion. Foto: Andreas Bergmann

Und dann kam Emiliano Sampaio mit seinem Mega Mereneu Project, einer mächtigen Bläsersektion, auf die Bühne. Mit diesen Musikern, die zu den besten Österreichs zählen, verwirklicht der gebürtige Brasilianer seine eigenen Kompositionen. Eine kleine Notennotiz, an einen kurzen Wienaufenthalt erinnernd, wird da zu einem gestaltenden Thema. Kraftvoll und witzig verwebt Sampaio mit seiner Bigband den Text des Slammers David Friedrich zu eindrucksvollem Sound: „Islamwissenschaften“, hinreißend gespielt mit starken orientalischen Anklängen.

Emiliano Sampaios Dissertation beschäftigt sich mit „Improvisieren in sehr großen Ensembles“. Hier zeigten sich die einzelnen Solisten als Meister. Ein Samba als rhythmische Zugabe beschloss die IV. New O‘Lienz Jazztage 2019. Es war ein urbanes Musikerlebnis.

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