Blossomers: A Rock Band in the digital Age

Osttiroler Export-Musik außerhalb der Blütezeit des Rock.

„Rock! Is deader than dead!“ Das verkündete Marilyn Manson bereits 1998 auf dem Album Mechanical Animals. Damals brachte diese Textstelle Mansons Wut darüber zum Ausdruck, dass Rockmusik immer eintöniger wird. Heute, wenn zwar sicher nicht tot, ist Rock nicht mehr das gefragteste Musikgenre. Pop und Hip-Hop haben ihn abgelöst, seine Blütezeit ist vergangen. Wie schafft man es, dem Rock wieder einen relevanten Platz in der gegenwärtigen Musiklandschaft einzuräumen und wie klingt überhaupt moderne Rockmusik, die beeinflusst ist von den dringlichen Fragen und den verbreiteten Musikstilen der heutigen Zeit? Drei Junge Osttiroler Musiker wollen mit ihrem neuen Album Antworten darauf geben. Sie sind die Blossomers.

Eugen Klammsteiner, Lukas Kofler und Mathias Grüner (von links) sind die Blossomers. Foto: Blossomers

„Im Rock sind unsere Wurzeln.“

Nachdem Lukas Kofler und Mathias Grüner mit „The Kill Candys“ und Eugen Klammsteiner mit „Aitvaras“ sich bereits vor Jahren Osttiroler Szenebekanntheit erspielt hatten, ging es für die drei nach Wien. Kofler und Klammsteiner begannen eine akademische Ausbildung an Gitarre und Schlagzeug, während sich Bassist Grüner einem Studium der Erziehungswissenschaften widmete. Im Herbst 2016 wurde die Band Blossomers gegründet und 2017 entstanden erste eigene Songs. Im gleichen Jahr erschien das Erstlingswerk, die „Blossoms EP“. „In der Blossoms EP haben wir unseren Stil gesucht und uns ausprobiert, sie ist nicht mehr repräsentativ für unser jetziges Klangbild, das wir auf dem neuen Album liefern werden. Wir haben uns weiterentwickelt“, so die Band. Das Album „Pseudophilia“ erscheint am 6. Dezember. Was aber ist dieses neue Klangbild?

„Wir machen Hard Pop“

Obgleich Rock mit klassischen Gitarrenriffs und Drumbeats wohl noch der Kern der Musik des Trios ist, lassen sich klare Erkennungsmerkmale verschiedenster Musikstile aus den Songs der Blossomers heraushören. Es finden sich popartige Ohrwurm-Melodien, doch es ist keine reine Popmusik. Manchmal steigert sich der Gesang und wird lauter, vergleichbar mit Pop-Punk-Bands wie „Greenday“, doch es ist sicher kein Punk. Dann wieder hört man den klaren Rockcharakter, den man von Bands wie „Queens of the Stone Age“ kennt, doch typischer Rock ist es ganz sicher auch nicht.

Darauf zielen die Blossomers auch gar nicht ab. Der sehr hohe Anspruch, den sie an sich selbst und an ihre Musik stellen ist nicht etwa das, was es schon gegeben hat zu wiederholen, sondern unter Einfluss all dessen, was ihnen zur Verfügung steht, Neues zu schaffen. Klar wird das auch, wenn man sie zu ihren musikalischen Vorbildern und Inspirationsquellen befragt. Neben Ikonen der Rockmusik wie „Queen“ nennen sie ein breit gefächertes Ensemble aus Genres und Künstlern. Von modernem Hip-Hop bis zum Motown Soul ist alles dabei.

Genau deshalb hört man aus ihrer Musik viele Stile heraus. Genau deshalb haben sie sich ihr eigenes Genre – den „Hard Pop“ – geschaffen, und genau deshalb verstehen sie sich selbst als „Rock Band in the digital Age.“ Rockmusik aus dem Jahr 2019 bedeutet für Kofler, Grüner und Klammsteiner nicht, den Stil der großen Rocklegenden zu kopieren, damit würden sie in die gleiche Falle tappen, wie sie Marilyn Manson 1998 beschrieben hat. Vielmehr bedeutet es für sie, auszubrechen aus dem oftmals viel zu konkret abgesteckten Bereich, der die Rockmusik umgibt. „Wir wollen auch auf Festivals spielen können, die nicht per se Rockfestivals sind. Wir wollen auch für Menschen etwas bieten, die nichts mit klassischer Rockmusik am Hut haben.“

„Rock Band in the digital Age“

„The perfect look, the perfect selfie. Setup, hedonism, pseudophilia. Crumbling realities behind the curtains. That’s en vogue, that’s glam – that’s rock.“ (Zitat von der Blossomers Website) Die Blossomers erkennen im heute vermeintlich normalen Sozialverhalten, das durch Digitalisierung motiviert ist, eine Parallele zu den nur nach außen existenten, nach innen unechten Images früherer Rockstars. Sie versuchen in ihren Texten nicht von einer Metaebene aus, sondern immer in der ersten Person, ohne eine Wertung abzugeben, einen Blick auf solches Verhalten zu werfen. Zumeist beschäftigen sie sich mit der Frage, wie Liebe in einer digitalisierten Gesellschaft funktioniert. So drehen sich die beiden Singles des neuen Albums um Dating-Apps (Conditional Love) und um Soziale Medien (Pseudophilia). „Wir wollen nicht kritisieren, wir sind ja selber Teil davon.“ Alles andere würde sie zu einer „Rock Band about the digital Age“ machen.


Blossomers, „Pseudophilia“
Album Release: 6. Dezember
Release Konzert: 6. Dezember im Kramladen in Wien

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