Schräge Zeiten! Wie Corona unser aller Leben beeinflusst

Und wie wir der Welt beim Kopfstehen zuschauen – Ein studentisches Stimmungsbild.

„Stell dir vor, wir hätten dann alle Corona – haha“. So oder so ähnlich klang das, damals, als wir zum ersten Mal etwas von diesem Covid-19 zu hören bekamen. Oder damals, vor einem Monat, als das Virus bereits begann, Europa zu überschwemmen. Oder auch damals, vor einer Woche, als die Universitäten von einem Tag auf den andern schlossen und wir das noch für einen schlechten Scherz hielten.

Ja, und nun sitzen wir hier in der omnipräsenten Ausgangssperre am Küchentisch, essen aus Langeweile das dritte Stück Kuchen – wissend, es wird nicht das letzte sein – und fragen uns, wie das denn nun so schnell passiert ist.

Das schräge an der ganzen Situation: Es herrscht allgemeine Krisenstimmung, ohne dass die Krise wirklich sichtbar wäre. Keine Bomben fallen vom Himmel, keine Lawine droht das Dorf zu verschütten und Donald Trumps Tweets sind nicht wüster als bisher. Solange man nicht selbst am Virus erkrankt, ist (scheinbar) alles gut. Dass etwas doch ganz anders ist, das sieht man im Supermarkt, wo Toilettenpapier zusammen mit sämtlichen Nudelvariationen (Vollkorn und glutenfrei ausgenommen) Mangelware ist, und auf den Straßen, die trotz des schönen Wetters seltsam leer scheinen.

In diesem merkwürdigen Klima ist es nicht weiter wunderlich, dass der eine oder andere Student die Flucht in die Heimat antritt, raus aus der Stadt. Denn ohne den täglichen Pflichtbesuch im Kaffeehaus, den Abstecher ins Kino oder – ja – die Uni, ist die sonst immer summende, immer brummende Großstadt auf einmal seltsam still und leer. Da lernt man das Land doch wieder auf ganz neue Weise schätzen. Während man in der kleinen Wiener Wohnung auf und ab marschiert und den Mitbewohnern stündlich sein Leid klagt, kann man sich am Land getrost eine Runde außer Haus wagen, ohne befürchten zu müssen, einer Menschenseele zu begegnen.

Doch gerade die eine oder andere Menschenseele geht einem in der Isolation der Ausgangssperre ab. Spätestens wenn man das dritte Bananenbrot in den Ofen geschoben, die Bilder, die seit Monaten auf ihren Nagel warten, aufgehangen und die komplette Speisekammer auf- und umgeräumt hat, wird einem bewusst, wie abhängig wir Menschen doch von der Gegenwart eines anderen sind.

Allerdings gibt es in Zeiten wie diesen auch dafür Abhilfe. Nach all dem Social Media Bashing deshalb an dieser Stelle einmal ein Plädoyer für die digitalen Medien: Soziale Kontakte meiden – das muss nicht unbedingt sein! So startet man den Tag mit einem Brunch mit dem Großvater über Skype, trinkt den obligatorischen Kaffee mit befreundeten Corona-Patienten via WhatsApp und schwitzt – verbunden über Face Time – zusammen mit der Sportgruppe beim Online-Zumba-Kurs.

Denn auch wenn das Ganze mehr oder weniger unerwartet über uns gerollt ist: Gerade jetzt ist vielleicht die Zeit, einmal etwas Neues zu probieren und aus der Krise eine Chance zu machen. Demnach: Kopf hoch oder wie es unser Bundespräsident formuliert hat: Ja, es darf sogar ein bisschen Spaß machen.


Miriam Ressi stammt aus Gaimberg, studiert Publizistik und Politikwissenschaft in Wien und arbeitet als freie Autorin auch für dolomitenstadt.at

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Talpa

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