1777 kam der Erbhof Hofer in Tessenberg bei Heinfels erstmals in Besitz der Familie Pitterl. Genau 220 Jahre später übernahm Peter-Paul Pitterl den Hof. Fotos: Roman Wagner

1777 kam der Erbhof Hofer in Tessenberg bei Heinfels erstmals in Besitz der Familie Pitterl. Genau 220 Jahre später übernahm Peter-Paul Pitterl den Hof. Fotos: Roman Wagner

„Wie wenn ich selbst darin wohnen würde“

Michaela Pitterl vom Erbhof Hofer will ihren Gästen vor allem eines bieten: Ruhe.

In Zeiten, in denen „Wohnsitz“ zum temporären Begriff wird, wirkt der Erbhof Hofer in Tessenberg wie ein Anker mitten im Trubel einer sich immer schneller drehenden Welt. Als dieses Haus erstmals in Besitz der Familie Pitterl kam, schrieb man das Jahr 1777. Genau 220 Jahre später übernahm Peter-Paul Pitterl den Hof mit einer 21 Hektar großen Landwirtschaft, die er mit Gattin Michaela im Nebenerwerb betreibt. Peter-Paul ist Ofensetzer und Fließenleger. Michaela hat ihr eigenes Reich. Sie ist die geborene Gastgeberin und das wissen all jene zu schätzen, die hier ihren Urlaub verbringen.

Hier lässt es sich schlafen. In den Ferienwohnungen der Pitterls hängen übrigens nur Bilder ihrer eigenen Tiere.

Drei Ferienwohnungen vermieten die Pitterls, eine direkt im Bauernhaus und zwei im ehemaligen Schulgebäude des Ortes, das der Familie gehört. Es sind geschmackvolle Refugien mit viel Holz, die schon auf den ersten Blick begeistern. „Die Wohnungen hab ich so ausgestattet, wie wenn ich selbst darin wohnen würde“ erklärt uns Michaela. „Mir ist wichtig, dass die Einrichtung passt, die Matratzen, die Betten. Dann kann ich mit gutem Gewissen vermieten.“

Die Gäste wissen das zu schätzen. Dabei waren die Pitterls erst gar nicht sicher, ob Zimmervermietung eine gute Idee ist. „Ich hab lange überlegt“, gesteht die Bäuerin. „Ich dachte, die Gäste erwarten Animation – und im Nebenerwerb ist das schwierig. Wir sind eigentlich kein typischer Urlaub am Bauernhof-Betrieb.“ Die Sorge war unbegründet, wie Michaela heute weiß. Viele Gäste wollen gar nicht bespaßt werden und suchen vor allem eines: Ruhe. Und die kann der Erbhof wirklich bieten.

Michaela Pitterls Gäste schätzen vor allem die Aussicht der drei Ferienwohnungen.

Wer Lust hat, das bäuerliche Leben aus der Nähe kennenzulernen, erhält aber gerne Gelegenheit dazu. Es gibt Kühe und Kälber, Schweine, Schafe, Hühner und einen Hahn, dazu köstliche bäuerliche Produkte, hergestellt direkt am Hof oder von befreundeten Bauern der Umgebung. Michaela Pitterl war Bezirksbäuerin und ist eine rührige Netzwerkerin. Ihre Gäste können sich mit einem „Bauernkörbl“ auf eine regionale Einkaufstour begeben. Wer nicht gerne selbst kocht, genießt lokale Köstlichkeiten in den Gaststätten der Umgebung, mit denen das Haus Pitterl zusammenarbeitet.

Michaela Pitterl mit einer ihrer fünf Töchter, Hannah.

Kooperation ist auch das Stichwort um Michaela Pitterl zu fragen, warum sie Mitglied bei der Vermarktungsplattform „Urlaub am Bauernhof“ ist? „Die vertreten einfach genau die landwirtschaftlichen Betriebe, du kannst dich jederzeit hinwenden, sie haben Ideen und sie helfen dir weiter.“ Obwohl das Haus Pitterl und der Erbhof einen schönen eigenen Internetauftritt haben, ist für die Vermieterin vor allem die Website von Urlaub am Bauernhof „eine Supersache“. Wie auch andere Mitglieder der Kooperative schätzt sie den sogenannten „Channelmanager“. Was ist das? „Wenn eine Buchung reinkommt, dann wird auf allen Plattformen von Booking über Feratel bis zu unserer eigenen Website alles auf ‚besetzt‘ umgestellt. Das ist eine gewaltige Erleichterung. Dafür allein zahlt sich der jährliche Beitrag aus. Das kostet sonst viel Geld.“

Viele Tiere, wie etwa dieses kleine Kalb, sind am Erbhof Hofer daheim.
Im Stall unterhalb des Hofes sind die Kühe untergebracht...
... und im Hof sieht Hündchen Luna nach dem Rechten.

Eine gute Sache sei auch die Kategorisierung, im konkreten Fall die Auszeichnung als 4-Blumen-Betrieb: „Für die Gäste ist das eine Orientierung.“ Auch während des Corona-Sommers war der Traditionsbetrieb in Tessenberg sehr gut ausgebucht. Michaela Pitterl war zufrieden mit der Saison, bis die Reisewarnung aus Deutschland kam. Dennoch ist sie optimistisch für die Zukunft und schmiedet Pläne. Eine wunderschöne alte Mühle gehört zum Anwesen. Sie wird in Schuss gebracht, damit die Pitterls ihr eigenes Mehl mahlen können, Rohstoff für köstliches Bauernbrot und „Nigelen“.

Mehr Betten sind nicht geplant. Obwohl die größeren ihrer fünf Töchter fleißig mithelfen, gehe sich das im Nebenerwerb nicht aus, erklärt uns die Hausherrin und hat zum Schluss noch einen Tipp für alle, die vielleicht auch bei Urlaub am Bauernhof mitmachen wollen: „Wenn man authentisch ist und mit Überzeugung vermietet, bekommt man genau die Gäste, die passen.“


Die Kooperation „Urlaub am Bauernhof“ hat mehr als 2500 Mitglieder in ganz Österreich – davon 347 in Tirol – und versteht sich als „Botschafter der bäuerlichen Welt“. Rund um die zentrale Website und Buchungsplattform urlaubambauernhof.at erhalten die Mitglieder alle Werkzeuge für eine umfassende und professionelle Bewerbung ihrer Ferienangebote. Beworben werden ausschließlich Bauernhöfe, die nach einer Qualitätsüberprüfung mit „Blumen“ zertifiziert werden.

Interesse an einer Mitgliedschaft? Hier gibt es nähere Informationen für Bauernhöfe.

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