Mit dem Bus zur historischen Burg Heinfels

Von Hunnus und Hanno, den Görzer Grafen, Hexenverbrennungen und der Königin des Pustertals.

1000 Mal bewundert, 1000 Mal vorbeigefahren. Die Kärntnerin Rita Goller-Schilirò ist auf dem Weg nach Sillian zu ihrer Oma und später zum Vater „an die tausend Mal“ an der imposanten Burg vorbeigezischt. Jedes Mal mit großen Augen und mit dem selben Gedanken: „Jetzt schau‘ ich sie mir wirklich bald an!“. Viele Jahre vergehen so und die Besichtigung bleibt unverwirklicht. Die dolomitenstadt.at Serie „Öffi-Freizeittipp“ nimmt das nun in die Hand. Gemeinsam mit Reporterin und Tochter Caterina Schilirò geht es für Rita endlich zur berühmten Burg Heinfels.

Die „Königin des Pustertals“, frisch herausgeputzt und einen Besuch auf jeden Fall wert.

Mit der Buslinie 961 starten wir vom Lienzer Busbahnhof Richtung Heinfels. Nach ca. 30 Minuten steigen wir bei der Bushaltestelle „Panzendorf Gemeindeamt Heinfels“ aus und machen uns auf den Weg zur Burg. Vorbei am Gasthof Burg Heimfels führt ein kleiner Serpentinenweg – ca. 10 Minuten Wegzeit – zum Burgtor.

Kulturvermittlerinnen Monika Reindl-Sint, sie leitet das Museum Burg Heinfels, und Ramona Hofmann, die uns führen wird, begrüßen uns. Für die Besichtigung stehen zwei Varianten zur Auswahl: Wer sich für die Geschichte hinter den Mauern interessiert, für den zahlt sich die Voranmeldung für die geführte Tour durch die gesamte Anlage auf jeden Fall aus. Wer lieber selbst erforscht und im eigenen Tempo durch die Burg schlendern möchte, dem ist mit der nicht geführten Panoramatour geholfen. Wir entscheiden uns für die erste Variante und starten mit Ramona ins Geschehen.

„Stufenweise Zeitreise“ lautet das Motto im wahrsten Sinne des Wortes. Für die Führung durch die abwechslungsreiche Geschichte von Burg Heinfels wurde eine Treppe mit den markantesten und „für uns am besten nachvollziehbaren“ Ereignissen, wie uns Ramona verrät, gestaltet. Hier bekommt man einen kurzen Überblick, was die Besucherinnen und Besucher erwartet.

Was wir schon bald erkennen: Durch die gesamte Vorstellung der Burg zieht sich ein roter Faden. Lichterspiele, interaktive Bereiche – vor allem für Kinder eine angenehme Abwechslung – und visuelle und auditive Vorführungen werden gekonnt eingesetzt und erzeugen eine einzigartige Atmosphäre. Ramona Hofmann lässt uns mit ihren Erzählungen von der Entstehung der Burg, den Machtkämpfen und ihren Beschreibungen der ehemaligen Bewohner, die übrigens bis zum Jahr 2006 hier residierten, in die Welt des ursprünglichen Heinfels eintauchen. Oft bleibt der Mund vor Staunen offen und Rita, deren Wunsch uns hierher gebracht hat, ist hörbar begeistert:

Wir erfahren von der Sage über den brutalen Kampf zwischen den Riesen Hunnus und Hanno, von der unerwartet langen Bau- und Entstehungsphase der Burg, von der Vertreibung der Görzer Grafen von Schloss Bruck auf die Burg Heinfels, von schrecklichen Hexenverbrennungen und schließlich leider auch vom Verfall der einst mächtigen Burg.

Die „Königin des Pustertals“ – ein Name, den die Burg ihrer Lage und Bedeutung in vergangene Zeiten verdankt – erlebt jedoch eine weitere Blütezeit: Durch die Renovierungsarbeiten von 2016 bis 2020, die durch den Kauf der Burg von der Firma Loacker ermöglicht wurden, erstrahlt sie in neuem Licht. „Neu bleibt alt“ ist allerdings die Devise der Sanierungsmaßnahmen. So wurden für den Wiederaufbau hauptsächlich vorhandene Materialien, die bei Einstürzen freigesetzt wurden, getestet, saniert und wieder eingesetzt.

Die St. Laurentius Burgkapelle, ihre Fresken und Ausstellungstücke – vorrangig die Scheibenmonstranz von Heinrich Egolf, Konstanz 1596 – sind einer der Höhepunkte der Burgbesichtigung, aber auch Schauplatz vieler standesamtlicher Hochzeiten, da die Kapelle nicht mehr geweiht ist. Über die zweihüftige Scherentreppe klettern wir in den 21 Meter hohen Bergfried, der einen atemberaubenden Ausblick auf das Pustertal bietet, rauf und wieder hinunter. Nach ca. zwei Stunden erreichen wir das Ende unserer Führung. Was für eine Erfahrung! Der Ausflug hat sich ausgezahlt und Rita erfüllte sich einen Kindheitswunsch. Wir bedanken uns für die kompetente und doch lockere Führung.

Wer von den ganzen Eindrücken müde oder hungrig oder beides geworden ist, für den bieten sich der Gasthof Burg Heimfels – am Fuße der Burg gelegen – oder die Loacker Genusswelt – 10 Minuten Gehweg – für eine Pause an. Für uns geht es nach einem kleinen Abstecher mit dem Zug zurück nach Lienz. Den Bahnhof Heinfels erreicht man von der Burg aus in 15 Minuten. Es gibt eine Zugverbindung im Stundentakt. Den Fahrschein erwirbt man im Zug oder online, da es am Bahnhof keinen Ticketautomaten gibt. Wir entscheiden uns für ein Onlineticket – schnell und einfach. Alternativ gibt es auch noch eine Busverbindung zu einem späteren Zeitpunkt. Einem gemütlichen Nachmittagsausflug steht also nichts mehr im Weg!

Vor der Abreise bleibt Zeit für einen kurzen Abstecher zur Loacker Genusswelt, um dann gestärkt die Rückreise anzutreten. Foto: Dolomitenstadt/Schiliro

Die beste Verbindung:

Vom Bahnhof Lienz fahren Zug (S2) und Bus (961) in regelmäßigen Abständen (meist stündlich). Ticket für Erwachsene ohne Ermäßigung 7,90 Euro. Die Fahrt dauert ca. 30 Minuten. Der Ausflug ist grundsätzlich bei jedem Wetter möglich und auch für Kinder perfekt geeignet.

Besichtigung Burg Heinfels:

Geführte Tour mit Voranmeldung: 12€
Nicht geführte Panoramatour: 8€
Kinder bis sechs Jahre: gratis
Kinder und Jugendliche von 7 bis 14 Jahren: 9€/5€
Anmeldung, Öffnungszeiten und weitere Infos unter https://www.burg-heinfels.com/.

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