Öffi-Freizeittipp im Defereggental: Taxi bitte!

Familie Blaßnig bietet mit dem VVT öffentliche Mobilität auf Abruf. Video!

Wenn Mobilität in Zukunft nachhaltig werden soll, wird das Auto eine geringere Rolle spielen müssen. Das weiß man auch im Defereggental und setzt auf nachhaltige Verkehrskonzepte. Eine spannende und bequeme Art der Fortbewegung bietet dort die Familie Blaßnig in Kooperation mit dem VVT. Durch ein Anrufsammeltaxi (AST) soll im Defereggental, dessen wichtigstes wirtschaftliches Standbein der Tourismus ist, die Natur entlastet und der Verkehr reduziert werden.

Die nachhaltige Reise begann schon im Jahr 1957 mit der Gründung eines Taxiunternehmens im Tal. Im Fuhrpark stand damals ein Ami-Jeep aus den Armeerestbeständen, mit dem Einheimische und Gäste auf die Bloshütte gekarrt wurden. Ein paar Jahre später folgten Schülertransporte in Hopfgarten und St. Veit, ehe 1993 Alois Blaßnig den Betrieb übernahm. 2010 wurde für das Anrufsammeltaxi – damals als Pilotprojekt – vom Regionalmanagement Osttirol und den drei Deferegger Gemeinden der Verein „Defmobil“ gegründet und die Firma Blaßnig als Betreiber ins Boot geholt.

Betriebsgründer Jakob Blaßnig unterwegs mit Fahrgästen im Zwenewaldtal Richtung Bloshütte. Archivfotos: Blaßnig

„Wir leben dieses Projekt und haben viel Arbeit hineingesteckt. Das hat sich früh bezahlt gemacht, das Sammeltaxi wurde von Anfang an sehr gut angenommen“, erzählt Alois, während er auf einer Gartenbank vor seinem Firmensitz in Hopfgarten sitzt. Seinen Eindruck untermauern die heurigen August-Zahlen: 331 Fahrten mit 789 Fahrgästen auf insgesamt 10.098 Kilometern! Vor wenigen Tagen hat Alois den Betrieb an seinen Sohn Thomas übergeben. Mittlerweile kutschieren sie Gäste, Schüler:innen, Lehrlinge und Ausflügler mit zwei VW-Bullis und einem 17-Sitzer-Bus. Das Anrufsammeltaxi sehen sie als ideale Ergänzung zum normalen Linienverkehr. Es ist auch für überregionale Anschlüsse zu den Randzeiten wichtig, an denen die Busse nicht fahren.

Das Deferegger Anrufsammeltaxi wurde mittlerweile auch in den Linienverkehr des VVT aufgenommen und verkehrt an sieben Tagen die Woche jeweils von 04.50 bis 21.00 Uhr zwischen Huben und Erlsbach bei St. Jakob. Es ist günstig, fährt auf fixen Routen und ist in das VVT-Ticket-System integriert. Im AST gelten nämlich alle VVT Tickets, also alle Einzelkarten und Netz-Tickets oder Schul- und Lehr-Tickets. Einzelkarten sind beim Fahrer erhältlich. Auch wer eine Gästekarte besitzt, fährt gratis aber nicht umsonst mit. Das Potenzial der Anrufsammeltaxis hat auch Mobilitätsforscherin Katja Schechtner erkannt. Sie hat am Beispiel Lissabon errechnet, wie groß der Effekt wäre: Würden alle mit einer Art Sammeltaxi fahren, bräuchte es nur drei Prozent der derzeitigen Fahrzeuge.

Im Defereggental wird nach einem Fahrplan auf Abruf gefahren. „Wir fahren nicht automatisch die ganze Linie, sondern nur von der ersten gewünschten Einstiegsstelle bis zur letzten Haltestelle der mitfahrenden Gäste“, erklären Senior und Junior Blaßnig.

Und so funktioniert’s:

Unter der Nummer +43 664 1964 433  das Taxi mindestens eine Stunde vor der gewünschten Abfahrtszeit laut Fahrplan bestellen. Bei frühen Abfahrtszeiten muss der Anruf am Vorabend bis spätestens 20.00 Uhr erfolgen. Dem Fahrer am Telefon Namen und Zahl der Fahrgäste, Abfahrtszeit, Abfahrtshaltestelle und das gewünschte Ziel nennen und schon kann es losgehen. Damit wird das Auto bei Unternehmungen im Defereggental überflüssig.

Wer hoch hinaus will, nimmt das Wandertaxi der Blaßnigs in Anspruch. Hauptziel des Hüttentaxis ist die Bloshütte im Zwenewaldtal mit Wander- und Tourenmöglichkeiten zum Geigensee, Regenstein, Villgrater Törl und Übergang zur Volkszeiner Hütte oder zum geographischen Mittelpunkt Osttirols, dem Firstkogel.

„In St. Veit bringen wir die Gäste bei Bedarf zur Speikbodenhütte und bieten außerdem Transferfahrten für Wandergruppen an, die auf dem 2-Täler-Trail zwischen Defereggen und Antholz unterwegs sind“, erzählt Thomas. In naher Zukunft will er seinen Betrieb um einen E-Bike-Verleih erweitern.


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