„Nur zusammen können wir aus der Pandemie!“

Der Berufsverband der Pflege in Tirol mit einem „Hilferuf an die Gesellschaft.“

In einem emotionalen Schreiben richtet die Tiroler Delegation des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes einen „Hilferuf an die Gesellschaft“. Der Landesverband um die Vorsitzende Ines Viertler nimmt in erster Linie die politischen Entscheidungsträger in die Pflicht. Die Forderungen sind klar: Keine Spaltung der Gesellschaft, Expert:innen aus dem Pflegebereich in Entscheidungsprozesse einbinden und nicht zuletzt eine adäquate Pflegereform.

Ines Viertler: „Die Pflegepersonen sind ausgebrannt, entmutigt, verzweifelt und überarbeitet.“ Foto: ÖGKV

Wir veröffentlichen das Schreiben im Wortlaut:

Appell an die gesamte österreichische Gesellschaft: Nur zusammen können wir die Pandemie bekämpfen! Wir alle sind Gesellschaft und wir alle möchten unser viel geliebtes normales Leben wieder zurück. Nur zusammen können wir aus der Pandemie! Die Impfung kann uns ein gutes Stück aus der Pandemie retten (hier gibt es Evidenz) und sie wirkt gegen die Überlastung im Gesundheitswesen, sprich sie entlastet alle Akteure, die in der Pflege arbeiten. Die Pflegepersonen sind ausgebrannt, entmutigt, verzweifelt und überarbeitet.

Für alle in der Gesellschaft die sich noch unklar über ihre Impfbereitschaft sind, oder noch nicht genügend Aufklärung erfahren haben, bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt bezüglich der Impfung. Die Hälfte der Gesamtbevölkerung weltweit ist bereits geimpft.

Appell an alle politischen Entscheidungsträger: Lassen Sie ihre (persönlichen) politischen Entscheidungen hinter den Entscheidungen der Wissenschaft!

An alle die dafür verantwortlich sind, dass sich die Gesellschaft immer mehr spaltet: Verzichten Sie auf Wortmeldungen die unter die Gürtellinie gehen, bleiben Sie mit ihren Äußerungen auf der Sachebene!
Appell an die politischen Entscheidungsträger: Binden Sie endlich die professionelle Pflege beratend in ihre Entscheidungen mit ein – die Expertise der Pflegeprofessionisten ist systemrelevant!

Gehen Sie endlich die Pflegereform/Systemreform an! Die geforderte Gehaltserhöhung sowie die Auszahlung des Bonus ist hier der erste Schritt. Die professionellen Pflegeberufe sind systemrelevant und deshalb unbedingt in beratender Funktion in Entscheidungsprozesse – die Pflege betreffend – einzubinden!

Die Pflegelehre ist keine verbessernde Pflegereform, sie ist ein verzweifelter Versuch kostengünstig Pflegekräfte für den stetig steigenden Bedarf zu „produzieren“. Die Gesellschaft hat es verdient, von professionell ausgebildeten Pflegepersonen gepflegt und betreut zu werden. Das erwarten wir uns auch von einem Arzt und keinem Arztlehrling. Das erwarten wir auch von einem Apotheker und keinem Apothekerlehrling.

Wir alle sind Gesellschaft, bitte gehen wir die Pandemie auch gemeinsam an.

Mag. DGKP Ines Viertler, Landesvorsitzende Berufsverband der Pflege in Tirol


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